21.02.13

U-Bahn

Tunnelarbeiten unter Bismarckstraße dauern bis 2016 an

Eindringendes Wasser setzt den Bauwerken zu. Die Verkehrsbetriebe benötigen 800 Millionen Euro für eine Sanierung des Berliner U-Bahn-Netzes.

Von Thomas Fülling
Foto: Massimo Rodari

Sickerwasser: In die Tunnelwände ist an vielen Stellen Wasser eingedrungen. Ein BVG-Mitarbeiter nimmt die Schäden auf
Sickerwasser: In die Tunnelwände ist an vielen Stellen Wasser eingedrungen. Ein BVG-Mitarbeiter nimmt die Schäden auf

Das Problem ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Von der Decke hat sich tellergroß der Putz gelöst, die Ränder sind grauschwarz verfärbt, dazwischen blüht weiß der Schimmel. Wer etwas genauer hinschaut, sieht die Wand schimmern.

Bei Uwe Kutscher schrillen da sofort die Alarmsignale. Der Bau-Chef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird da gern auch mal zum Hobby-Philosophen. "Das Wasser ist der größte Feind des Tunnels", so eine der Grundweisheiten des 50-Jährigen.

Kann die Feuchtigkeit über Jahre hinweg ungestört in das Bauwerk eindringen, fängt selbst der beste Beton an zu bröckeln. Besonders gefährlich wird es jedoch, wenn die Feuchtigkeit die Pfeiler und Bewehrungen aus Stahl angreift und zum Rosten bringt. "Dann ist irgendwann die gesamte Stabilität des Tunnelbauwerks in Gefahr", sagt Kutscher.

Es tropft durch die Decke

Soweit ist es bei dem 107 Jahre alten Tunnel für die U-Bahn unter der Bismarckstraße in Charlottenburg noch nicht. Doch auch hier hat der Zahn der Zeit kräftig an den Tunneldecken genagt. Besonders gefährlich ist die Lage im Gleichrichterwerk unter der Richard-Wagner-Straße. Dort wird Hochspannung von 10.000 Volt in Fahrstrom für die U-Bahn-Züge mit einer Spannung 750 Volt umgewandelt.

Dringt Wasser in diese elektrischen Anlagen ein, gibt es einen lauten Knall und einen Kurzschluss, der fast den gesamten U-Bahn-Verkehr im Westen der Stadt lahmlegen könnte. Schon seit mehr als zehn Jahren tropft es an verschiedenen Stellen durch die Deckenkonstruktion.

Erst mit kleinen Planen, dann mit Wasserrinnen, schließlich mit mehreren Lagen Dachpappe versehene Einhausungen haben die BVGer die sensiblen Elektroanlagen im Gleichrichterwerk geschützt. "Doch nun ist ein Punkt erreicht, wo wir an einer grundhaften Erneuerung der Tunneldichtung nicht mehr vorbeikommen", sagt Kutscher.

Arbeiten im Bereich Bismarckstraße beginnen im März

Anfang März will die BVG mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten im Bereich Bismarckstraße beginnen. Der genaue Starttermin steht noch nicht fest, er hängt vor allem davon ab, ob noch störender Frost herrscht oder nicht. Die Bauarbeiten werden sich teilweise bis in das Jahr 2016 hinziehen. Unter anderem müssen 6000 Meter Stahlträger mit einem Korrosionsschutz versehen und 13.000 Quadratmeter Schwarzabdichtung erneuert werden.

Da die Tunnelhülle von außen erneuert wird, kann der U-Bahn-Verkehr die gesamte Zeit über ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Auch der Autoverkehr kann weiter über die Bismarckstraße rollen, allerdings werden die Fahrspuren im jeweiligen Baubereich verschwenkt und zudem von vier auf drei je Richtung reduziert. Der fließende Verkehr werde somit nicht ernsthaft beeinträchtigt, hofft die BVG.

Ernsthaft betroffen werden hingegen die Anwohner und die Besucher der Deutschen Oper sein. Je nach Baufeld fallen dann 100 bis 200 Pkw-Stellplätze weg. Die BVG sieht dazu keine Alternative, denn nur so könne verhindert werden, dass die wichtige Ost-West-Magistrale nicht zur Staufalle wird.

Sanierung von einem Kilometer Strecke kostet zwölf Millionen Euro

"Das wird für einige Anwohner sicher mit Ärger verbunden sein – aber ein Recht auf einen Parkplatz direkt vor der Haustür gibt es nicht", sagte BVG-Bauleiter Kutscher dazu. Immerhin können sich die Anwohner im Anschluss auch über eine komplett sanierte Straße freuen, denn nach Erneuerung der Tunnelabdichtung bekommt die Fahrbahn der Bismarckstraße eine nagelneue Asphaltdecke.

Gearbeitet wird zwischen Ernst-Reuter-Platz und der Einmündung Richard-Wagner-Straße auf vier Baufeldern und in zwei zeitlichen Bauabschnitten. Insgesamt kostet die Sanierung von gut einem Kilometer U-Bahn-Strecke voraussichtlich rund zwölf Millionen Euro.

Die Tunnelstrecke unter der Bismarckstraße ist nur eine von vielen Stellen im rund 120 Kilometer langen unterirdischen Berliner U-Bahn-Netz, an denen eindringendes Wasser teilweise schweren Schaden angerichtet hat. "Es gibt kaum noch Bereiche, wo wir keine Sorgen haben."

Verschärft durch schlechten Zustand vieler Fahrbahndecken

Die Probleme haben sich in den vergangenen Jahren erheblich vergrößert. Denn immer mehr schwere Lastkraftwagen rollen über Berlins Straßen, deren Erschütterungen sorgen dafür, dass auch die Abdichtung der oft nur einen Meter unter der Straße liegenden U-Bahn-Tunnel Risse und Brüche bekommt.

Verschärft hat sich die Situation durch den schlechten Zustand vieler Fahrbahndecken. Durch die zahlreichen Risse und Schlaglöcher fließt das Wasser nicht mehr in die Kanalisation ab, sondern sickert in den Untergrund ein, wo auch die U-Bahn-Schächte liegen.

Eine im Vorjahr an den Senat übergebende Bestandsaufnahme der BVG hat ergeben, dass für das zu einem erheblichen Teil noch vor dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit der Weimarer Republik gebaute Berliner U-Bahn-Netz ein Instandhaltungsbedarf von rund 800 Millionen Euro besteht.

200 Millionen Euro bereits in Sanierung des Netzes investiert

Etwa 200 Millionen Euro sind bereits investiert worden, zum Beispiel in die Erneuerung der U2-Viaduktstrecke an der Schönhauser Allee oder der Sanierung des wichtigen U-Bahnhofs Gleisdreieck. Noch in diesem Jahr steht eine weitere Sanierung an der U5 an. Die Strecke zwischen Elsterwerdaer Platz und Cottbusser Platz muss dafür die Sommerferien über komplett gesperrt werden.

Abgeschlossen werden sollen die Arbeiten am U-Bahnhof Vinetastraße, wo noch immer Wasser in das Bauwerk eindringt. In den vergangenen Jahren ist die Tunnelabdichtung in zwei Bereichen erneuert worden, nun soll die Ostseite drankommen.

Noch keine Lösung hat die BVG für die rostenden Stahlpfeiler im U-Bahnhof Zoologischer Garten (U2-Ebene). "Dort dringt nicht das Wasser von außen sein – vielmehr macht uns die Feuchtigkeit zu schaffen, die durch die Fahrgäste in die Station mit hinein gebracht wird", so Kutscher. Die gefährdeten Pfeiler auf den Bahnsteigen sind abgesperrt und sollen nun genauer auf Schäden untersucht werden.

Bis 2030 sollen alle vor 1930 erbauten Tunnel erneuert sein

2014 will die BVG das nächste große Sanierungsprojekt in Angriff nehmen. Im Zuge der vom Senat und vom Bezirk geplanten Erneuerung der Karl-Marx-Straße in Neukölln soll dann auch die Tunnelstrecke darunter instand gesetzt werden.

Das große Ziel der BVG: Bis 2030 sollen alle Tunnel erneuert sein, die vor 1930 gebaut wurden. "Ob uns das gelingt, hängt vor allem davon ab, ob der Senat uns das Geld dafür gibt", sagte Kutscher.

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U-Bahn wird 111 Jahre alt

Heerstraße wird zur Staufalle
  • Brückensanierung

    Aufgrund von Schäden an der Stößenseebrücke im Spandauer Ortsteil Wilhelmstadt hat die Senatsverwaltung umfangreiche Instandhaltungsarbeiten angekündigt. Bereits ab dem 26. Februar wird der Verkehr auf der stark befahrenen Heerstraße (B5) im Baustellenbereich stark eingeschränkt. Statt fünf Fahrspuren gibt es dann für voraussichtlich acht Wochen nur eine Spur pro Richtung.

  • Nahverkehr

    Stark betroffen von der kurzfristigen Baumaßnahme ist auch der öffentliche Nahverkehr. Die Berliner Verkehrsbetriebe rechnen morgens stadteinwärts und nachmittags stadtauswärts mit erheblichen Staus und deutlich längeren Fahrzeiten auf den Bus-Linien M49 (Heerstraße–S- und U-Bahnhof Zoologischer Garten), X34 (Kladow–Bahnhof Zoo) und X49 (Staaken–S-Bahnhof Messe Nord/ICC).

  • Fahrplan

    Damit die Fahrgäste ihre Anschlüsse an S- und U-Bahn möglichst doch erreichen, plant die BVG mehrere Fahrplan-Änderungen. An der Linie X34 werden Busse einerseits zwischen Bahnhof Zoo und S-Bahnhof Olympiastadion fahren, zum anderen zwischen Kladow und S- und U-Bahnhof Spandau. Der Bus X49 soll operativ eingesetzt werden. Die Busse der Linie M49 verkehren ohne Einschränkungen.

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