02.02.13

Verkehr

Schlaglöcher werden im Berliner Verkehr zur Plage

Auf Berlins Straßen platzen reihenweise Schlaglöcher auf. Manche Verkehrsadern mussten sogar gesperrt werden. Der ADAC fordert Millionen.

Von Brigitte Schmiemann und Max Boenke
Foto: picture alliance / dpa

Gefährliche Schäden: Auf Berlins Straßen reiht sich mancherorts Schlagloch an Schlagloch
Gefährliche Schäden: Auf Berlins Straßen reiht sich mancherorts Schlagloch an Schlagloch

"Ach", sagt Jörg Becker und seufzt. "Beispiele für die schlimmsten Schlaglochpisten zu nennen, ist völlig sinnlos." Becker ist Verkehrsexperte des ADAC Berlin-Brandenburg und kommt in diesen Tagen zu einem Fazit, das die meisten Autofahrer bestätigen können. "Es ist in der ganzen Stadt schlimm – wirklich flächendeckend. Wo heute geflickt wird, platzen morgen ein paar Meter weiter neue Schlaglöcher auf."

Dieses Bild bestätigt sich bei einem Blick in die einzelnen Bezirke der Stadt. In der Ordensmeisterstraße in Tempelhof zum Beispiel hat das Tiefbauamt Schilder mit Tempo 10 für die Autofahrer aufstellen lassen. Baufirmen sind nach Auskunft von Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) nicht nur in der Ordensmeisterstraße mit NotReparaturen beauftragt, sondern auch in der Rixdorfer Straße in Mariendorf. Auf dem Grazer Damm in Schöneberg hingegen könnten größere Flächen mit Heißmischgut saniert werden, die dann auch länger haltbar seien.

"In diesen drei Straßen sind die Löcher aber besonders tief", sagt Krüger. Die drei Problemstraßen sollen dieses Jahr möglichst noch ordentlich saniert werden. Für die Notmaßnahmen in den drei Straßen rechnet Krüger mit 250.000 Euro Kosten. Insgesamt hat der Bezirk Tempelhof-Schöneberg zehn Straßenfirmen für Notreparaturen angeheuert. Durch die Haushaltssperre im vergangenen Jahr habe der Bezirk alle Straßensanierungen 2012 auf die zweite Hälfte konzentrieren müssen. Das sei in diesem Jahr besser. "Wir können für 2,9 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm Straßen sanieren", freut sich Krüger.

Gutes Wetter für Reparaturen

Über das Geld aus dem Sonderprogramm des Senats freuen sich auch die anderen Bezirke angesichts des knappen Geldes, das sie für die Unterhaltung ihrer Straßen zur Verfügung haben. Bislang spielte sogar das Wetter mit. "Wir hatten Glück. Das Tauwetter war durchgängig über mehrere Tage, und es gab keinen Nachfrost", sagt Thomas Schuster. Als Fachbereichsleiter ist Schuster im Bezirk Mitte für die Straßenaufsicht und -unterhaltung zuständig.

Bei geschädigten Straßen, wie es sie in Berlin häufig gebe, würde das Wasser ansonsten in die Risse eindringen und bei Frost dann den Asphalt sprengen. Auch in Mitte gibt es wie in anderen Bezirken vermehrt Schlaglöcher in den Straßen. Besonderes Augenmerk liege momentan auf dem Straßenzug Leipziger Straße, Gertraudenstraße, Mühlendamm und Grunerstraße.

Im ganzen Bereich zwischen dem Roten Rathaus und Charlottenstraße würde derzeit gearbeitet. Weil das Wetter zurzeit relativ gut sei, könnten die Schäden sogar so repariert werden, dass sie vermutlich einige Jahre halten.

Für 3,6 Millionen Euro werden Straßen erneuert

Für den Fachbereichsleiter aus Friedrichshain-Kreuzberg, Helmut Schulz-Herrmann, gibt es trotz des milden Wetters der vergangenen Woche viel zu tun: "Wir lassen täglich Schlaglöcher auf der Karl-Marx-Allee reparieren", sagt er. Aber zumindest könne man bei Plusgraden Heißasphalt benutzen, um die Löcher auf den Straßen zu stopfen. Im Gegensatz zu Kaltasphalt halte dieser wesentlich besser. Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Tiefbauamt den Baufirmen längst die Aufträge erteilt.

Marc Schulte (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung, hat für 34.500 Gefahrenstellen auf Straßen und Gehwegen rund 1,2 Millionen Euro in den Haushalt 2013 eingestellt. Nur durch das Sonderprogramm des Senats hat Charlottenburg-Wilmersdorf die Möglichkeit, in diesem Jahr für rund 3,6 Millionen Euro Straßen wie den Spandauer Damm, den Kürfürstendamm oder auch den Hohenzollerndamm instand zu setzen. "Das Sonderprogramm verdoppelt unseren Etat. Es ist eine große Hilfe und dringend notwendig", sagt Schulte.

"Ununterbrochen im Einsatz"

Reinickendorf hat bislang 250.000 Euro für Schlaglöcher ausgegeben. Das Bezirksamt hat einen Betrieb beauftragt. "Er ist mit drei Lastwagen ununterbrochen im Einsatz, um die Schlaglöcher zu füllen. Er arbeitet auch die Hinweise auf Löcher ab, die unsere Straßenbegeher, aber auch Bürger geben", berichtet Stadtrat Martin Lambert (CDU).

Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), ist zwar ebenfalls froh über das Sonderprogramm des Senats, würde es aber auch besser finden, wenn das Geld "verlässlich und über einen längeren Zeitraum" zur Verfügung stünde: "Nur dann könnten wir mit den Nachbarbezirken auch mal strategische Absprachen treffen, welche Straßen wir sanieren. So hetzen wir den zerbröckelnden Straßenschäden hinterher." In Pankow ist die Anzahl der Schäden laut Kirchner zwar bis jetzt nicht höher als in den Vorjahren. Sie seien aber gravierender, also tiefer und größer.

Sperrung der Greifswalder Straße

Aus diesem Grund habe er auch die Greifswalder Straße eine Woche lang sperren müssen. "Seit Freitag rollt der Verkehr aber wieder", so Kirchner. Ganze Asphaltplatten hätten sich Höhe Hufelandstraße gelöst, so dass der Bereich großflächig abgefräst werden musste. Jahrzehntelange Vernachlässigung habe dazu geführt, dass die Substanz der Straßen immer schlechter werde und die Reparatur immer aufwendiger. "In großen Teilen ist die Schnellreparatur technisch und ökonomisch ja unsinnig. Aber sie muss trotzdem gemacht werden", so Kirchner.

Das wird auch in Steglitz-Zehlendorf so gesehen, wo das Tiefbauamt in diesem Winter bislang mehr zu flickende Schlaglöcher als in den Vorjahren vermutet. "Der Bezirk ist flächendeckend betroffen. Besonders schlimm ist es auf der Hildburghauser Straße, der Lorenz-/Mariannenstraße und der Kaiser-Wilhelm-Straße" sagt der Leiter des Tiefbauamtes Martin Müller-Ettler. Nach den Flickmaßnahmen werde im Frühjahr überlegt, welche Straßen saniert werden müssen.

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Fragen und Antworten zu den Schlaglöchern
  • Warum entstehen jetzt so viele

    Die meisten Schäden sind in der vergangenen Frostperiode entstanden. Wasser, das durch Risse in den Asphalt eingesickert ist, ist gefroren, hat sich ausgedehnt und den Bitumen aufplatzen lassen. Augenblicklich ist die Situation dank des Tauwetters etwas besser. Wenn die Temperaturen aber erneut unter den Gefrierpunkt sinken, wird sich die Lage noch einmal verschärfen.

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    Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Bezirken in der Stadt?

    Nach Angaben des ADAC sind die Berliner Straßen flächendeckend betroffen. Die Meldungen der Verkehrsmanagementzentrale bestätigen diese Einschätzung. Verkehrsadern im Osten wie die Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg oder die Leipziger Straße in Mitte sind ebenso schwer beschädigt wie etwa der Spandauer Damm in Charlottenburg oder die Heerstraße in Spandau.

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    Ist es in Berlin besonders schlimm?

    Nein. Auch andere Großstädte wie Hamburg oder Köln kämpfen gegen massive Winterschäden.

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    Wäre es nicht besser, die Straßen einmal gründlich zu sanieren?

    Der ADAC fordert das seit Jahren. Allerdings fehlt dafür schlicht das Geld. 32 Millionen Euro stellt das Land in diesem Jahr für die Straßeninstandhaltung bereit. Hinzu kommen 25 Millionen Euro aus dem Schlaglochsonderprogramm und weitere 12 Millionen Euro, die im Vorjahr wegen der Haushaltssperre nicht ausgegeben werden konnten. Nach Schätzung des ADAC Berlin-Brandenburg wären aber mindestens 500 Millionen Euro, verteilt auf mehrere Jahre, nötig, um den Berliner Flickenteppich dauerhaft zu sanieren. „Wenn weiter nicht genug getan wird, wird der Bedarf schon bald auf 600 Millionen steigen", sagt ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wegen der beschränkten Kapazitäten für Planung, Genehmigung und Umsetzung können die Bezirke rein logistisch nur eine begrenzte Zahl von Sanierungsprojekten realisieren. Maximal 150 Millionen Euro jährlich, so schätzt ADAC-Experte Becker, könnten deshalb in Berlin verbaut werden.

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    Welche Arbeiten sind schon geplant?

    Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sind mit den Bezirken für 2013 schon 145 Sanierungsmaßnahmen abgestimmt. Sobald die Mittel freigegeben sind, können beispielsweise Abschnitte der Berliner Allee und der Greifswalder Straße in Pankow, des Spandauer Damms und der Lietzenburger Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie des Kladower Damms und der Wilhelmstraße in Spandau grundsaniert werden.

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    Warum müssen immer wieder Straßen wegen Schlaglöchern gesperrt oder mit einem Tempolimit belegt werden?

    Die Behörden haben eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht. Gravierende Schäden müssen deshalb schnellstmöglich behoben werden. Ist das kurzfristig nicht möglich – etwa weil die beauftragten Straßenbaufirmen bereits überlastet sind – bleibt als Alternative nur ein Tempolimit. Sind, wie in dieser Woche auf der Greifswalder Straße, die Schäden so groß, dass selbst bei Schleichtempo Gefahr besteht, müssen Fahrspuren oder komplette Straßenabschnitte gesperrt werden. Auf den Berliner Stadtautobahnen müssen größere Schäden nach Angaben der Senatsverwaltung sofort behoben werden. Durch die Reparaturen könne es auch dort zu zeitweiligen Sperrungen kommen.

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    Leiden nur Autofahrer?

    Auch Radfahrer sind betroffen. Viele Berliner Radwege im Gehwegbereich befinden sich nach Angaben des Fahrradclubs ADFC in einem schlechten Zustand. Radfahrer, die deshalb auf die Straße ausweichen, sehen Schlaglöcher zwar in der Regel früher als Autofahrer. Trotzdem kann es gefährlich werden. „Radfahrer müssen dann meist nach links ausweichen“, sagt ADFC-Landesgeschäftsführer Philipp Poll. „Dabei kann es schnell zu brenzligen Situationen mit Autofahrern kommen.“

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