14.02.13

Gerichtsverhandlung

Mutter vor Gericht, weil Sohn 1000 Mal Schule schwänzte

Weil ihr Sohn immer wieder fehlte, muss sich Renata P. vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Gesagt hat sie dort aber noch nichts.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: Joachim Schulz

Pause: Weil der Verteidiger von Renata P. keine Liste der geladenen Zeugen erhalten hatte, wurde das Verfahren ausgesetzt
Pause: Weil der Verteidiger von Renata P. keine Liste der geladenen Zeugen erhalten hatte, wurde das Verfahren ausgesetzt

Die Zahl der Schulschwänzer in Berlin steigt stetig. Sanktionen gegen die verantwortlichen Eltern zeigen meist nur geringe Wirkung. Nun jedoch drohen einer Mutter ernste Konsequenzen, deren Sohn in den vergangenen zehn Jahren nur "sehr sporadisch" zur Schule gegangen ist. Auf 1000 Tage summieren sich seine Fehlzeiten.

Am Donnerstag musste sich die 45-Jährige vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten. Die Verhandlung war allerdings bereits nach Verlesung der Anklage wieder zu Ende. Sie muss nun wegen eines vom Verteidiger monierten Formfehlers neu angesetzt werden.

Bußgeldbescheide blieben ohne Wirkung

Renata P. und ihr mittlerweile 16-jähriger Sohn leben seit 2010 in Berlin. Ab dem Sommer des gleichen Jahres sollte der Junge eine Schule in Reinickendorf besuchen. Dort wurde er allerdings nur selten gesehen.

Im Schuljahr 2010/2011 fehlte er an 120 von 190 Unterrichtstagen, im darauffolgenden Jahr erschien er dann so gut wie gar nicht mehr. Mehrere Aufforderungen an die Adresse der Mutter zeigten dabei ebenso wenig Wirkung wie zwei Bußgeldbescheide des Bezirksamtes. Auch eine "polizeiliche Vorführung", bei der minderjährige Schulschwänzer von den Beamten abgeholt und in die Schule gebracht werden, änderte nichts.

Sozialverhalten des 16-Jährigen nur gering ausgeprägt

Die Schulverwaltung erstattete schließlich Anzeige, und die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die Mutter ein. Nachforschungen der Behörde bei Schule und Lehrern ergaben, dass der Junge in vielen Fächern nur über "rudimentäre Grundkenntnisse" verfügt und sein Sozialverhalten nur sehr gering ausgeprägt ist. Die Staatsanwaltschaft sah eine psychische Schädigung des Jugendlichen und erhob Anklage.

Was die Berliner Schulbehörden mit Renata P. und ihrem Sohn erlebten, kennen die Behörden in Ludwigshafen zu Genüge. Dort lebten Mutter und Sohn vor ihrem Umzug. Und auch dort führte die Schulverwaltung genau Buch. Mal fehlte der Schüler an 109, mal an 126 von 190 Unterrichtstagen. Im letzten Jahr vor dem Umzug nach Berlin kam der Teenager auf 174 Fehltage. Auch in der Pfalz blieben alle Maßnahmen erfolglos. Die Behörden schickten der Mutter unzählige Aufforderungen, für einen geregelten Schulbesuch ihres Sohnes zu sorgen. Sie blieben ebenso wirkungslos wie die mehr als ein Dutzend verhängten Bußgeldbescheide.

Was die im polnischen Wroclaw (ehemals Breslau) geborene Renata P. zu den Vorwürfen zu sagen hat, blieb am Donnerstag einstweilen offen. Ihr Verteidiger monierte, er habe keine Liste der geladenen Zeugen erhalten, und beantragte erfolgreich die Aussetzung des Verfahrens. Ein neuer Termin ist für März geplant.

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