19.02.13

Auktion

Holzpfähle aus dem Berliner Schloss werden versteigert

3000 Holzpfähle sorgten einst für die Standfestigkeit des Berliner Schlosses. Jetzt wird das geschichtsträchtige Holz meistbietend verkauft.

Von Isabell Jürgens
Foto: dpa

Manfred Rettig, Leiter der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum
Manfred Rettig, Leiter der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum

Seit 1984 arbeitet Hans Peter Plettner als öffentlich bestellter und vereidigter Auktionator. Doch die Versteigerung, die Plettner jetzt vorbereitet, ist selbst für den erfahrenen Auktionator etwas ganz Besonderes. Statt Häuser, Grundstücke oder Kunstwerke wird der 73-Jährige dieses Mal Altholz unter den Hammer bringen. Doch dieses Holz ist für den Kamin viel zu schade: Es handelt sich um 1950 Pfähle, auf denen einst das Berliner Schloss gegründet wurde. Die 300 bis 400 Jahre alten Pfähle wurden Ende vergangenen Jahres auf dem Schloßplatz in Berlins Mitte geborgen. Die noch erstaunlich gut erhaltenen Stützen aus Kiefern- und Eichenstämmen sorgten einst für die Standfestigkeit des Berliner Schlosses. "Das dürfte ihren Wert ganz entscheidend mitbestimmen", ist sich Plettner sicher.

Zu wenig Platz für alle Pfähle

Insgesamt hatten die Bauarbeiter im November und Dezember vergangenen Jahres rund 3000 der historischen Holzstämme aus dem Erdreich gezogen. Einige von ihnen werden derzeit von Archäologen untersucht, sie sollen später in der Ausstellung zur Geschichte des Berliner Schlosses gezeigt werden. Für die Unmengen der restlichen Pfähle ist jedoch in der Ausstellung kein Platz. Zuständig für die Verwertung dieser Pfähle nun ist die Berliner Entsorgungsfirma "RWG 1 Baustoffrecycling" in Ruhleben. Dort ist derzeit auch das Holz gelagert.

Im Auftrag der Firma sucht Plettner jetzt eine neue Bleibe für die überdimensionierten Zahnstocher. Denn die 2,5 bis zehn Meter langen Holzpfähle sehen zwar so aus, als hätten sie die Jahrhunderte völlig unbeschadet überstanden. "Doch sie einfach im Boden zu belassen und auf ihnen das neue Schloss zu errichten, ist viel zu riskant", hatte Manfred Rettig, Leiter der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum, schon bei ihrer Bergung im November der Berliner Morgenpost erklärt. Bevor im kommenden Mai der Grundstein für den Wiederaufbau des Schlosses gelegt werden kann, hätten deshalb alle Stämme entfernt werden müssen.

Dekorative Weiterverarbeitung

"Trotz des guten Zustandes können die Pfähle auch künftig nicht wieder dazu eingesetzt werden, einem Gebäude Standfestigkeit zu verleihen", sagt Plettner. Doch alle anderen Funktionen seien denkbar. "Das antike Holz eignet sich vorzüglich zur dekorativen Weiterverarbeitung zum Beispiel für Ihr Haus, Ihre Wohnung, Ihr Büro oder Ihren Garten", heißt es dazu im Exposé der Auktions-Beratungsgesellschaft (ABG). Vom Bilderrahmen über das Frühstücksbrett bis zum Fahnenmast im Vorgarten ist damit alles möglich. "Ich habe mir beispielsweise schon einen Pfahl ausgesucht, aus dem ich eine Sitzbank für die Dachterrasse herstellen lassen will", sagt Plettner.

Ähnliche Anfragen habe er auch bereits von anderen Privatpersonen erhalten, sagt der Auktionator. So möchte etwa ein Berliner Notar zwei Pfähle haben, um eine Bank für seine Villa in Grunewald und sein Ferienhäuschen auf dem Darß tischlern zu lassen. Eine andere Anfrage sei von einem Innenarchitekten gekommen, der Villen am Starnberger See ausstatte. "Der möchte aus dem Holz eine Bar schreinern", sagt Plettner. Selbst das Bruchholz soll nicht einfach so verfeuert werden. "Daraus lassen sich doch hervorragend Schloss-Souvenirs schnitzen", regt Plettner an.

Unter die Kategorie "Bruchholz" fallen bei der Auktion die bei der Bergung mehr oder minder schwer beschädigten Pfähle und Bohlen. Sie sollen gebündelt zu jeweils zehn Stück versteigert werden. Mindestgebot ist laut Katalog 179 Euro je Bündel. Je nach Holzart, Länge und Zustand der Pfähle werden die unbeschädigten Stämme dann zu Stückpreisen von 250 bis 700 Euro angeboten. Dabei handelt es sich jeweils um das Mindestgebot, versteht sich. Plettner rechnet mit zahlreichen Geboten. Schließlich komme es nicht alle Tage vor, dass ein Stück Berliner Geschichte zum Verkauf stehe. "Das macht die Auktion doch zu etwas ganz Besonderem", sagt der Spandauer und rechnet mit Liebhaberpreisen.

Lieferservice inklusive

Zusätzlich zu den Erwerbskosten müssen die Holzinteressenten sich dann auch noch Gedanken darüber machen, wie Sie die Pfähle nach Hause bekommen. Die Firma bietet deshalb auch einen Lieferservice an. Innerhalb des Berliner Autobahnringes werden pauschal 150 Euro fällig. Ab einem Gesamt-Kaufpreis von 2000 Euro ist der Lieferservice kostenlos. Selbst wenn nur die Mindestgebote erzielt würden, beläuft sich der Wert der Bohlen insgesamt auf rund eine Million Euro. Plettner, der die Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses "sehr begrüßt", will im Rahmen der Auktion auch einen Teil der Einnahmen spenden. "Mal schauen, wie viel tatsächlich zusammenkommt", sagt er. Die Hohenzollernresidenz war 1950 von der DDR-Regierung gesprengt worden.

Für die Teilrekonstruktion des Berliner Schlosses ist jede Spende willkommen. Zwar zahlt der Bund für den Bau 478 Millionen Euro, das Land Berlin 32 Millionen Euro. Die 80 Millionen Euro für die Errichtung der historischen Fassaden an drei Seiten des Gebäudes sollen über Spenden finanziert werden. Weitere 15 Millionen Euro sind erforderlich, wenn die Kuppel in ihrer historischen Form gebaut werden soll. Soll auch noch das Innenportal III im Eosanderhof rekonstruiert werden, werden weitere sechs Millionen Euro fällig und 4,5 Millionen für die Innenportale II und IV im Schlossforum. Soll auch noch das Dachrestaurant entstehen, wird es noch einmal drei Millionen Euro teuer.

Insgesamt müssen also 108,5 Millionen Euro von großzügigen Schloss-Fans aufgebracht werden müssen. Bislang sind rund 21 Millionen Euro an Spenden beim Förderverein Berliner Schloss eingegangen. Läuft alles wie geplant, wird nach der Grundsteinlegung im Mai kommenden Jahres mit den Hochbaumaßnahmen begonnen. Anfang 2018 könnte der Bau dann fertig sein. Die Eröffnung des Humboldtforums im rekonstruierten Schloss ist für das Jahr 2019 geplant.

Wer an der Auktion teilnehmen will, kann sich die Pfähle vorab bei einem Rundgang in Ruhleben anschauen. Ab 15. März ist am Auktionsort im Abba-Hotel an der Lietzenburger Straße 89 in Wilmersdorf zudem eine Holzausstellung zu sehen. Die Auktion im Abba-Hotel findet vom 21. bis 23. April jeweils ab 11 Uhr statt. Unterlagen können angefordert werden unter info@auktionsberatungsgesellschaft.de

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