05.02.13

Statistik

Gewalt an Berliner Schulen steigt dramatisch

Beleidigungen, Mobbing und Schläge - die Zahl der von Berliner Schulen gemeldeten Vorfälle stieg im vergangenen Schuljahr um 25 Prozent.

Von Florentine Anders
Foto: KEYSTONE

Besonders stark zugenommen haben die von Schulen gemeldeten Gewalttaten in den Berliner Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Einen Anstieg gab es aber auch in Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick
Besonders stark zugenommen haben die von Schulen gemeldeten Gewalttaten in den Berliner Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Einen Anstieg gab es aber auch in Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick

An den Berliner Schulen hat die Zahl der gemeldeten Gewaltvorfälle im vergangenen Schuljahr deutlich zugenommen. Das zeigt der aktuelle Gewaltpräventionsbericht der Senatsbildungsverwaltung, der am Montag veröffentlicht wurde.

Demnach haben die Schulen 1836 Gewalttaten und Notfälle an die Senatsverwaltung für Bildung gemeldet. Das sind 25 Prozent mehr als im Vorjahr.

Am stärksten zugenommen haben Vorfälle, die zwar weniger schwerwiegend sind, aber das Zusammenleben an der Schule stark beeinträchtigen. Dazu gehören Bedrohungen, Beleidigungen, Mobbing, Suchtmittelkonsum und Tätlichkeiten. Diese sogenannten minderschweren Meldungen sind um sieben Prozent gestiegen.

Besonders stark zugenommen haben die gemeldeten Gewalttaten in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf. Einen Anstieg gab es aber auch in Pankow, Reinickendorf und Treptow-Köpenick.

Angeführt wird die Gewaltstatistik nach wie vor vom Bezirk Mitte mit knapp 14 Prozent aller Meldungen. Im Vergleich zum Jahr zuvor sind dort die Vorfälle aber um drei Prozent zurückgegangen.

Schon an zweiter Stelle in der Rangliste der Bezirke folgt Steglitz-Zehlendorf mit insgesamt 13 Prozent. Das ist ein Anstieg um drei Prozent. Die Vorfälle aus Neukölln machen nur noch zehn Prozent aller Meldungen aus.

Welcher Schultyp besonders betroffen ist

Gemessen an der Zahl der Schulen sind die Sekundarschulen besonders betroffen von Mobbing und Prügeleien. Mit etwa vier Meldungen pro Schule gab es hier die meisten Vorfälle, gefolgt von den Förderschulen (drei Meldungen) und den Grundschulen mit zwei Meldungen pro Schule.

Von den insgesamt 94 Berliner Gymnasien wurden 69 Fälle von verbaler oder physischer Gewalt an die Senatsbildungsverwaltung berichtet. Die Täter, aber auch die Opfer finden sich meist unter den Acht- bis 13-Jährigen.

Schwere Gewalttaten oder Amokdrohungen sind im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent zurückgegangen. Die Statistik zeige, dass Schulen früher und häufiger auf aggressives Verhalten reagieren würden und dadurch Eskalationen verhindern könnten, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zu dem Bericht.

Auch minderschwere Fälle würden gemeldet, obwohl die Schulen dazu gar nicht verpflichtet seien. Das sei auch ein Erfolg der Krisenteams, die an den Schulen im Umgang mit Gewalt und Notfällen geschult worden sind. Insgesamt gebe es bereits 250 solcher Krisenteams.

Für Eltern Statistik ein alarmierendes Signal

Für Günter Peiritsch, Vorsitzender des Berliner Landeselternausschusses, ist die Statistik dagegen ein alarmierendes Signal, dass sich die Gewaltbereitschaft an den Schulen verschärft. "Die steigende Tendenz verwundert uns nicht. Denn während immer mehr verhaltensauffällige Schüler von den Förderschulen an die Regelschulen gewechselt sind, wurden gleichzeitig die Förderstunden für diese Kinder kontinuierlich abgesenkt", sagte Peiritsch.

Mit Blick auf die bevorstehende Integration von behinderten und förderbedürftigen Kindern an Regelschulen müsse die Ausstattung mit Sonderpädagogen und Sozialarbeitern an den Schulen unbedingt verbessert werden. Nur so könne man dem Trend zu mehr Gewalt an den Schulen entgegenwirken. Wichtig sei auch, diese an Gymnasien einzusetzen, sagte Peiritsch. Diese Schulform werde häufig vergessen, wenn es um Gewalt gehe. Dabei sei gerade dort Mobbing verbreitet, so der Elternvertreter.

Bildungssenatorin Scheeres setzt bei der Lösung des Gewaltproblems auf eine bessere Vernetzung von Schulen mit den Jugendämtern und den Präventionsbeauftragten der Polizei. Hierbei soll auch die elektronische Schülerdatei helfen, die derzeit erstellt wird. Es gehe nicht nur um Sanktionen, den Schülern, Lehrern und Eltern müsse auch bei der Bewältigung der Probleme geholfen werden, heißt es in dem Bericht.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU, Hildegard Bentele, fordert die Bildungsverwaltung auf, künftig auch die getroffenen Sanktionen in dem Bericht zu erfassen. Die aktuelle Statistik weise auf immer größere Probleme der Schüler im sozialen Umgang miteinander hin, so die CDU-Politikerin.

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