12.02.13

Steglitz

Bombendrohung sorgte für Unruhe an Berliner Grundschule

Auf einem Zettel hat ein Unbekannter einen Anschlag auf eine Grundschule angekündigt. Senat und Polizei geben sich aber gelassen.

Von Michael Behrendt, Steffen Pletl, Ulla Reinhard
Foto: Steffen Pletl

Grundschule Unter den Kastanien: Die Schulleiter haben die Eltern aller Schüler angeschrieben und über die Drohung informiert
Grundschule Unter den Kastanien: Die Schulleiter haben die Eltern aller Schüler angeschrieben und über die Drohung informiert

An einer Steglitzer Grundschule herrscht Unruhe: Per E-Mail informierte die Schulleitung die Eltern über eine Drohung gegen die Grundschule unter den Kastanien. Auf einem handgeschriebenen Zettel hat ein unbekannter Täter angekündigt, dass an diesem Donnerstag eine Bombe in der Einrichtung an der Kastanienstraße hochgehen werde. Obgleich die Polizei die Ernsthaftigkeit der Drohung verneint, hat der Schulleiter die Eltern aller Schüler angeschrieben und über die Situation informiert. In dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, stellt der Direktor den Eltern frei, ob sie ihre Kinder am Donnerstag zur Schule schicken.

Polizei bezweifelt Ernsthaftigkeit

Ein Polizeisprecher bestätigte am Montag auf Anfrage, dass die Drohung bereits am 30. Januar eingegangen ist. Die Schule habe sich daraufhin an die Polizei gewandt und das Schreiben übergeben. Nach eingehender Prüfung seien Kriminalbeamte zum Schluss gekommen, dass die Ernsthaftigkeit zu verneinen sei. Ob die Polizei dennoch Schutzmaßnahmen ergreife, ließ der Sprecher offen. "Zu polizeilichen Maßnahmen äußern wir uns nicht", sagte er nur. Aus dem Schreiben des Schulleiters an die Eltern geht allerdings hervor, dass die Polizei durchaus Konsequenzen aus dem Bedrohungsszenario gezogen hat und bereits ab Mittwoch an der Schule präsent sein wird.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat es außer der Bombendrohung vom 30. Januar noch zwei weitere Drohungen gegeben. Sie sollen wie die erste handschriftlich verfasst sein, allerdings mit jeweils unterschiedlichen Handschriften. Das Motiv könnte nach Informationen dieser Zeitungen ein fremdenfeindlicher Hintergrund sein. So sollen Ermittler einer Lehrerin mit dunkler Hautfarbe geraten haben, in dieser Woche zu Hause zu bleiben. Eine solche Empfehlung habe es nicht gegeben, sagte hingegen ein Polizeisprecher. Es habe sich lediglich eine Lehrerin krank gemeldet. Zu möglichen Motiven des Täters wollte der Sprecher keine Angaben machen.

Schule nimmt Drohung ernst

Dass die Bombendrohung vor allem in der Schule Beunruhigung ausgelöst hat, lässt sich dem Schreiben des Schulleiters entnehmen. Darin heißt es: "Liebe Eltern, kurz vor den Winterferien fand sich in unserem Briefkasten ein handgeschriebener Zettel, auf dem eine Bombendrohung für den 14. Februar angekündigt ist. Wir haben umgehend alle zuständigen Polizeidienststellen, die Schulpsychologie, die Schulaufsicht sowie die Senatsverwaltung informiert. Die Ermittlungen sind im Gange. Die Polizei beurteilt das Schreiben als nicht substanziell, wir hier in der Schule nehmen es dennoch ernst. Am 13. und 14. Februar werden Polizeibeamte vor und in der Schule anwesend sein. Sie als Eltern sollten selbst entscheiden, ob Sie Ihr Kind am 14. Februar zur Schule schicken."

Die Schulleitung wollte sich am Montag nicht zu der Situation äußern. Die Entscheidung, den Eltern freizustellen, ihr Kind zur Schule zu schicken, liege im Ermessen des Schulleiters, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Wiederherstellung des Schulfriedens

"Da geht es um die Wiederherstellung des Schulfriedens und des individuellen Sicherheitsgefühls", so die Sprecherin. In diesem Zusammenhang entstehende Gerüchte könnten in der Schule Ängste schüren. "Dann ist es in jedem Fall besser, transparent zu sein, Informationen und damit Klarheit zu geben, um diesen Ängsten entgegenzuwirken und um das Sicherheitsgefühl wiederherzustellen."

Die Grundschule unter den Kastanien besuchen 438 Schüler, von denen der Großteil in Steglitz-Zehlendorf wohnt. Der Ausländeranteil ist gering. Nur 16 Schüler haben eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit. 58 Schüler sprechen nicht Deutsch als Herkunftssprache – das entspricht einem Anteil von 13,2 Prozent. Die Schüler werden von 44 Lehrkräften und Erziehern betreut und unterrichtet.

Unklar ist, wer hinter den Drohungen steckt und ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt. Die Ermittlungen führt der polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts. Die Beamten ermitteln wegen des Straftatbestands der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten.

Bombendrohung kein Einzelfall

Bombendrohungen an Schulen sorgen immer wieder für Angst und Schrecken. Zuletzt hatte es eine solche Drohung im November vergangenen Jahres an einer Gesamtschule in Essen gegeben. Um 8.15 Uhr werde eine Bombe detonieren – so die Drohung, die der Rektor der Schule in Altendorf um kurz vor 8 Uhr morgens erhalten hatte. Der Schulleiter sagte daraufhin den Unterricht ab und alarmierte die Polizei. Die Schule wurde evakuiert. Polizeibeamte durchsuchten das Schulgebäude mit Sprengstoffhunden, fanden aber nichts Verdächtiges. Auch eine stehen gelassene Schultasche habe sich als harmlos herausgestellt, teilte die Polizei mit.

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