06.02.13

Berlin-Mitte

Altes Rathaus wird wegen U5-Neubau versetzt

An der U5 wird gebaut. Die Fundamente des alten Rathauses aus dem 13. Jahrhundert müssen deshalb verschoben werden.

Von Carline Mohr
Foto: dpa

Das mittelalterliche Rathaus soll im neu entstehenden U-Bahnhof „Berliner Rathaus“ durch ein Archäologisches Fenster einsehbar und begehbar gestaltet werden
Das mittelalterliche Rathaus soll im neu entstehenden U-Bahnhof "Berliner Rathaus" durch ein Archäologisches Fenster einsehbar und begehbar gestaltet werden

Das historische Mauerwerk des mittelalterlichen Rathauses von Berlin liegt in der eisernen Klaue von Mobi Hub. So heißt der Lastkran, der das 40 Tonnen schwere Mauerstück aus dem Jahr 1270 um zwei Meter zur Seite hebt. Die Reste des alten Rathauses wurden im Sommer 2010 entdeckt, als man den Boden wegen des Neubaus der U-Bahnlinie 5 untersuchte.

Skulpturen der Moderne, Münzen oder Treppenstufen – lauter historische Schätze haben Archäologen aus dem märkischen Sand vor dem Roten Rathaus geborgen. Ein besonderer Fund waren die Teile des Fundaments und und des aufsetzendes Mauerwerk, das nun vor den Bauarbeiten an der U5 geschützt werden muss.

Ein Glücksfall für Archäologen

Das allererste Rathaus Berlins war ein zweigeschossiges Gebäude, dessen Erdgeschoss als Markthalle genutzt wurde. Das entdeckte Bodendenkmal gehört zu den Überresten dieser Halle. Genau an dieser Stelle soll aber auch der U-Bahntunnel verlängert werden, um den Alexanderplatz mit den Brandenburger Tor und weiter mit mit dem Hauptbahnhof zu verbinden.

Im April 2010 begannen die Arbeiten dazu. Etwa 433 Millionen Euro soll der Bau kosten. Und er ist umstritten. Kritiker bemängeln die hohen Kosten und bezweifeln die Notwendigkeit der neuen Linie. Doch für die Archäologen war er ein Glücksfall: Endlich haben sie Zugriff auf Flächen, die ihnen lange verborgen geblieben waren.

Mitte erweist sich als besonders spannendes Pflaster für Historiker. Am Alexanderplatz und am Spittelmarkt wurden Friedhöfe ausgehoben, am Schloßplatz legte man die Fundamente der Hohenzollernresidenz frei. Am Petriplatz nahe der Gertraudenbrücke wurden Fundamente der Petrikirche entdeckt. Im Falle der Überreste des mittelalterlichen Rathauses geht es vor allem darum, möglichst viel von dem historischen Mauerwerk zu bewahren. Deshalb wurde eine Baufirma aus Thüringen angeheuert, die auf Denkmalpflege spezialisiert ist.

Mit einer Kreissäge wurden die Mauerreste in einzelne Teile zerlegt und mit einem zusätzlichen Fundament aus Beton und Stahlträgern versehen. Eingeschlossen in eine Trägerkonstruktion konnte der Lastkran sie um 50 Zentimeter anheben und um zwei Meter nach Süden versetzten. Das ist notwenig, weil aktuell der Bau der Schlitzwand für den neuen U-Bahntunnel ansteht und man eine Gefährdung des Mauerwerks fürchtete. Wenn die Schlitzwand steht, werden die Mauerreste wieder an ihren ursprünglichen Standort zurückgehoben.

"Wir haben einen Weg gefunden, wie wir die Historie schützen und erhalten können", sagt Grabungsleiter Michael Hofmann vom Landesdenkmalamt Berlin. "Wir verändern also eigentlich nichts." Allerdings konnte man nur 80 Prozent des Rathauses retten.

Ein etwa zehn Meter langes Mauerstück wird der neuen U-Bahn zum Opfer fallen. Knapp sieben Wochen haben die Vorbereitungen für die Verschiebung gedauert, nun ist das Gröbste geschafft. Die historischen Reste müssen zu ihrem Schutz nur wieder mit Sand bedeckt werden.

Historisches Fenster

Die Verschiebung an ihren ursprünglichen Standort wird vermutlich 2016 abgeschlossen werden. Durch ein "historisches Fenster" im Bahnhof soll man die Überreste des Alten Rathauses sogar betrachten können. Grabungsleiter Hofmann verspricht: "Da gibt es einen Herd aus Stein zu sehen und einen Brunnen, 27 massive Steinsäulen und eben die Wände."

Aus den Funden erhoffen sich die Forscher weitere Erkenntnisse darüber, wie die Menschen damals gelebt haben, aus welchen Schichten sie kamen und wie sie wohnten. Das sei deshalb so wichtig, weil viel zu wenig Schriftstücke erhalten seien, die über das damalige Leben Aufschluss geben, sagt Hofmann.

Für ihn sind die Funde vor dem Roten Rathaus ein Glücksfall: "Hier haben wir ja quasi alles auf einmal, einen kompletten Prozess: von der Ausgrabung über die Forschung, bis hin zur Ausstellung. Wir können das dokumentieren und aufbereiten und am Ende der Öffentlichkeit zugänglich machen."

Das gesamte Areal, auf dem sich die Überreste des Alten Rathauses befinden, soll begehbar gemacht werden. Vom Rathauskeller aus sollen die alten Schätze aus nächster Nähe zu betrachten sein. Die aktuellen Schutz- und Rettungsmaßnahmen folgen einer guten Tradition: Bereits 1861, als das heutige Rathaus gebaut wurde, achtete man darauf, das mittelalterliche Rathaus nicht zu überbauen oder zu tangieren.

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