12.02.13

Vivantes

Aufsichtsrat bedauert Rückzug des Vivantes-Chefs

Zügig soll Bovelets Nachfolger gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte zwischenzeitlich den Missbrauchsverdacht am Krankenhaus.

Von Jens Anker
Foto: Thilo Rückeis/picture alliance

Überraschend erklärte Joachim Bovelet Ende letzter Woche seinen Abschied
Überraschend erklärte Joachim Bovelet Ende letzter Woche seinen Abschied

Der Aufsichtsrat des Berliner Klinikkonzerns Vivantes äußert sich betroffen über den überraschenden Rückzug des Vorsitzenden des Klinikums, Joachim Bovelet. "Der Aufsichtsrat bedankt sich ausdrücklich für die geleistete Arbeit und bedauert das vorzeitige Ausscheiden von Joachim Bovelet", sagte der Aufsichtsratschef des Unternehmens, Hartmann Kleiner.

"Joachim Bovelet hat in seiner Amtszeit dafür gesorgt, dass der Netzwerkgedanke bei Vivantes konsequent umgesetzt wurde. Er hat die landeseigenen Kliniken in einem schwierigen gesundheitspolitischen Umfeld strategisch zukunftsfähig ausgerichtet und die wirtschaftliche Konsolidierung des Unternehmens erfolgreich weitergeführt", so Kleiner in einer Stellungnahme weiter.

Bovelet hatte Ende vergangener Woche überraschend seinen Abschied erklärt. Sein Vertrag war erst 2010 für weitere sieben Jahre verlängert worden. Streitigkeiten mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) sollen den Auslöser für den Abgang Bovelets liefern.

Am 18. Februar soll auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrates über die Neubesetzung des Postens beraten werden. Nach Auskunft des Klinikkonzerns bleibt Bovelet bis auf Weiteres im Amt. Auf der Sitzung wird es aber auch um Fragen an Bovelet gehen, die das Geschäftsgebaren des Klinikkonzerns betreffen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost geht es dabei unter anderem um die Gehaltsstruktur von Führungskräften in Tochterunternehmen des Konzerns. So sollen führende Mitarbeiter von Vivantes International nach Umsatz, nicht aber nach Gewinn bezahlt worden sein.

Sanierung eines defizitären Unternehmens

Der Aufsichtsrat will aber auch Informationen über Fälle von Vertragsaufhebungen mit hohen Abfindungen. So hatte die Orthopädie-Chefin des Vivantes Klinikums im Friedrichshain, Karin Büttner-Janz, vor einem Jahr eine fristlose Kündigung erhalten, die vor dem Arbeitsgericht in eine geregelte Beendigung des Arbeitsverhältnisses umgeändert wurde. Gleichzeitig sprachen die Arbeitsrichter Büttner-Janz eine Abfindung in Höhe von 590.000 Euro zu. Auch hier sollen Streitigkeiten zwischen der Chefärztin und Bovelet eine Rolle gespielt haben.

Davor hatte die stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung, Dorothea Dreizehnter, das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen. Auch der Personalchef Manfred Rompf und Finanzchef Peter Schnitzler haben ihre Arbeit bei Vivantes beendet.

Bovelet steht dem Unternehmen Vivantes seit Februar 2007 vor. Der Aufsichtsrat würdigte in seiner Erklärung am Montag, dass Bovelet das ehemals defizitäre Unternehmen in den vergangenen Jahren saniert habe, sodass es zuverlässig schwarze Zahlen geschrieben und zuletzt (2011) mit einem positiven Ergebnis in Höhe von 5,1 Millionen Euro abgeschlossen habe. Wer die Nachfolge von Bovelet antritt, steht noch nicht fest.

Missbrauchsverdacht bestätigt

Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte unterdessen am Montag, dass es einen Missbrauchsverdacht am Vivantes-Krankenhaus Auguste-Viktoria in Schöneberg gibt. Demnach ist bereits Ende vergangenen Jahres die Anzeige eines Rechtsanwaltes im Auftrag des Krankenhauses bei der Justiz eingegangen. Derzeit liegt der Fall beim Landeskriminalamt zur Überprüfung vor. Demnach besteht gegen einen Pfleger der Verdacht, in mindestens drei Fällen Patienten missbraucht zu haben.

Der Geschäftsführung wurde der Fall Anfang Dezember bekannt, vier Wochen später kam es zur Anzeige und zur Kündigung des Mitarbeiters. Dabei handelte es sich um einen seit 1994 bei Vivantes angestellten Pfleger, der in der Abteilung Innere Medizin im Auguste-Viktoria-Krankenhaus arbeitete.

Inzwischen hat die Klinik reagiert und einen Brief an alle Mitarbeiter versandt. Darin fordert die Klinikleitung die Beschäftigten auf, keine Kultur des Wegsehens zu etablieren. Mitarbeiter sollen Schulungen erhalten, um den richtigen Umgang mit Verdachtsfällen zu lernen. Außerdem sollen künftig erweiterte Führungszeugnisse von neuen Mitarbeitern gefordert werden.

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