17.02.13

Bildungspolitik

Berlins angestellte Lehrer streiken für Gleichstellung

Rund 8000 angestellte Lehrer der Hauptstadt fordern eine bessere Bezahlung. Sie wollen ihren verbeamteten Kollegen gleichgestellt werden.

Von Regina Köhler und Florentine Anders
Foto: Glanze

Ralf Schäfer vom Robert-Blum-Gymnasium nimmt am Lehrerstreik teil
Ralf Schäfer vom Robert-Blum-Gymnasium nimmt am Lehrerstreik teil

Ralf Schäfer unterrichtet Latein, Geschichte und Politikwissenschaft am Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg. Am Montag wird er allerdings nicht vor einer Klasse stehen. Schäfer streikt. Wie viele seiner angestellten Berliner Kollegen. Es ist das dritte Mal innerhalb weniger Wochen. "Wir fordern die finanzielle Gleichstellung mit unseren verbeamteten Kollegen", sagt Schäfer.

Auch sein Kollege Roberto Luzardo (36), er unterrichtet Sport und Spanisch am Robert-Blum-Gymnasium, wird streiken. "Ich möchte, dass die statusbedingten Unterschiede im Lehrerzimmer ein Ende haben", sagt er. Alle Lehrer müssten gleich bezahlt werden. Schon als ausländischer Referendar habe er die Unterschiede bei der Bezahlung deutlich zu spüren bekommen. So dürfe es nicht weiter gehen.

Die Lehrergewerkschaft GEW hat alle angestellten Pädagogen aufgefordert, am Montag in den Warnstreik zu treten, und zwar ganztägig. Erst Mitte Januar hatten angestellte Lehrer an mehr als 130 Schulen einen Vormittag lang gestreikt, um gleiche Bezahlung wie die verbeamteten Lehrer zu erreichen.

Forderungen beziehen sich auf Verhandlungen der Länder

Die Forderungen des aktuellen Warnstreiks gehen noch ein Stück weiter, denn sie beziehen sich jetzt nicht nur auf Berlin, sondern auf die Verhandlungen des Tarifvertrags der Länder, die am 31. Januar begonnen haben. Berlin ist zu Beginn des Jahres diesem Tarifvertrag beigetreten.

Die Gewerkschaften fordern für die Angestellten im öffentlichen Dienst bundesweit eine Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent und eine tarifliche Entgeltordnung für angestellte Lehrer, die es bisher nicht gibt.

Für Erzieher an Schulen soll es verlässliche Vorbereitungszeiten geben und der Einsatz im Unterricht soll auf vier Stunden begrenzt werden. "Teilweise helfen Erzieher mehr als zehn Stunden pro Woche im Unterricht aus und kommen dann angesichts der knappen Besetzung nicht mehr dazu, ihre eigentliche Arbeit im Nachmittagsbereich vorzubereiten", sagt Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW Berlin.

Froh, dass die angestellten Lehrer den Streik entdeckt haben

Zu den streikenden Lehrern wird auch Frank Breuer gehören. Der 29 Jahre alte Pädagoge unterrichtet am Albert-Einstein-Gymnasium in Neukölln Physik und Sport. "Ich glaube nicht, dass Lehrer zwingend verbeamtet werden müssen", sagt er. Ihn störe allerdings die Ungleichheit im Lehrerzimmer.

Auch Breuer fordert deshalb eine Gleichbehandlung mit den verbeamteten Kollegen. "Dabei geht es mir nicht nur um die Bezahlung, sondern auch um Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und höhere Rentenansprüche", sagt er.

Breuer ist froh, dass die angestellten Lehrer den Streik für sich entdeckt haben. "Wir dürfen nicht länger alles hinnehmen", sagt er. Er habe am Montag sieben Unterrichtsstunden. Die wird er nicht geben. Ob der Unterricht ausfällt oder vertreten wird, muss die Schulleitung entscheiden.

Bundesweit harter Wettbewerb um gut ausgebildete Pädagogen

Paul Schuknecht, Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Schulleiter, wundert es nicht, dass die angestellten Kollegen von ihrem Streikrecht Gebrauch machen. Wenn die verantwortlichen Politiker die berechtigten Forderungen der Lehrer weiter ignorieren, werden diese Streiks immer wirksamer werden, sagt er.

Schuknecht erwartet deshalb, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sich endlich des Themas annimmt. "Bisher ist er gnadenlos stur", sagt er. In Zukunft würde es immer mehr angestellte Lehrer geben. "Sie werden entdecken, welche Macht sie haben und mit Streiks die Schulen lahm legen", so Schuknecht.

Der Vorsitzende der Vereinigung der Berliner Schulleiter verweist auf den zunehmenden Lehrermangel. Es gebe bereits bundesweit einen harten Wettbewerb um junge gut ausgebildete Pädagogen. Fachlehrer für Mathematik, Physik oder Naturwissenschaften seien schon jetzt kaum noch zu finden.

Eltern schreiben Protestbrief an Regierenden Klaus Wowereit

Als Beispiel nennt Schuknecht das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf. Dort hatte der Schulleiter im Januar die Eltern brieflich gefragt, ob sie nicht jemanden kennen, der Mathematik oder Physik unterrichten könne. Inzwischen würden Quereinsteiger dort diese Fächer unterrichten. Fachlehrer seien einfach nicht zu finden.

Auch Eltern, deren Kinder die jahrgangsgemischten Klassen der Sternberg Grundschule in Schöneberg besuchen, haben kürzlich einen Protestbrief an Klaus Wowereit geschrieben. Darin beklagen sie die unzumutbare Besoldung angestellter Lehrkräfte.

"Wer, wie unsere Klassenlehrerin, außertariflich bezahlt und damit arbeitsrechtlich deutlich schlechter gestellt ist als verbeamtete Kollegen, wer gleichzeitig längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen muss, die Streichung von Förderstunden freiwillig ersetzt … und dann jeden Tag ein offenes Ohr für die alltäglichen Belange von Eltern und Schülern hat, verdient eine finanziell entsprechend gute, aber vor allem gerechte Honorierung", heißt es in dem Protestbrief.

Initiative Bildet Berlin macht sich für die Gleichstellung von Lehrern stark

Ralf Schäfer und Roberto Luzardo sind Mitglied der Initiative Bildet Berlin, der inzwischen etwa 2000 der angestellten Lehrer Berlins angehören. Die Initiative macht sich für die Gleichstellung von angestellten und verbeamteten Lehrern stark und setzt sich außerdem für eine Verbesserung der Qualität des Unterrichts an den Berliner Schulen ein.

Der Sprecher der Initiative, Florian Bublys sagt: "Wir fordern eine tarifrechtlich gesicherte Zulage und darüber hinaus weitere Einkommensstufen." Die derzeit gültige Zulage für Berufsanfänger sei von der Senatsverwaltung jederzeit kündbar. "Wir haben zwar eine Zusage bis 2017, doch was danach passiert, ist ungewiss", so Bublys.

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