05.02.13

Sturz in Spree

Mutiger Passant rettet Fünfjährigen vor dem Ertrinken

Der Junge war in Niederschöneweide von seiner Mutter unbemerkt in die Spree gestürzt. Ein mann sprang ins eisige Wasser und rettete das Kind.

Von Ulla Reinhard
Foto: Steffen Pletl

Uferpromenade nahe des Kaiserstegs: Im Uferbereich der Spree ist das Wasser mehr als zwei Meter tief. An das Ufer gelangt man nur über eine in die Uferwand eingelassene Leiter
Uferpromenade nahe des Kaiserstegs: Im Uferbereich der Spree ist das Wasser mehr als zwei Meter tief. An das Ufer gelangt man nur über eine in die Uferwand eingelassene Leiter

Ein fünf Jahre alter Junge ist am Montagabend in Niederschöneweide aus noch ungeklärter Ursache in die Spree gestürzt und beinahe ertrunken. Passanten zogen den Jungen aus dem Wasser und reanimierten ihn.

Ein Notarzt brachte das Kind in das Krankenhaus Friedrichshain, wo es seitdem auf der Intensivstation liegt. Sein Zustand soll kritisch sein. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Mutter wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Der Fünfjährige war nach Angaben der Polizei am Montag gegen 18.15 Uhr mit seiner Mutter an der Hainstraße unterwegs. Während sich die 26-Jährige an der Uferpromenade mit einem Bekannten unterhielt, entfernte sich der Junge offenbar unbemerkt.

Nach einer Weile fiel der Mutter auf, dass ihr Sohn weg war. Als sie nach ihm rief, wurde ein Passant auf das Geschehen aufmerksam. Der Zeuge und die Mutter suchten das Ufer ab und entdeckten kurz darauf den Fünfjährigen im Wasser. Das Kind trieb zu diesem Zeitpunkt bereits leblos auf der Wasseroberfläche, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Retter springt in die Spree

Der 46 Jahre alte Zeuge reagierte sofort, sprang ins Wasser und schwamm zu dem Kind. Die Mutter wartete am Ufer. Als der Mann den Fünfjährigen aus dem Wasser an Land gezogen hatte, kamen zwei Passanten hinzu. Eine 24-jährige Frau und ein 30-jähriger Mann reanimierten den unterkühlten Körper des Fünfjährigen.

Kurz darauf traf die zwischenzeitlich alarmierte Feuerwehr ein und versorgte das Kind medizinisch. Der Fünfjährige wurde in Decken gehüllt und von einem Notarzt in Begleitung der Mutter ins Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Am Dienstagabend lag der Junge dort auf der Intensivstation.

Unklar ist, wie der Junge unbemerkt von der Mutter und dem mit ihr sprechenden Bekannten ins Wasser gelangen konnte und wie lange er dort unbemerkt trieb. Auch wenn der Fünfjährige relativ schnell wiederbelebt werden konnte, bestand nach Polizeiangaben in jedem Augenblick des dramatischen Geschehens akute Lebensgefahr.

"Je länger das Kind im Wasser war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es große Mengen Wasser verschluckt hat", sagte eine Sprecherin der Feuerwehr. "Dann besteht auch nach der Reanimation noch die Gefahr, dass Wasser im Luftschacht ist, das wieder eingeatmet wird." Grundsätzlich sei es jedoch einfacher einen Menschen wiederzubeleben, der in kaltem statt in warmen Wasser gelegen hätte.

"Die Herzfrequenzen und der ganze Körper fahren bei niedrigen Temperaturen herunter, so dass man schneller wieder zu sich kommt." Das Gehirn werde mit weniger Sauerstoff versorgt und könne sich ebenfalls schneller wieder erholen. Wäre es allerdings noch kälter gewesen, hätte der Junge nach Angaben der Sprecherin erfrieren können. Es habe sich positiv auf die Situation ausgewirkt, dass die Temperaturen seit einigen Tagen über Null Grad Celsius lägen.

Mutter wird vernommen

Die Feuerwehr rückt bei Alarmierungen über Personen im Wasser stets mit einem Großaufgebot aus. Am Montag waren 30 Beamte mit zwei Löschfahrzeugen und einem Rettungsboot im Einsatz. Die Polizei wollte den 46-jährigen Helfer und die beiden anderen Zeugen am Dienstag vernehmen.

Die Ermittler erhoffen sich vor allem Angaben über das Verhalten der Mutter. Die 26-Jährige wird sich in den nächsten Tagen erklären müssen, warum sie offenbar nicht genügend auf ihren Sohn aufpasste. Sollte sie strafrechtlich belangt werden können, droht ihr eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Haft.

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