18.02.13

Öffentlicher Dienst

Anfang März sollen 10.000 Beschäftigte Berlins streiken

Rund 5000 Pädagogen haben Montag in Berlin die Arbeit niedergelegt. Und der Termin für den nächsten Protest steht bereits fest.

Von Florentine Anders
Foto: dpa

Berlins Lehrer wollen 6,5 Prozent mehr Gehalt
Berlins Lehrer wollen 6,5 Prozent mehr Gehalt

Statt Unterricht hat es an 200 Berliner Schulen am Montag in vielen Fällen nur eine Notbetreuung gegeben. Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft GEW beteiligten sich 5000 Lehrer und Erzieher an dem ganztägigen Warnstreik.

Und die Berliner müssen sich auf weitere Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst einstellen. Die Warnstreiks in der Hauptstadt waren nur der Auftakt einer ganzen Reihe von bundesweiten Arbeitskampfmaßnahmen, mit denen die Gewerkschaften bei den Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Länder Druck aufbauen wollen.

Sie fordern unter anderem 6,5 Prozent mehr Gehalt für Lehrer. Die zweite Verhandlungsrunde war am vergangenen Donnerstag ergebnislos unterbrochen worden, am 7. März tagt die dritte Tarifrunde in Potsdam.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di rief am Montag bereits zu einem weiteren, dann zentralen Warnstreik am 6. März in Berlin und Brandenburg auf. In Berlin sollen sich Mitarbeiter an Hochschulen, Kitas, Schulhorten, Senats- und Bezirksverwaltungen beteiligen.

Die Gewerkschaft erwartet für diesen Protesttag rund 10.000 Teilnehmer, doppelt so viele wie am Montag. Die Tarifkommission der GEW Berlin wird am morgigen Dienstag über eine Beteiligung abstimmen. "Ich gehe aber davon aus, dass die angestellten Lehrer wieder dabei sein werden", sagte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW Berlin.

Keine Verbeamtung in Berlin

Dass ausgerechnet die Lehrer in Berlin den Startschuss für die Streiks geben sollten, ist kein Zufall. Berlin gehört zu den wenigen Bundesländern, die Lehrer nicht mehr verbeamten. Die Unzufriedenheit und damit die Streikbereitschaft der angestellten Lehrer ist in Berlin besonders hoch. Größtes Ärgernis ist die ungleiche Bezahlung von verbeamteten und angestellten Lehrern. Die Eingruppierung der Junglehrer in eine höhere Gehaltsstufe ist nicht tariflich festgelegt und kann jederzeit gestrichen werden. Zudem sollen die Arbeitszeitkonten für die geleistete Mehrarbeit ab Juli wegfallen. Die Lehrer müssten zwar weiterhin mehr Stunden arbeiten, einen vollständigen Ausgleich soll es dafür aber nicht mehr geben.

"In den Schulen wird erst wieder Ruhe einkehren, wenn wir mit den Arbeitgebern einen Einstieg in einen Tarifvertrag für die Eingruppierung der Lehrkräfte vereinbart haben", sagte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad am Montag bei der Kundgebung in Berlin. Am 8.März ist ein Protestfestival der angestellten Lehrer am Brandenburger Tor geplant. Außerdem drohen die Pädagogen damit, während der zentralen Prüfungen zum mittleren Schulabschluss die Arbeit niederzulegen.

Schulen sollen Ausfall vermeiden

In der Elternschaft war die Akzeptanz beim ersten Ausstand der Lehrer noch groß. "Es gab keine Beschwerden", sagte Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Eine besondere Verantwortung liegt nun bei den Schulleitern, denn die sind von der Senatsbildungsverwaltung aufgefordert wurden, "den Ausfall von Unterricht und Betreuung auf ein unvermeidbares Maß zu reduzieren". Verbeamtete Lehrer dürfen nach einem Gerichtsurteil nicht eingesetzt werden, um die streikenden Kollegen zu vertreten. Insgesamt sind etwa 8000 der insgesamt 28.000 Lehrer angestellt. Die Erzieher an den öffentlichen Schulen und bei den Kita-Eigenbetrieben sind allesamt Angestellte des Landes.

Der Finanzsenator Ulrich Nußbaum (SPD) wollte sich am Montag zu den Forderungen der Gewerkschaften nicht äußern. Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU, forderte die Tarifpartner auf, zu einer schnellen und einvernehmlichen Lösung des Problems zu kommen. Um den Bildungsauftrag erfüllen zu können, müsse es genügend Erzieher und Lehrer geben. Um Letzteres sicherzustellen, sollte auch eine Verbeamtung erwogen werden, sagte Wegner. Die Abwanderung von Fachlehrern in andere Bundesländer müsse verhindert werden. Die Linksfraktion erklärte sich am Montag mit den streikenden Lehrern solidarisch. "Sie leben ihren Schülerinnen und Schülern vor, dass man für seine Rechte kämpfen muss", sagte Regina Kittler (Linke).

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen, forderte den rot-schwarzen Senat auf, gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung für die Lehrer zu finden. "Berliner Lehrerzimmer dürfen nicht zu Mehrklassengesellschaften werden", sagte Mutlu.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Himmelskreaturen Der Angriff der Riesendrachen
Skandal-Schauspielerin Lindsay Lohan verrät ihr Beauty-Geheimnis
Vor Verkaufsstart Für das neue iPhone die eigene Freundin verkaufen
Raumfahrt Nasa schickt wieder Astronauten ins All
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Handy-Kult

Apple-Fans warten auf das neue iPhone 6

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote