01.02.13

Prozess

Lebenslänglich für Auftragsmord auf der Fischerinsel

Ein Auftragskiller ist vier Jahre nach einem Mord verurteilt worden. Der Mann hatte in Berlin-Mitte einen Immobilienmakler erschossen.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dpa

Auftragsmörder Adam M. wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt
Auftragsmörder Adam M. wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt

Mehr als vier Jahre nach dem Mord an einem Berliner Immobilienmakler hat die Justiz das letzte Kapitel des spektakulären Falles geschlossen. Am Freitag wurde der Auftragsmörder Adam M. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass M. den Makler Friedehelm Sodenkamp im November 2008 auf der Fischerinsel kaltblütig erschossen hat – im Auftrag zweier Konkurrenten des Opfers.

Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Begnadigung des Verurteilten ausgeschlossen. M. selbst, ehemaliger Soldat der polnischen Luftwaffe und ehemaliger Fremdenlegionär, hatte in dem jetzt zu Ende gegangenen Prozess bis zuletzt seine Unschuld beteuert.

Mit dem Urteil endet zumindest vorerst ein Verfahren, dass sich über Jahre hinzog und gleich mehrfach über Berlin hinaus für Aufsehen sorgte. Bereits im Februar 2010 wurden die Auftraggeber von Adam M. ebenfalls zu Lebenslänglich verurteilt. Auch sie hatten zuvor ihre Unschuld beteuert.

Dass dem dritten Beteiligten M. erst nach so langer Zeit der Prozess gemacht werden konnte, liegt daran, dass sich der inzwischen 45-Jährige Pole direkt nach der Tat nach Indien absetzte. Dort wurde er schon im März 2009 festgenommen, aber erst im November 2011 ausgeliefert und nach Berlin überstellt.

"Der Abriss ist erledigt"

Der Fall hatte alle Elemente. Sodenkamp musste nach Überzeugung der Richter sterben, weil er unlautere Geschäfte eines Reinickendorfer Bauunternehmens im Rahmen eines Millionenauftrags aufgedeckt hatte. Firmenchef Benjamin L. und sein Bauleiter Vito L. beschlossen daraufhin, den lästigen Zeugen zu beseitigen und beauftragten damit Adam M. 10.000 Euro soll der Pole für den Auftragsmord bekommen haben. Ein erster Mordversuch schlug fehl, ein Schuss aus einer Armbrust verfehlte sein Ziel.

Am 3. November 2008 war es dann soweit. Am Abend ging der Makler mit seinem Hund an der Spree spazieren, als der Killer lautlos von hinten an ihn herantrat und drei Schüsse abgab, einen davon in den Kopf. Das damals 59 Jahre alte Opfer war sofort tot. M. rief seine Auftraggeber an und teilte ihnen lapidar mit: "Der Abriss ist erledigt."

Die Auftraggeber beteuerte in ihrem Prozess, M. habe das Opfer "nur mal kräftig verhauen" sollen, ein andermal war die Rede davon, den 59-Jährigen "ins Koma zu prügeln", von Mord sei nie die Rede gewesen. Adam M. beteuerte seinerseits, er habe Sodenkamp "niemals auch nur ein Leid angetan".

Glauben schenkten allen Dreien niemand. "Sie wollten töten", sagte der Vorsitzende der 29. Großen Strafkammer während der Urteilsbegründung am Freitag an die Adresse von Adam M. Darüber hinaus attestierte er dem 45-Jährigen Heimtücke und Habgier.

Aller Voraussicht nach wird der Verteidiger von Adam M. in Revision gehen. Doch völlig unabhängig davon, wie der Bundesgerichtshof in der Sache entscheiden wird, eine Hoffnung für Adam M., mit einer etwas kürzeren Haftzeit davon zu kommen, gibt es noch.

Seine Haft in Indien vor seiner Auslieferung wird angerechnet. Und zwei Jahre in Indien werden nach Angaben aus der Justiz wie sieben Jahre Haft in Berlin gewertet.

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