14.02.13

Bildungsvergleich

Weniger Abbrecher - Berlins Schüler werden besser

Fast jeder zweite Berliner Schüler legt das Abitur ab. Doch die Bezirke unterscheiden sich: Steglitz-Zehlendorf ist vorn, Neukölln fällt ab.

Von Florentine Anders
Foto: Getty images

Bezirksvergleich: Während in Steglitz-Zehlendorf 67,4 Prozent der Schüler das Abitur schafften, sind es in Neukölln nur 35,3 Prozent
Bezirksvergleich: Während in Steglitz-Zehlendorf 67,4 Prozent der Schüler das Abitur schafften, sind es in Neukölln nur 35,3 Prozent

Die Quote der Berliner Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben, ist in den vergangenen Jahren gesunken, während der Anteil der Abiturienten gestiegen ist. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor.

Demnach ist der Anteil der Schulabbrecher von 10,1 Prozent im Jahr 2007/2008 auf 7,4 Prozent im vergangenen Jahr zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Zahl der Schulabgänger mit der allgemeinen Hochschulreife von 38,5 Prozent auf 49,1 Prozent gewachsen.

Zu beachten ist allerdings, dass im vergangenen Schuljahr durch die verkürzte Schulzeit am Gymnasium der doppelte Abiturjahrgang die Schulen verlassen hat. Dadurch machten die Abiturienten automatisch einen höheren Anteil an den gesamten Schulabgängern aus. Betrachtet man das Vorjahr, fällt die Verbesserung der Schulabschlüsse weniger deutlich aus. Allerdings gibt es dennoch in den meisten Bezirken eine erfolgreiche Steigerung.

Mehr Abiturienten in Wilmersdorf und Reinickendorf

In Charlottenburg-Wilmersdorf beispielsweise machten die Abiturienten vor fünf Jahren noch 44,2 Prozent aus, 2010/11 waren es schon 52,3 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Abbrecher von elf Prozent auf acht Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2011/12 waren es nur 5,8 Prozent. Auch in Reinickendorf gibt es einen größeren Anteil der Schulabgänger mit Abitur.

Die Quote ist hier von 37 Prozent vor fünf Jahren auf 53 Prozent im letzten Jahr gestiegen. Die Schulstadträtin von Reinickendorf, Kathrin Schultze-Berndt (CDU), führt das unter anderem auf die veränderten Prüfungsanforderungen zurück.

"Durch das Zentralabitur und vor allem durch die zusätzliche Präsentationsprüfung haben sich die Ergebnisse insgesamt verbessert", so Schultze-Berndt. Da sei es auch nicht verwunderlich, dass weniger Schüler am Abitur scheitern. Doch nicht in allen Bezirken ist die Entwicklung so erfolgreich. In Marzahn-Hellersdorf ist der Anteil der Schüler, die im vergangenen Jahr das Abitur schafften, sogar zurückgegangen trotz des starken Jahrganges an den Gymnasien.

Die Statistik macht aber auch deutlich, dass es große Unterschiede zwischen den Schülern deutscher Herkunft und nicht deutscher Herkunft gibt. Unter den Schulabgängern aus Migrantenfamilien haben im letzten Schuljahr immer noch 12,4 Prozent die Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. Im Vorjahr waren es 14,2 Prozent. Zwar sind das immerhin zwei Prozentpunkte weniger als noch vor fünf Jahren, dennoch ist der Anteil der Schulabbrecher unter den Schülern nicht deutscher Herkunft doppelt so hoch wie der der Schüler deutscher Herkunft. Entsprechend niedrig ist die Abiturquote.

Millionen für Problemschulen

Beim Vergleich der Bezirke geht die Schere weit auseinander zwischen bürgerlichen Regionen und sozialen Problemlagen. In Neukölln lag der aktuelle Anteil der Schüler, die das Abitur schafften, nur bei 35,3 Prozent. In Steglitz-Zehlendorf dagegen waren es 67,4 Prozent. Nur drei Prozent schafften im Südwesten der Stadt keinen Schulabschluss, in Neukölln waren es 13 Prozent.

"Wir müssen die Schulen in sozialen Brennpunkten endlich stärken und sollten den gebundenen Ganztagsschulbetrieb ausweiten, die frühkindliche Bildung ausbauen und am besten eine Kita-Pflicht einführen, um die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus so früh wie möglich zu durchbrechen, denn unsere Kinder und Jugendlichen brauchen bessere Zukunftsperspektiven als eine Hartz-IV-Karriere", sagt der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck.

Buschkowsky fordert millionenschweres Programm für Problemschulen

SPD-Fraktionschef Raed Saleh und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatten erst Ende vergangenen Jahres ein millionenschweres Sonderprogramm für Schulen in sozialen Brennpunkten vorgeschlagen. Das Konzept sieht vor, dass jede Problemschule 100.000 Euro zur eigenen Verwendung erhalten sollen.

Damit sollen sie dann je nach Problemlage Psychologen, Sozialarbeiter oder zusätzliche Sprachlehrer einstellen können. Unklar ist noch, nach welchen Kriterien die Problemschulen ausgesucht werden. Die Senatsverwaltung für Bildung ist dabei, solche Kriterien zu erarbeiten. Im kommenden Monat sollen sie vorgestellt werden. Davon wird auch abhängen, wie viele Schulen in den Genuss des Sonderprogrammes kommen. Im Landeshaushalt für 2014 sollen dann die zusätzlichen Millionen eingeplant werden.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betont, dass die Senkung der Schulabbrecher weiter eine der wichtigsten Aufgaben ist. Das sei schließlich der Sinn der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen vor zwei Jahren gewesen, so die Sprecherin der Senatorin, Beate Stoffers. Der erste Reformjahrgang wird im kommenden Jahr die Sekundarschule verlassen. Besonders erfolgreich sei das praktische Lernen, wenn es darum geht, schuldistanzierte Jugendliche in der Schule zu halten. In diesem Schuljahr nehmen berlinweit 635 an diesem Programm teil, das sind 100 mehr als im vergangenen Jahr.

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