04.02.13

Prozessauftakt

Angeklagte gestehen Überfall auf Berliner Tierärztin

Um ihre Drogensucht zu finanzieren, hatten zwei Männer eine Tierarztpraxis ausgeraubt. Ihre Offenheit beeindruckte auch den Richter.

Von Hans H. Nibbrig

Die Modedroge Tilidin zum morgendlichen Wachwerden, Kokain um über den Tag zu kommen, Kokain und Haschisch am Abend – ein solcher Lebenswandel will finanziert werden.

Zwei 26 und 27 Jahre alte Männer lösten das Problem in der Vergangenheit unter anderem durch Straftaten. Die letzte Tat brachte sie am Montag auf die Anklagebank des Landgerichts Berlin-Moabit, zusammen mit einem 20-Jährigen, der für die beiden Hauptangeklagten bei ihrer Tat den Chauffeur gab.

Am Abend des 21. November 2011 fuhr der 20-Jährige die beiden Älteren zu einer Tierarztpraxis in Zehlendorf. Durch einen Tipp aus der Szene hatten die Männer erfahren, dass sich dort ein Tresor mit Bargeld befinden solle.

Maskiert und mit einer Schreckschusspistole bewaffnet drangen die Täter in die Praxis ein, bedrohten die Tierärztin und forderten Bargeld. Als die Ärztin versuchte, einem der Männer die Waffe zu entreißen, erhielt sie einen Faustschlag ins Gesicht.

Die Frau verlor kurzzeitig das Bewusstsein. Dies nutzten die Täter, um das Opfer zu fesseln und nach dem Tresor zu suchen. Den gab es in der Praxis allerdings nicht, als Beute blieben den Männern 850 Euro Tageseinnahmen aus der Handtasche des Opfers.

Reinen Tisch gemacht

Kurz nach der Tat musste der 26-Jährige in einer anderen Sache eine Haftstrafe antreten, sein ein Jahr älterer Komplize wurde im Sommer 2012 festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Zum Prozessauftakt am Montag hatten die Männer offenbar beschlossen, reinen Tisch zu machen. In von ihren Verteidigern verlesenen Erklärungen gestanden sie nicht nur die Taten, sie äußerten sich auch zu Details.

Soviel Offenheit beeindruckt auch den vorsitzenden Richter. Der machte dennoch unmissverständlich klar, dass die Hauptangeklagten auch bei einem Geständnis mit Haftstrafen von etwa vier Jahren zu rechnen hätten. Der 20 Jahre alte Mittäter darf auf eine Bewährungsstrafe hoffen.

Offen redeten die Hauptangeklagten über ihre Drogensucht. Mit 13 Jahren habe er erstmals Drogen genommen, mit 18 sei er auf "härtere Sache umgestiegen, ließ der 26-Jährige erklären. "Clean", so hieß es in der Erklärung weiter, sei er eigentlich immer nur dann gewesen, wenn er in Haft saß.

Sein ebenfalls drogenabhängiger Komplize hatte schließlich noch etwas anzubieten. Seine Familie habe 1000 Euro gesammelt, als erste "kleine Genugtuung". für das Opfer.

Der Prozess wird fortgesetzt, dann sagt die Ärztin aus. Zu diesem Termin soll sie auch das gesammelte Geld bekommen.

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