09.02.13

Joachim Bovelet

Abgang des Vivantes-Chefs hinterlässt offene Fragen

Der Chef des landeseigenen Krankenhauskonzerns will überraschend aufhören. Dabei galt Bovelets Amtsführung lange als Erfolgsgeschichte.

Von Christina Brüning
Foto: Michael Brunner

Joachim Bovelet hört bei Vivantes auf
Joachim Bovelet hört bei Vivantes auf

Gerüchte in diese Richtung gab es schon seit einiger Zeit, nun ist es offiziell: Der Chef des Berliner Klinikkonzerns Vivantes, Joachim Bovelet, tritt zurück. Am Freitag bestätigte die Berliner Finanzverwaltung, die zuständig ist für den landeseigenen Konzern, dass Bovelet das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen möchte.

Ein schriftliches Rücktrittsgesuch liege nicht vor, sagte die Sprecherin von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), Kathrin Bierwirth. "Herr Bovelet hat Herrn Nußbaum bisher nur mündlich darüber informiert, dass er seinen Vertrag als Vorsitzenden der Geschäftsführung vorzeitig beenden möchte", sagte Bierwirth. Als Eigentümer habe die Finanzverwaltung den Wunsch zur Kenntnis genommen.

Zu den Hintergründen gab es von Seiten der Finanzverwaltung am Freitag keine Auskünfte. Laut RBB-Abendschau sollen offiziell persönliche Umstände Bovelets Rücktrittsgrund sein. Hinter den Kulissen wird dagegen spekuliert, Schuld am Rückzug könnte das abgekühlte Verhältnis zwischen Finanzsenator und Klinikchef sein. Denn in den letzten Monaten hat sich eine ganze Reihe von Themen bei dem Berliner Klinikkonzern angehäuft, die zu Spannungen mit der Senatsseite geführt haben.

Vertrag eigentlich bis 2017

Dabei galt Bovelets Amtsführung lange als Erfolgsgeschichte. Seit 2007 leitet er Vivantes. Der Jurist war vorher Geschäftsführer der Paracelsus Kliniken Deutschland. Unter Bovelet schrieb Vivantes anhaltend schwarze Zahlen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Senat und Geschäftsführung war noch zu Beginn des letzten Jahres so gut, dass es Vivantes sogar gestattet wurde, auf eigene Rechnung und ohne Landesbürgschaft Kredite aufzunehmen, um eigene Investitionen finanzieren zu können. Ein für ein Berliner Landesunternehmen ungewöhnlicher Vorgang.

Bovelets Vertrag als Vorsitzender der Geschäftsführung läuft eigentlich noch bis zum Jahr 2017. Er war im September 2010, noch während seines ersten laufenden Fünf-Jahres-Vertrags, bereits vorzeitig um weitere fünf Jahre verlängert worden – bei einem Jahresgehalt von 472.000 Euro.

Doch im vergangenen Jahr gab es zunehmend schlechte Nachrichten. Erst der Wirbel um die gekündigte Chefärztin und einstige DDR-Spitzenturnerin Karin Büttner-Janz, die sich mit Bovelet überworfen hatte. Sie erhielt nach einem Vergleich vor Gericht neben einem vollen Jahresgehalt eine Abfindung von 590.000 Euro. Im Sommer dann ging Bovelets Stellvertreterin in der Geschäftsführung, Dorothea Dreizehnter, ihr folgte kurz darauf Personalchef Manfred Rompf. Gegen Ende des Jahres deutete sich an, dass die Gewinnerwartung verfehlt wird. Und mit Nußbaum stritt Bovelet um den Verbleib des Aufsichtsratsmitglieds Karl Kauermann, den Nußbaum bereits aus dem Aufsichtsgremium der Wohnungsgesellschaft Degewo geworfen hatte. Kauermann wird vorgeworfen, private geschäftliche Interessen mit öffentlichen zu vermischen.

Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 18. Februar sollten einige dieser Probleme bei Vivantes besprochen werden. Nun kommt ein weiterer Punkt hinzu: Die Suche nach einem neuen Konzernchef.

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