11.02.13

Bizarrer Metallklau

Metalldiebe machen auch vor Kunstwerken nicht halt

In Berlin-Hohenschönhausen fehlt seit einigen Tagen eine 200 Kilogramm schwere Bronzeplastik. Manche Diebe riskieren sogar Gasexplosionen.

Von Peter Oldenburger
Foto: Bezirksamt Lichtenberg

Verschwunden: Die Bronzeplastik „Sommer“ des Bildhauers Siegfried Krepp ist aus dem Oberseepark gestohlen worden
Verschwunden: Die Bronzeplastik "Sommer" des Bildhauers Siegfried Krepp ist aus dem Oberseepark gestohlen worden

Mehr als drei Jahrzehnte war die Bronzeskulptur "Sommer" am Eingang des Oberseeparks an der Oberseestraße im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen Blickfang. Die Darstellung eines weiblichen Akts des Bildhauers Siegfried Krepp mit dem Beinamen die "Große Liegende" war 1982 aufgestellt worden.

Am vergangenen Dienstag mussten Mitarbeiter des Bezirksamts feststellen, dass die 60 mal 170 mal 110 Zentimeter große und 200 Kilogramm schwere Plastik aus Bronze von Metalldieben "verschleppt" worden war.

Die Chancen auf eine Rückkehr erscheinen gering, denn zum Fall liegen der Polizei bislang keine Hinweise vor. Auch beim Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung Wilfried Nünthel (CDU) gingen trotz eines Aufrufs keine sachdienlichen Hinweise ein, sagte dessen Referent Fabian Peter dieser Zeitung. Als Vorsichtsmaßnahme habe der Bezirk sämtliche im Internet veröffentlichten Bilder von öffentlich ausgestellten Kunstwerken abgeschaltet, so Peter.

80 Kilogramm schwere Plastik in Frankfurt/Oder verschwunden

Ein ähnlicher Fall beschäftigt die Polizei in Frankfurt/O., wo ebenfalls vergangene Woche am Ufer der Oder eine Plastik aus Bronze verschwand. Die "Große Badende", ein 80 Kilogramm schwerer Frauenakt aus Bronze, wurde aus der Verankerung gerissen. Dieses Vorgehen spricht laut Ermittler immerhin gegen einen Auftragsdiebstahl eines dubiosen Kunstsammlers. Den Tätern ging es schlicht um den materiellen, nicht den ideellen Wert.

Gestohlen wird von Metalldieben in Berlin und Brandenburg praktisch alles, was sich bei Schrotthändlern zu Geld machen lässt. Besonders beliebt ist Kupfer in jeder Form, kein Wunder bei einem Marktwert von mehr als 6000 Euro pro Tonne. Von Kabeln in Stücken oder auf Trommeln über Dachrinnen, Fallrohre und Blitzableiter auf Baustellen bis hin zu Grabschmuck auf Friedhöfen, etwa Inschriften auf Grabsteinen aus Bronze. So verschwanden eine von zwei große Schalen aus Kupfer von einer Grabstelle auf dem Zentralfriedhof Lichtenberg.

Unbekannte klauen in Friedrichshain Kupfergasleitung

Mitunter bringen sich die Täter selbst oder Unbeteiligte in akute Lebensgefahr. In Friedrichshain entwendeten Unbekannte Mitte Oktober 2012 in einem Wohnhaus an der Frankfurter Allee drei Meter einer Gasleitung aus Kupfer. Ein Mieter des trotz Sanierungsarbeiten zum Teil noch bewohnten Hauses hörte das Zischen in der Leitung. Geistesgegenwärtig dreht er die Hauptleitung ab.

Wäre ihm das nicht gelungen, hätte es zu einer Explosion kommen können. Nicht selten machen Metalldiebe sich auch mit Werkzeugen wie Sägen oder Zangen an Strom führende Leitungen zu schaffen und riskieren so einen tödlichen Stromschlag.

Polizei nimmt am Ostkreuz rumänische Metalldiebe fest

In der Nacht zu Donnerstag gelang es Beamten der Berliner und der Bundespolizei, drei rumänische Metalldiebe in Friedrichshain festzunehmen. Die Männer im Alter zwischen 21 und 23 Jahren waren zunächst im Westen der Stadt von Zivilbeamten beim Ausspähen von Tatgelegenheiten beobachtet worden, berichtet Bundespolizei-Sprecher Thorsten Peters.

Kurz vor Mitternacht verschafften sich die Männer am Markgrafendamm nahe dem Ostkreuz Zugang zu einer Lagerhalle der Deutschen Bahn. Die Täter sägten dort aus einer Kabeltrommel l5 Meter lange Stücke einer Starkstromleitung heraus. Als sich die Täter beobachtet fühlten, flüchteten sie gegen 2 Uhr zu ihrem in der Nähe geparkten Kombi und wurden von Bundespolizisten festgenommen. In der Halle lagen zwei Kabelstränge zum Abtransport bereit, bei der Durchsuchung der Verdächtigen wurden Werkzeuge wie Brecheisen und Zangen sichergestellt.

Kupfer- und Stahldiebstahl trifft besonders die Bahn

In Potsdam gelang der Polizei am Freitagmorgen die Festnahme eines 24-Jährigen. Mit einem unbekannten Komplizen war der Mann in der Straße Zum Heizkraftwerk in Firmenräume eingedrungen und hatte mehrere Kabeltrommeln zum Abtransport bereitgelegt. Von einem Zeugen alarmierte Beamte nahmen den einschlägig polizeibekannten Täter fest. Der Mann räumte den versuchten Diebstahl ein, nach dem flüchtigen Täter wird noch gefahndet.

Gerade der Deutschen Bahn macht die Gier nach Kupfer oder Stahl seit Jahren zu schaffen. Kaum ein Tag in Deutschland vergeht, an dem nicht durch gestohlene Signal-, Erdungskabel, Oberleitungen und ähnliches Diebesgut Betriebsstörungen verursacht werden.

Die Bundespolizei, generell für die Sicherheit von Bahnanlagen jeder Art zuständig, verschafft diese Deliktform jede Menge Arbeit. Doch nach Jahren steigender Fallzahlen kann die Bundespolizeidirektion Berlin-Brandenburg erstmals eine Trendwende zum vermelden. "Nach 1269 Taten im Jahr 2011 in der Region haben wir im Vorjahr noch 969 Fälle registriert. Der Rückgang beläuft sich damit auf 23,6 Prozent", sagt Thorsten Peters.

Polizei spürt Diebe mit Wärmebildkameras auf

Verantwortlich für die seit Mitte 2011 erkennbare Trendwende seien mehrere Faktoren. Zum einen hätten Bundespolizei und Bahn ihre "Kooperation zur Gefahrenfürsorge" spürbar intensiviert, nachdem allein der materielle Schaden durch Buntmetalldiebstahl für die Bahn im Jahr 2011 bundesweit auf 15 Millionen Euro geklettert war.

So werde die Bundespolizei planmäßig über jede Baumaßnahme an Strecken informiert und reagiere entsprechend mit ihrem taktischen Konzept. Dass bedeutet einen verstärkten Einsatz von zivilen Ermittlern, gepaart mit dem intensiven Einsatz von mit Wärmebildkameras bestückten Helikoptern bei der Tätersuche in der Nacht, erläutert Behördensprecher Peters. Zudem sprechen die Ermittler seit geraumer Zeit immer wieder gezielt Altmetallhändler darauf an, keine Geschäfte mit dubiosen Anbietern zu machen, welche die legale Herkunft ihrer Ware nicht nachweisen können.

Mit dem Rückgang der Fallzahlen sei die Gefahr indes längst nicht gebannt. Der Täterkreis reicht von Einzelpersonen wie Rentnern, die ihre Haushaltskasse aufbessern, über Drogensüchtige, bis hin zu organisierten Banden, die mit professionellem Werkzeug, geeigneten Fahrzeugen und klarer Aufgabenteilung auf Jagd nach den wertvollen Rohstoffen gehen.

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