15.02.13

Prenzlauer Berg

Der legendäre Knaack-Klub kommt zurück

2010 wurde der Klub nach Anwohnerbeschwerden geschlossen. 2016 soll er am Mauerpark wiedereröffnen – mit Unterstützung des Bezirks.

Von Katrin Lange
Foto: Steffen Pletl

Beliebter Treff: 58 Jahre lang wurde im Knaack-Klub in Prenzlauer Berg getanzt. 2010 musste der Klub schließen
Beliebter Treff: 58 Jahre lang wurde im Knaack-Klub in Prenzlauer Berg getanzt. 2010 musste der Klub schließen

Fast sechs Jahrzehnte wurde im Knaack-Klub in Prenzlauer Berg Musik gemacht. Mehrere Generationen pilgerten an die Greifswalder Straße – zum Tanzen, Konzert hören oder Billard spielen. 2010 musste der legendäre Klub schließen, weil sich die Bewohner eines neu gebauten Hauses in der Nachbarschaft über den Lärm beschwert hatten.

Mehr als zwei Jahre war Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Pankow, mit den Betreibern auf der Suche nach einem neuen Standort für den "Knaack". Nach vielen Besichtigungen und vielen Orten, wie der Bötzow-Brauerei, die zunächst geeignet schienen und doch wieder verworfen werden mussten, sind sie nun fündig geworden. Der neue Knaack-Klub wird südlich des Mauerparks an der Eberswalder Straße entstehen und 2016 wiedereröffnen.

Verhandlungen kurz vor dem Abschluss

"Wir sind in der Endphase der Verhandlungen", bestätigte Jens-Holger Kirchner am Donnerstag. Das 2300 Quadratmeter große Grundstück gehöre dem Land Berlin und werde den Betreibern in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt.

Zu den alten und neuen Betreibern gehört Thilo Goos, Geschäftsführer von Black Box Music. Auf dem Gelände sollte ursprünglich eine Boxsporthalle gebaut werden. Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung von Berlin seien diese Pläne wieder verworfen worden, sagt Kirchner.

Neuer Knaack-Klub mit Bühne, Café und Lounge

Jetzt wird das bereits vorhandene Baurecht für die neue Klubhalle genutzt. Das Gebäude wird mit einen Konzertsaal und großer Bühne, einem Café, Nebenräumen wie eine Lounge und Büros sowie einem Backstage-Bereich ausgestattet sein. Die Wände bestehen aus Beton, damit kein Schall nach außen dringt. "Es wird auf jeden Fall ein Klub sein, in dem ordentlich Lärm gemacht werden kann", sagt Jens-Holger Kirchner.

Dass sich der Stadtrat mit den Klub-Betreibern auf die Suche gemacht hat, ist auch der Tatsache geschuldet, "dass der Bezirk ihnen noch etwas schuldig war", sagt Kirchner. Die Schließung des Klubs hätte vermieden werden können. Dafür hätte es schon gereicht, den Neubau zehn Zentimeter entfernt vom Klubhaus zu bauen und nicht direkt Wand an Wand. So konnten die Bässe direkt auf die Brandmauern und die Schallwellen in die benachbarten Schlafzimmer übertragen werden.

Eingang aus Lärmschutzgründen auf der Rückseite

Aber diese Geschichte will Kirchner ruhen lassen. Diesmal soll auf alles geachtet werden. Vor allem auf alle Möglichkeiten, Ruhestörungen zu vermeiden. Aus diesem Grund wird zum Beispiel der Eingang zum neuen Klubhaus auf die Rückseite zum Mauerpark verlegt und nicht an der Eberswalder Straße liegen. Das Lachen und Quatschen der jungen Leute, die vor der Tür stehen und auf Einlass warten oder eine Zigarette rauchen, wird dann von der Böschung geschluckt und keinen Anwohner stören.

Überhaupt sieht Kirchner keine "nennenswerten Probleme" mit der Nachbarschaft an diesem Standort. Ein paar Parkplätze werden wegfallen. "Aber da sollen sich die Berliner überlegen, ob sie eine lebendige Stadt oder Parkplätze wollen", sagt der Stadtrat.

Er sieht in dem neuen Standort viele Vorteile. Günstig sei allein die Lage am Mauerpark, wo sich gerade am Wochenende mehr als 50.000 Jugendliche aufhielten, sagt Kirchner. Dazu komme, dass die Straßenbahnlinie M 10 – auch bekannt als Party-Tram – am Wochenende im Zehn-Minuten-Takt fahre und genau vor der Tür an der Eberswalder Straße halte.

Der Zeitplan sieht vor, dass in den Jahren 2013 und 2014 Vertragsverhandlungen, Architektenleistungen und technische Gutachten zum Abschluss gebracht werden, damit der Bau 2015 und 2016 erfolgen kann. Wie es in der neuen Konzerthalle weitergeht, steht noch nicht im Detail fest. An dem Konzept werde noch gefeilt, sagt Kirchner. Der Betreiber Thilo Goos war am Donnerstag nicht zu erreichen. Er sei in verschiedenen Meetings und werde es nicht schaffen, sich zu äußern, hieß es in der Firmenzentrale von Black Box Musik. "Ich habe Vertrauen in die Jungs, sie sind professionell, flippig und jung", sagt der Stadtrat. Mit Sicherheit werde es wieder legendäre Konzerte geben.

Der Knaack-Klub ist nicht der erste Klub, der wieder öffnet. Vor etwa drei Jahre setzte ein sogenanntes "Klubsterben" in Prenzlauer Berg ein. Nacheinander mussten vier verschiedene Klubs schließen, darunter auch der Klub der Republik an der Pappelallee und das Icon an der Cantianstraße. Der Grund war immer ähnlich gelagert: Die im Prenzlauer Berg stark vertretene Kreativszene wollte feiern – die neuen Bewohner, zumeist Familien mit kleinen Kindern, wollten nachts ihre Ruhe haben.

Auch der Klub der Republik kommt zurück

Nun wird nicht nur der Knaack-Klub seine Auferstehung feiern sondern auch der Klub der Republik. Nachdem er Ende 2012 seine Räume an der Pappelallee verlassen musste, hat er sich bereits im alten Trafohäuschen in der ehemaligen Willner-Brauerei in Pankow neu eingerichtet.

Fünf Jahre steht das Brauerei-Gelände aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an der Berliner Straße nahe der Kreuzung Bornholmer Straße für eine Zwischennutzung zur Verfügung. In dieser Zeit soll es als Zentrum von Künstlern, Musikern, Malern und anderen Kreativen genutzt werden. Die Eröffnung des Klubs der Republik ist noch im ersten Halbjahr 2013 geplant.

Knaack-Klub bereits zu DDR-Zeiten ein besonderer Ort

Drei Jahre später werden die Lichter und Lautsprecher im Knaack-Klub am Mauerpark wieder angehen. Der Abschied von der Greifswalder Straße sei den Betreibern sehr schwer gefallen, erzählt Jens-Holger Kirchner. Sie hätten sich erst mit der Idee vertraut machen müssen, woanders noch einmal neu zu beginnen.

1952 wurde der erste Mietvertrag für das "Ernst-Knaack-Jugendheim" im Winsviertel an der Greifswalder Straße unterschrieben. Gleich in der Nähe gibt es auch eine Knaackstraße, benannt nach dem Widerstandskämpfer Ernst Knaack. Der Klub sei bereits zu DDR-Zeiten ein besonderer Ort gewesen, erinnert sich Andreas Feiler. Er hat seine Jugend in Pankow verbracht und lebt jetzt in Schmargendorf. Gute Musik, junge Bands und auch freche, schräge Typen hätten die Klub-Atmosphäre bestimmt, erzählt der 51-Jährige. Noch heute erinnert er sich an das Konzert des Duos Sonnenschirm und ihre "brachial-romantischen Lieder". Es hätte immer ein freiheitliches Gemüt vorgeherrscht.

In der Wendezeit wurde aus dem Knaack eine Diskothek mit mehreren Dancefloors. In vier verschiedenen Sälen konnte getanzt werden. Mehrmals in der Woche gab es Veranstaltungen. Gruppen wie Rammstein und die Toten Hosen füllten den Konzertssaal. Der Silvesterabend 2010 war die letzte Veranstaltung im Knaack an der Greifswalder Straße.

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