06.02.13

US-Präsident

50 Jahre Kennedy - Berliner hoffen auf Obamas Besuch

Kommt er oder kommt er nicht? Berlin hofft auf einen Besuch von Barack Obama am 50. Jahrestag der Rede seines Amtsvorgängers Kennedy.

Von Christina Brüning, Sven Felix Kellerhoff und Viktoria Solms
Foto: REUTERS

Bei seinem ersten Besuch durfte Barack Obama nur vor der Siegessäule reden
Bei seinem ersten Besuch durfte Barack Obama nur vor der Siegessäule reden

Die Berliner können sich Hoffnung auf prominenten Besuch machen. US-Präsident Barack Obama kommt möglicherweise noch in diesem Jahr in die deutsche Hauptstadt. "Die Bundeskanzlerin hat den US-Präsidenten in dem Glückwunschtelegramm nach seiner Wiederwahl eingeladen und geschrieben, dass es ihr eine Freude wäre, ihn bald wieder als Gast in Deutschland begrüßen zu können", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch.

Als Besuchstag könnte der 50. Jahrestag von John F. Kennedys Rede am Rathaus Schöneberg dienen. Am 26. Juni 1963 sagte Obamas Amtsvorgänger die legendären Worte "Ich bin ein Berliner." Acht Stunden dauerte Kennedys Besuch. Doch sie reichten, um sich bis heute ins Bewusstsein der Berliner einzuprägen.

Damals sagte der US-Präsident die vielleicht nicht wichtigsten, sicher aber berühmtesten Worte seines Lebens. Damit gab er nicht nur der geteilten Stadt, sondern allen Bürgern im Nachkriegsdeutschland symbolisch ein Zeichen, wieder stolz auf die eigene Stadt, das eigene Land sein zu können – und zu dürfen.

Noch keine Bestätigung

Es würde zu Barack Obama, dem ersten farbigen US-Präsidenten, passen, wenn er diese historische Vorlage für einen Besuch nutzt. Die Einladung angenommen hat Barack Obama jedoch noch nicht. Sobald ein konkreter Termin in Aussicht stehe, werde man die Öffentlichkeit informieren, sagte Steffen Seibert.

Grundsätzlich hält er den Jahrestag der Kennedy-Rede am 26. Juni aufgrund der symbolischen Bedeutung für ein gutes Datum. Der Regierungssprecher wollte sich darauf dennoch nicht festlegen. Der 26. Juni bleibe in jedem Fall ein Tag, der "für uns im Zeichen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses und der tiefen Freundschaft stehen wird", sagte Seibert. Und zwar unabhängig davon, ob Obama an dem Tag nun tatsächlich nach Berlin kommt oder nicht.

Die Gerüchte über einen möglichen Besuch des US-Präsidenten könnten beim Blick auf seinen Terminkalender entstanden sein. Barack Obama hält sich am 17. und 18. Juni dieses Jahres in Europa auf, um am Treffen der Staatschefs der acht wichtigsten Industrienationen (G8) in Nordirland teilzunehmen. Ein Abstecher nach Berlin könnte anschließend ins Reiseprogramm passen.

Obamas Rede 2008 an der Siegessäule

Barack Obama war bereits ein Mal zu Besuch in Berlin. Vor seiner ersten Wahl ins Weiße Haus hielt er 2008 eine Rede an der Siegessäule. Damals gab es Diskussionen, da der damalige Präsidentschaftskandidat vor dem Brandenburger Tor sprechen wollte. Doch diesen Auftritt vor einer weltweit bekannten Kulisse wollte man ihm im Wahlkampf nicht zugestehen.

In der US-Botschaft war am Mittwoch nichts von einem geplanten Besuch Obamas in Berlin bekannt. Darüber informiere grundsätzlich das Weiße Haus in Washington, hieß es. In der Berliner Senatskanzlei dämpfte man ebenfalls die Erwartungen. Wohl auch, um Enttäuschungen bei den Bürgern zu vermeiden.

Senatssprecher Richard Meng bezeichnete die Meldung als Spekulation. "Obamas Besuch in Deutschland steht an, er war während seiner ersten Legislaturperiode nicht hier", sagte Meng. Doch ob er sich bei seiner Planung an einem Jubiläumstag orientiere, sei fraglich.

"Wir würden uns aber natürlich sehr freuen, wenn er zum Kennedy-Jubiläum kommt", sagte Meng. Da die Einladung von der Bundesregierung ausgesprochen wurde, sei Berlin jedoch nur nachrangig in die Planungen involviert.

Einladungen an Mitglieder der Kennedy-Familie

Am 26. Juni sei ein Festprogramm im und um das Rathaus Schöneberg herum geplant, sagte Meng. Die Feierlichkeiten werden von der Senatskanzlei koordiniert. "Wer von US-Seite daran teilnimmt, ist noch ganz offen", so Meng. Da sich im Sommer der langjährige US-Botschafter Philip D. Murphy aus Berlin verabschiedet, werde dieser auf jeden Fall bei den Festlichkeiten dabei sein.

Auch an Mitglieder der Kennedy-Familie in den USA seien Einladungen ausgesprochen worden, sagte Meng. Wer aus der berühmten Familie nach Berlin kommen könnte, wollte der Sprecher nicht verraten. "Wir werden bei den Festlichkeiten unsere Verbundenheit mit den USA darstellen."

Zum 50. Jahrestag dieses Weltereignisses mitten im Kalten Krieg wird das Alliiertenmuseum zusammen mit anderthalb Dutzend Partnern ein stadtweites Programm organisieren. Vorträge, Sonderführungen und Kinoabende sind vorgesehen, in Gedenkstätten, staatlichen und privaten Museum und öffentlichen Gebäuden. Vor allem aber wird es Stadtrundfahrten auf den Spuren Kennedys geben – und zwar mit den Videobussen der Agentur Zeitreisen.

Dafür sucht Gundula Bavendamm, die Chefin des Alliiertenmuseums, private Bilder vom Besuch, den Hunderttausende auf den Straßen und vor dem Rathaus Schöneberg verfolgten. "Wir interessieren uns für ganz persönliche Geschichten. Deshalb bitten wir alle Berlinerinnen und Berliner, auf dem Dachboden oder im Keller nach alten Filmen von dem legendären Ereignis zu suchen", sagte Gundula Bavendamm.

Alliiertenmuseum sucht Zeitzeugen

Nicht nur solche Aufnahmen sind für das Museum an der Clayallee wichtig. Das Alliiertenmuseum sucht ebenfalls Zeitzeugen, die besondere Erinnerungen an die Jahrzehnte des Zusammenlebens von Berlinern und den drei Schutzmächten USA, Großbritannien und Frankreich in der Zeit des Kalten Krieges erzählen können.

Deshalb wird auch der "Jahrhundertbus – Gedächtnis der Nation" vom 22. bis 26. Juni Station vor dem Rathaus Schöneberg machen. In diesem mobilen Aufnahmestudio können Augenzeugen ihre Erinnerungen an Kennedys Besuch für die Nachwelt festhalten lassen. Für eine künftige Überarbeitung der Dauerausstellung im Alliiertenmuseum sind persönliche Informationen möglicherweise von großem Wert.

Für Berlin war der Abstecher Kennedys der wohl wichtigste Staatsbesuch aller Zeiten. Auch der Präsident selbst zeigte sich vom triumphalen Empfang beeindruckt.

Auf dem Rückflug soll der damalige US-Präsident gesagt haben, er werde seinen Nachfolgern im wichtigsten Amt der Welt einen verschlossenen Brief hinterlassen. Sie dürften ihn nur im Falle einer wirklich schweren Krise öffnen. Als Empfehlung würde darin zu lesen sein: "Go to Germany!"

Alliiertenmuseum, Clayallee 135, Zehlendorf, 81 81 990, info@alliiertenmuseum.de

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