18.02.13

Radikaler Protest

Linke Krawalle hinterlassen Spuren in Berlin

Autonome Demonstranten haben am Wochenende in Kreuzberg und Mitte randaliert. Anlass war der Polizeikongress, der in Berlin stattfindet.

Von Peter Oldenburger und Steffen Pletl
Foto: Iris Hesse

Linksautonome haben in Berlin-Kreuzberg randaliert. An der Oranienstraße zündeten sie eine Barrikade an.

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Wenige Tage vor dem Europäischen Polizeikongress in dieser Woche in Berlin haben in der Nacht zum Sonntag mehrere Hundert Linksextremisten in Kreuzberg und Mitte randaliert. Bei den Ausschreitungen kam es zu zahlreichen Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Angriffen auf Polizeibeamte. Aggressive Teilnehmer hinterließen eine Spur der Verwüstung.

Auslöser der Krawalle war ein Aufruf im Internet, gegen den Kongress zu demonstrieren. In einschlägig bekannten Internetforen war bereits im Januar zu Gewaltaktionen aufgerufen worden. Die Polizei hatte in Erwartung möglicher Ausschreitungen vorsorglich 1000 Beamte aus Berlin in Einsatzbereitschaft versetzt. Erst nach einigen Stunden konnte die Polizei die Situation unter Kontrolle bringen.

Nach Angaben der Polizei hatten sich Sonnabend gegen 20 Uhr etwa 200 teilweise vermummte Menschen an der Köpenicker Straße und mehrere Hundert weitere am Mariannenplatz in Kreuzberg versammelt. Die beiden Gruppierungen schlossen sich zusammen und zogen zunächst in Richtung Heinrichplatz.

Pfefferspray und Schlagstöcker gegen Randalierer

Dabei wurden von aggressiv auftretenden Teilnehmern immer wieder bengalische Feuer entfacht. Auf der Mariannenstraße zerkratzten Unbekannte den Mercedes eines Rentners und zündeten den Wagen danach an.

Der Polizei gelang es schließlich, den auf 650 Personen angewachsenen Umzug in kleinere Gruppen zu unterteilen. Die größte, etwa 300 Personen zählende Gruppe marschierte in Richtung Skalitzer Straße. In der Nähe eines Autohauses wurde versucht, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Die Einsatzkräfte konnten dies nur durch massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken verhindern.

Aus kleineren Gruppen heraus kam es im Anschluss zu etlichen Sachbeschädigungen. So wurden die Bundesdruckerei an der Oranienstraße mit Steinen und Farbbeuteln beworfen sowie Scheiben von Bushaltestellen zerstört. Auf der Fahrbahn wurde eine Barrikade aus Autoreifen errichtet und angezündet, die Feuerwehr wurde alarmiert, um das weithin sichtbare und stark qualmende Feuer zu löschen. Anwohner reagierten schockiert.

Verkehr auf Oranienstraße war für längere Zeit behindert

Die Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Einsatzfahrzeugen vor Ort. Der Brand konnte nach rund einer Viertelstunde gelöscht werden. Der Verkehr war jedoch länger behindert. Etwa 45 Minuten wurde die Oranienstraße zwischen Lindenstraße und Alter Jakobstraße von Polizisten gesperrt. Auch Wasserwerfer fuhren zeitweise auf.

Auf der Heinrich-Heine-Straße in Mitte hatten Autonome Schaufenster sowie die Scheiben von mehreren Autos eingeschlagen und Spiegel abgetreten. Auch an zwei Bankfilialen kam es durch Steinwürfe zu erheblichen Schäden.

Auf der Adalbertstraße beschädigten die Randalierer zwei Spezialfahrzeuge eines Glasereibetriebes. Gegen 22.30 Uhr hielten sich dort noch 80 teilweise gewaltbereite ehemalige Teilnehmer des Umzuges auf, denen die Polizei Platzverweise erteilte.

25 festgenommene Randalierer und acht verletzte Polizisten

Im Laufe der Nacht gab es laut Polizei immer wieder Versuche von Vermummten, sich in Kreuzberg und Friedrichshain zu Spontanumzügen zusammenzuschließen. Den etwa 1000 Polizisten sei es aber gelungen, das zu verhindern. Der letzte Zwischenfall der Nacht wurde um 1.50 Uhr aus der Rüdersdorfer Straße in Friedrichshain gemeldet.

Ein 17-Jähriger hatte mehrfach Gegenstände auf ein Polizeifahrzeug geworfen, dessen Frontscheibe schließlich zu Bruch ging. Der betrunkene Jugendliche wurde daraufhin festgenommen.

Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, wurden im Verlauf der Nacht 25 Randalierer und Straftäter festgenommen. Acht Polizeibeamte wurden insgesamt verletzt. Nach den Krawallen der Nacht zeigte die Polizei am Sonntagmorgen in Kreuzberg mit zahlreichen Einsatzwagen Präsenz.

Polizei war auf Störungen von Linksautonomen vorbereitet

Anlass für die Krawalle war der Europäische Polizeikongress, der am Dienstag und Mittwoch dieser Woche im Berliner Congress Center am Alexanderplatz stattfinden soll.

Linksgerichtete Gruppen hatten bereits im Januar unter dem Motto "Gegen den Staat und seine Freunde – Berlin muss brennen" für den Sonnabend via Internet zu den Aktionen in Kreuzberg aufgerufen. Als Reaktionen darauf hatten sich etliche Besucher der Website laut Polizei gegenseitig zu gewalttätigen Aktionen angestachelt.

Die Berliner Polizei war auf Störungen vorbereitet und hatte 1000 Beamte in Alarmbereitschaft versetzt, bestätigte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Auch in der kommenden Woche könnten weitere Aktionen der Kongressgegner nicht ausgeschlossen werden. So kündigte ein Aktionsbündnis Protestveranstaltungen an, bei denen etwa auf das Schicksal abgeschobener Flüchtlinge aufmerksam gemacht werden solle.

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