12.02.13

Berliner Erzbischof

Woelki - "Papst hat mit seinem Rücktritt das Amt entzaubert"

Berlins Erzbischof Woelki würdigt die Verdienste von Papst Benedikt XVI. Er unterstützt, dass das Amt auf diesem Wege "entmystifiziert" wird.

Von Lucas Wiegelmann
Foto: dapd/DAPD

Papst Benedikt XVI. (r.) wird in Berlin von Erzbischof Rainer Maria Woelki (l.) begrüßt
Papst Benedikt XVI. (r.) wird in Berlin von Erzbischof Rainer Maria Woelki (l.) begrüßt

Der Papst mag seinen Rücktritt am Gedenktag der heiligen Jungfrau von Lourdes angekündigt haben. An diesem Datum begeht die Kirche außerdem den "Welttag der Kranken". Aber für Rheinländer war es in diesem Jahr vor allem Rosenmontag, und da hatte der in Köln-Mülheim geborene Kardinal Rainer Maria Woelki natürlich Urlaub.

Als er gegen 12 Uhr mittags per SMS von dem Rücktritt des Papstes informiert wurde, hat ihn diese Nachricht deshalb auch nicht besonders gekümmert. "Ich dachte an einen Karnevalsscherz", sagt Woelki.

Als klar wurde, dass die Sache ernst ist, brach er seinen Urlaub sofort ab. Nun ist er wieder in Berlin und wartet auf das, was jetzt alles auf ihn zukommt.

Vor Aufregung schlecht geschlafen

Seit ziemlich genau einem Jahr ist Woelki schließlich Kardinal, mit seinen jetzt 56 Jahren einer der jüngsten der Welt. Gemeinsam mit seinen 116 Amtsbrüdern wird er sich also bald in die Sixtinische Kapelle einschließen lassen und den nächsten Papst wählen. Aber wann genau und wie, das weiß er alles noch nicht so richtig. Es wird ja sein erstes Konklave sein, und es kam völlig überraschend.

"Ich konnte mich noch gar nicht vorbereiten", sagte Woelki gestern vor Journalisten in seinem Dienstsitz in der Osloer Straße in Wedding. Die Nacht zuvor habe er vor Aufregung schlecht geschlafen und ab drei Uhr morgens wach gelegen.

Er hat zwar noch nicht mit anderen Kardinälen über mögliche Kandidaten gesprochen. Aber er hat schon ein paar Vorstellungen, wie der Neue sein sollte. "Ein guter Seelsorger, der, wie Benedikt XVI., mit einfacher Sprache die Schönheit des christlichen Glaubens heraustragen kann."

"Es braucht schon einige Lebenserfahrung für so ein Amt"

Und er solle nicht zu jung sein. "Es braucht schon einige Lebenserfahrung für so ein Amt, und es ist ein Amt, das zehrt. Das sollte man niemandem 20, 25 Jahre lang zumuten." Daher schwebe ihm ein Kandidat von Mitte, Ende 60 vor. Er selbst käme damit nicht infrage. Und er sagt auch, er wäre "kein geeigneter Kandidat". Wer dann? Darüber will Woelki nicht spekulieren.

"Als ich 2011 Berliner Erzbischof wurde, hat das alle überrascht. Mich auch." Diese Erfahrung habe ihn gelehrt, bei kirchlichen Personalentscheidungen im Vorfeld nicht zu viel zu spekulieren. "Es ist jetzt Zeit für den, der von Gott auserwählt wird. Mir ist es total egal, ob das dann ein Asiate, Afrikaner, Amerikaner oder Europäer ist."

"Papst hat mit seinem Rücktritt das Amt entzaubert"

Wer auch immer es am Ende wird – aus Sicht des Berliner Erzbischofs sollte der sich in die Tradition Benedikts XVI. stellen. Vor allem mit seinem Rücktritt habe Benedikt einen Maßstab für alle folgenden Päpste gesetzt, weil er bewiesen habe, dass er nicht an der Macht klebe.

Allerdings müsse der neue Papst der Gefahr entgegenwirken, dass das Petrusamt künftig allzu weltlich verstanden werde, als eine Art Aufsichtsratsvorsitz, den man leicht auch wieder abgeben kann. "Der Papst hat mit seinem Rücktritt das Amt entzaubert", so Woelki. "Das Papstamt wird dadurch entmystifiziert. Und das ist auch gut so."

Der neue Pontifex müsse trotzdem stets die geistliche Dimension seiner Stellung deutlich machen. Wenn er sich dabei hin und wieder einen Rat vom Alt-Papst hole, sei das nicht verkehrt. "Ich gehe aber davon aus, dass sich Benedikt aus den offiziellen Amtsgeschäften seines Nachfolgers heraushält."

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