18.02.13

Rückzug

Vivantes-Chef Bovelet verlässt Berlin ohne Abfindung

Ursprünglich sollte sein Vertrag noch bis 2017 laufen. Doch jetzt verlässt Joachim Bovelet seinen Posten schon im Juni auf eigenen Wunsch.

Von Jens Anker
Foto: Thilo Rückeis/picture alliance

In der Kritik: Der Chef des Klinikums Vivantes, Joachim Bovelet
In der Kritik: Der Chef des Klinikums Vivantes, Joachim Bovelet

Der umstrittene Chef des Klinikums Vivantes, Joachim Bovelet, verlässt das Unternehmen im Juni dieses Jahres. Der Aufsichtsrat beschloss am Montag, den Vertrag mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung zum 30. Juni zu beenden. Ab dem 15. April ist der Klinikchef von seinen Aufgaben freigestellt. Anders als zunächst von Bovelet gewünscht, erhält er keine Abfindungszahlung. Das habe der Personalausschuss des Unternehmens vorgeschlagen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Der Aufsichtsrat folgte diesem Votum.

Ursprünglich sollte der Vertrag mit dem Klinikchef noch bis zum Jahr 2017 laufen. Bovelet hatte jedoch überraschend seinen Rücktritt für den Mai dieses Jahres angekündigt und dafür private Gründe angegeben. Er schlug Vivantes zunächst vor, seinen Vertrag noch zwei Jahre bis zum Ende des Jahres 2014 laufen zu lassen und somit quasi einen goldenen Handschlag zu erhalten. Das lehnte das Unternehmen ab. Bovelet verdient rund 450.000 Euro jährlich. Aufsichtsratschef Hartmann Kleiner wurde jetzt beauftragt, einen Nachfolger für den scheidenden Klinikchef zu suchen. "Herr Kleiner bedauert das Ausscheiden von Herrn Bovelet, hat aber durchaus für die von ihm vorgetragenen Gründe Verständnis", hieß es in einer knappen Erklärung von Vivantes nach der Sitzung.

Kritik an Bovelets Arbeit

Auf der Sondersitzung des Aufsichtsrats am Montag kamen mehrere Kritikpunkte an Bovelets Arbeit zur Sprache. So monierten die Aufsichtsräte, dass im vergangenen Jahr 81 Arbeitsverträge mit Abfindungszahlungen beendet wurden, insgesamt zahlte das Unternehmen dafür 3,2 Millionen Euro. Es herrsche offenbar eine "Kultur des Rausschmisses", die es zu beenden gelte. Auch die Kommunikationspolitik von Vivantes nach dem internen Bekanntwerden eines Missbrauchsverdachts im Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg bemängelte das Gremium. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) habe sich nach Bekanntwerden des Falls von Vivantes "allein gelassen gefühlt", hieß es nach der Sitzung.

Anlass des vorzeitigen Abgangs Bovelets soll ein Streit mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) sein. Der Klinikchef fühle sich von Nußbaum gegängelt, weil er sich in die Arbeit des Geschäftsführers eingemischt habe. Der Finanzsenator veranlasste, dass alle Vergaben von Vivantes aus den vergangenen fünf Jahren von der Unternehmensberatung KPMG überprüft werden. Dies alles, auch ein anonymes Schreiben an Bovelets Ehefrau, sei "ein Feldzug" gegen ihn persönlich, habe Bovelet erklärt – und in der vergangenen Woche nach Gesprächen mit Gesundheitssenator Czaja sowie Finanzsenator Nußbaum die Konsequenzen gezogen. Über insgesamt knapp 20 aus Sicht des Aufsichtsrats nicht geklärte Vorgänge forderte das Gremium Aufklärung von Bovelet.

Der Jurist führte das landeseigene Unternehmen mit 14.000 Beschäftigen seit 2007. Sein Vertrag als Vorsitzender der Geschäftsführung war 2010 für weitere sieben Jahre verlängert worden. Seine Arbeit ist unter Gesundheitsexperten nicht unumstritten. So hat der Manager den Konzern zwar in die schwarzen Zahlen gebracht, gleichzeitig aber schwere personelle Konflikte ausgelöst. Dazu zählt die Kündigung der Chefärztin und ehemaligen DDR-Spitzenturnerin Karin Büttner-Janz, in deren Folge dann auch Bovelets Stellvertreterin Dorothea Dreizehnter das Unternehmen verließ. Büttner-Janz einigte sich mit Vivantes vor dem Arbeitsgericht auf eine Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses, gleichzeitig sprachen die Richter ihr eine Abfindung in Höhe von 590.000 Euro zu.

Keine Zukunftsstrategie

Kritisch wird auch gesehen, dass Bovelet bislang keine Zukunftsstrategie für Vivantes ausgearbeitet hat. Dennoch bedauerte Aufsichtsratschef Hartmann Kleiner den Weggang. Bovelet habe viel für die Entwicklung von Vivantes geleistet, sagte Kleiner, und das lange defizitäre Unternehmen in die schwarzen Zahlen geführt. Die beiden im Aufsichtsrat vertretenen Senatoren, Nußbaum und Czaja, wollten sich am Montag nach der Sondersitzung des Aufsichtsrats nicht äußern, sondern fuhren wortlos zur Senatsklausur am selben Tag ins Schloss Britz nach Neukölln. Vivantes ist neben der Charité der zweite große Krankenhauskonzern des Landes.

Während bei der Charité die Spitzenforschung im Vordergrund steht, ist es bei Vivantes vor allem die gesundheitliche Versorgung. Zum Konzern gehören neun Krankenhäuser, zwölf Pflegeheime, zwei Seniorenwohnhäuser, eine ambulante Rehabilitation, medizinische Versorgungszentren, eine ambulante Krankenpflege sowie Tochtergesellschaften für Catering, Reinigung und Wäsche. Der größte kommunale Krankenhauskonzern verfügt insgesamt über 5300 Betten, in denen jedes Jahr mehr als 200.000 stationäre Fälle behandelt werden.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Doppelgänger Wie 130 Männer Ernest Hemingway nacheifern
Sky Ferreira Großer Wirbel um nackte Brust auf Albumcover
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Übergewicht

Dieses Paar nahm 120 Kilo ab

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote