20.02.13

Prozessauftakt

Sex mit 13-Jähriger – Männer bestreiten Vergewaltigung

Zwei Männer stehen in Berlin vor Gericht, weil sie ein Mädchen in einem eigens dafür angemieteten Hotelzimmer missbraucht haben sollen.

Von Hans H. Nibbrig

Der Vorwurf erscheint ungeheuerlich. Zwei erwachsene Männer sollen ein 13-jähriges Mädchen in einem eigens dazu angemieteten Berliner Hotelzimmer vergewaltigt haben.

Ob die Beschuldigungen zutreffen, muss jetzt ein Prozesses klären, der am Mittwoch vor dem Landgericht Moabit begonnen hat. Die Richter stehen dabei gleich vor zwei Problemen. Wie bei nahezu jedem Sexualdelikt wissen nur Täter und Opfer, was tatsächlich passierte, andere Zeugen fehlen. Und das Geschehen liegt inzwischen fast neun Jahre zurück.

Sommer 2004. Die damals 13-jährige Kassandra F. aus einer Kleinstadt in Niedersachsen ist zu Besuch bei ihrem von der Mutter getrennt lebenden Vater in Berlin.

In einer Pizzeria in Reinickendorf treffen Vater und Tochter an einem nicht mehr genau bestimmbaren Abend auf Erduwan O. und Firat C., damals 28 und 21 Jahre alt. Man kommt ins Gespräch, trinkt etwas und schließlich fragen die Männer die 13-Jährige, ob sie noch mit ihnen Billard spielen wolle.

Das Mädchen will und der Vater, nach Angaben der Tochter seit langem Alkoholiker, ist offenbar betrunken genug, um das zu erlauben. Seine einzige Bedingung: Die Männer sollen seine Tochter bis spätestens 2 Uhr nach Hause bringen.

Sex zu dritt statt Billard

Die beiden Männer und das Mädchen machen sich auf den Weg. Sie fahren zunächst im Auto herum, besorgen an einer Tankstelle Getränke und landen schließlich am Flughafensee in Tegel. Dort fragt einer der Männer die 13-Jährige, ob sie Lust auf Sex zu dritt habe.

Bis zu diesem Punkt stimmen die Schilderungen der Angeklagten und des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers nahezu überein, danach folgen zwei völlig unterschiedliche Versionen des Geschehens.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, sie seien mit der 13-Jährigen in ein Hotel in Tegel gefahren. Dort sollen sie das Mädchen in einem Zimmer abwechselnd vergewaltigt haben. Die Angeklagten beteuern, Kassandra F. habe das Sex-Angebot bereitwillig angenommen, alles sei einvernehmlich geschehen. Ihnen sei zu keinem Zeitpunkt klar gewesen, dass das Mädchen erst 13 war.

"Sie wirkte älter und schon sehr erfahren", sagt Firat C. im Prozess. Der heute 30-Jährige spricht schnell und aufgeregt. Die Vorwürfe hätten sein Leben zerstört, sagt C. Derzeit sitzt er wegen eines anderen Deliktes in Haft, dort werde er jetzt als Kinderschänder drangsaliert, auch seine Familie habe sich teilweise von ihm abgewandt, klagt er.

Opfer spricht von "unmoralischem Angebot"

Kassandra F. präsentiert ihre Version der Geschichte bemerkenswert ruhig und überlegt. Die Männer seien ihr zunächst sympathisch gewesen und sie spiele gern Billard, deshalb sei sie mitgegangen. Die Frage nach Sex zu dritt nennt sie ein "unmoralisches Angebot", diese Formulierung benutzt sie in ihrer Aussage immer wieder. Sie habe, beteuert die junge Frau, unmissverständlich "Nein" gesagt, aber das habe die Männer nicht abgehalten.

Als alles vorbei war, habe sie erst einmal ausgiebig geduscht. "Ich fühlte mich dreckig, vergiftet und beschmutzt, ich ekelte mich vor mir selbst", beschreibt die heute 22-Jährige ihren damaligen Zustand. Zunächst beschloss sie, niemand solle je erfahren, was ihr passiert war.

Später entschied sie allerdings, die Tat anzuzeigen, wenn sie die Männer jemals wiedertreffen und ihre richtigen Namen in Erfahrung bringen würde.

Anzeige nach sechs Jahren

Die Möglichkeit dazu ergab sich im Sommer 2010. Kassandra F. war inzwischen nach Berlin gezogen, hatte geheiratet und 2009 eine Tochter zur Welt gebracht. Ihr Heimweg führt sie stets am Polizeiabschnitt 12 in Tegel vorbei.

Vor dem Gebäude traf sie eines Tages auf Erduwan O. und erkannte ihn wieder. Auch die Beamten der Dienststelle, die sie kurz darauf aufsuchte, kannten O. So kam das Verfahren mit Verspätung in Gang.

Der Prozess wird im März fortgesetzt.

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