21.02.13

Nach Sanierung

Berliner Oberbaumbrücke drei Monate früher fertig

Bis Mai sollten die Arbeiten an der Oberbaumbrücke ursprünglich dauern. Doch die Wasserbetriebe sorgten für Tempo, aber ohne Prämien.

Von Thomas Fülling
Foto: Marion Hunger

Auf der Oberbaumbrücke rollt der Autoverkehr wieder
Auf der Oberbaumbrücke rollt der Autoverkehr wieder

Schließlich ging alles noch schneller als angekündigt: Erst hieß es, am Donnerstag um 15 Uhr könne die seit mehr als einem halben Jahr bestehende Straßensperrung auf der Berliner Oberbaumbrücke beendet werden. Doch dann konnten bereits am Morgen die Autos wieder in beiden Richtung über die wichtige Verkehrsader zwischen Friedrichshain und Kreuzberg rollen.

Auf große Zeremonien mit Band-Durchschneiden wurde auch verzichtet. "Die Arbeiter waren einfach fertig, und es gab keinen Grund, die Straßen-Sperrung länger aufrecht zu erhalten", sagte Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Auf der Friedrichshainer Seite hatte das Unternehmen einen 1893 gebauten Regenwasserkanal unter der Brücke aufwendig saniert und erweitert, nun konnte es das 1,5 Millionen Euro teure Vorhaben früher als geplant abschließen.

Und das am Ende nicht nur um ein paar Stunden, sondern um fast drei Monate. Ursprünglich sollten die Arbeiten, die im August 2012 begannen, noch bis Mitte Mai 2013 dauern. Bedingt durch die Baustelleneinrichtung musste die Straße, die täglich von Zehntausenden Autofahrern genutzt wird, halbseitig gesperrt werden, Autos konnten über die Brücke nur in Richtung Friedrichshain.

Der Verkehr in Richtung Kreuzberg, darunter auch zwei Buslinien, wurde etwa über die Schillingbrücke umgeleitet. Immer wieder kam es dort zu langen Staus, vor allem im Berufsverkehr. Gerade Autofahrer, die viel in der Innenstadt unterwegs sind, dürfte es daher jetzt sehr freuen, dass die Baustelle an der neuralgischen Stelle endlich verschwunden ist.

Bewusst für mehr Bautempo gesorgt

Das vorzeitige Bauende an der Oberbaumbrücke ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Nicht nur, weil Bauvorhaben in Berlin gewöhnlich länger als geplant dauern. Für das Positiv-Beispiel haben zudem die Berliner Wasserbetriebe (BWB) gesorgt, die bei vielen Berlinern eher im Verdacht stehen, für ihre Tiefbauarbeiten oft besonders lange zu brauchen.

Doch im Fall der Oberbaumbrücke hat das Unternehmen ganz bewusst für mehr Bautempo gesorgt. Anders als der Senat bei der Avus-Sanierung wurde dies jedoch nicht über das Ausloben einer Zielprämie erreicht.

"Wir haben vielmehr die Firmen beauftragt, ihre tägliche Arbeitszeit zu verlängern", sagte BWB-Sprecher Natz. Statt wie anfangs von 8 bis 16 Uhr wurde ab Dezember von 8 bis 20 Uhr am Ufer der Spree gebaut. Außerdem wurde im Winter ein Schutzzelt mit Heizung und Lichtstrahlern aufgebaut, unter dem auch bei Frost und Schnee gearbeitet werden konnte.

Notwendig dafür war allerdings eine Nach-Ausschreibung für den Auftrag, die den Wasserbetrieben auch Mehrkosten bescherte. "Gleichzeitig sparen wir aber Gebühren ein, die wir für die Sondernutzung von öffentlichem Straßenland zahlen müssen", sagte Natz.

Dieses Vorgehen soll aber nicht zum generellen Standard für ihre Baustellen werden. "Wir haben den Auftrag, mit dem Investitionsbudget möglichst viel zu erreichen. Mehr Geld für Bautempo bedeutet, dass am Ende weniger Arbeiten pro Jahr erledigt werden können", beschreibt Natz das Dilemma, in dem sich das Unternehmen befindet. Allerdings gebe es inzwischen eine größere Sensibilität im Unternehmen, an besonders wichtigen Verkehrsknoten und Hauptstraßen "nicht auf den Cent zu schauen".

Die Berliner Wasserbetriebe gehören mit mehr als 700 Baustellen im Jahr zu den größten Stau-Verursachern auf öffentlichen Straßen. Wegen des teils desolaten Zustands vieler, teils mehr als 100 Jahre alten, Anlagen dürfte dies auch auf Jahre hinweg so bleiben. Immer wieder kommt es neben den geplanten Bauvorhaben zu Noteinsätzen, weil marode Trinkwasserleitungen geplatzt oder Abwasserrohre gebrochen sind.

Nahezu in gesamter City Baustellen der Wasserbetriebe

Auch bei dem Projekt an der Oberbaumbrücke ging es um die Beseitigung einer historischen Altlast. Denn das Abwasserkanalsystem, wie es vom preußischen Stadtplaner James Hobrecht (1825–1902) vor rund 150 Jahren für Berlin konzipiert, trennt nicht zwischen Regen- und Schmutzwasser. Das hat zur Folge, dass bei besonders starken Niederschlägen die Kanäle regelrecht überliefen. Das überschüssige Wasser läuft in solchen Fällen mit all seinem Unrat und den Fäkalien in die Spree und verunreinigt den Fluss. Mehr als 100 solcher Überlaufstellen gibt es im gesamten Stadtgebiet.

Jedes Jahr schwappen bei Wolkenbrüchen – und davon gibt es pro Jahr 20 bis 30 – rund sieben Millionen Kubikmeter Mischwasser ungeklärt in die Berliner Flüsse. Die stinkende Brühe ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sie führt auch zu rasantem Algenwachstum, Sauerstoffmangel und schließlich zum Fischsterben. Nach einem mit dem Senat vereinbarten Programm wollen die Wasserbetriebe die Regenüberlaufkanäle nach und nach umbauen. Sie sollen Sperren und Zwischenspeicher erhalten, die verhindern, dass Abwasser ungeklärt in die Spree gelangt. Das 1,5 Millionen Euro teure Bauwerk unter der Oberbaumbrücke ist einer dieser neuen Zwischenspeicher. Dort können künftig bis 4200 Kubikmeter Schmutzwasser aufgefangen werden.

Bis 2020 soll in ganz Berlin ein Stauraumvolumen von 306.000 Kubikmeter entstehen. Bisher haben die Wasserbetriebe durch den Bau neuer Wehre und unterirdischer Rückhaltebecken schon 222.000 Kubikmeter Stauraum geschaffen. Damit komme man dem Ziel, bis 2020 die Schmutzwasser-Überläufe auf rund 3,5 Millionen Kubikmeter zu halbieren, einen großen Schritt näher.

Nahezu in der gesamten Innenstadt werden die Berliner in den kommenden vier Jahren auf die Baustellen der Wasserbetriebe stoßen: So ist etwa in Charlottenburg-Wilmersdorf gleich an drei Stellen der Einbau von Stauvorrichtungen geplant: Unter der Kant-, Ecke Fasanenstraße, der Kaiser-Friedrich-Straße und der Sophie-Charlotte-Straße sollen Speicher für bis zu 13.000 Kubikmeter Abwasser geschaffen werden. Am Mauerpark in Mitte soll eine unterirdische Kanalröhre rund 8000 Kubikmeter fassen.

Das größte Vorhaben ist jedoch hinter der neuen Zentrale für den Bundesnachrichtendienst an der Chausseestraße geplant: Ab dem Frühjahr 2014 soll dort mit dem Bau eines 17.000 Kubikmeter fassenden Speichers begonnen werden. All diese Projekte sollen aber keine so gravierenden Auswirkungen auf den Straßenverkehr haben wie das Projekt an der Oberbaumbrücke, versprechen die Wasserbetriebe.

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