01.02.13

Kurfürstendamm

Gehweg vor dem Berliner Haus Cumberland bleibt beheizt

Die Lösung ist komfortabel. Eine Bodenheizung sorgt am Kurfürstendamm für trockene Füße im Winter. Das Konzept ist jedoch umstritten.

Von Brigitte Schmiemann
Foto: Glanze

Ökologischer Streitpunkt: Die Gehwegplatten vor dem Haus Cumberland werden im Winter beheizt
Ökologischer Streitpunkt: Die Gehwegplatten vor dem Haus Cumberland werden im Winter beheizt

Die Rampe zur Tiefgarage des Berliner Kanzleramtes hat sie, der Helikopter-Landeplatz auf dem Gelände des Virchow-Klinikums in Wedding auch, und jetzt hat es auch das denkmalgeschützte Haus Cumberland: eine elektrische Bodenheizung. Sie sorgt dafür, dass bei Schnee und Eisregen der Gehweg vor dem erst kürzlich aufwendig sanierten Altbau frei bleibt, ohne dass jemand Schnee schippen oder das Gefrorene mit dem Eispickel entfernen muss.

Eine komfortable Lösung für die Winterzeit. Das dachten zumindest die Eigentümer, als sie die Auftauanlage einbauen ließen. Die Heizschlangen haben die Bauarbeiter zum Abschluss der Sanierung in den Bürgersteig verlegt. Nicht nur vor dem Haus Cumberland, sondern auch gleich vor dem Nachbargebäude bis zur Ecke Schlüterstraße.

Doch die Investoren machten die Rechnung ohne die Grünen. Die schrieben den Eigentümern von Haus Cumberland vergangene Woche einen Brief mit der Aufforderung, die elektrische Bodenheizung abzuschalten. Aus ökologischen Gründen. Wichtigster Streitpunkt ist der Verbrauch. Die Grünen kritisieren den Energieverbrauch als zu hoch. Er belaste die Umwelt. Die Gehwegheizung sei "ein Klimakiller erster Güte", heißt es im dem Schreiben der Berliner Grünen-Vorsitzenden Bettina Jarasch.

Cumberland-Eigentümer verweisen auf positive Öko-Bilanz

Die Eigentümer und Entwickler des Hauses Cumberland hingegen finden, dass die Abtauanlage "nicht nur eine ökonomisch sinnvolle, sondern dank ihrer extrem kurzen Einsatzzeiten auch eine ökologisch absolut vertretbare Lösung ist", um den Gehweg eisfrei zu halten. Sie betonen in ihrem Antwortschreiben zudem die energieeffiziente Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes, die zur Wiederbelebung des Kurfürstendamms beitrage.

Jedes große Fußballstadion habe eine Rasenheizung, jede Tiefgaragenausfahrt werde beheizt und Städte wie Göteborg oder Stockholm beheizten sogar die Gehwege ganzer Straßenzüge, schrieben sie am Donnerstag in einem offenen Brief an die Landesvorsitzende Bettina Jarasch zurück.

In die Öko-Bilanz müsse einfließen, dass Fahrzeuge der Schneeräum-Dienste bei ihrer Anfahrt und bei der Arbeit auch Energie benötigten, die Luft mit Abgasen belasteten und häufig auch das Pflaster zerstörten. Durch den sauberen Gehweg müssten die Gewerbetreibenden im Cumberland ihre Teppiche und Böden im Winter selten reinigen, was Kosten und Energie spare.

"Schneeschippen per Hand ist ökologischer"

Es handele sich zudem um keine Bodenheizung, sondern um eine Auftauanlage. Sie laufe nur bei starkem Schneefall, damit der Gehweg vollständig abtaue und trockne. "Aus dieser Funktionsweise resultieren Laufzeiten von wenigen Stunden ausschließlich an Tagen mit starkem Schneefall oder Eisregen und bei Temperaturen unter drei Grad", heißt es in dem Schreiben weiter. Zusammengerechnet werde die Anlage also jedes Jahr im Schnitt rund 126 Stunden im Einsatz sein. Den Energieverbrauch bezifferten die Investoren mit 1280 Kilowattstunden bei Energiekosten von gut 250 Euro.

Marc Schulte (SPD), der als Stadtrat für Stadtentwicklung für das Cumberland-Haus und den Gehweg zuständig ist, wünscht sich dennoch keine weiteren Gehwege mit Abtauanlagen in Charlottenburg-Wilmersdorf. "Ich hoffe, dass das Beispiel nicht Schule macht. Schneeschippen per Hand ist ökologischer." Er habe geprüft, ob es Möglichkeiten gibt, eine Fußbodenheizung auf Gehwegen zu verbieten. "Das sieht die Bauordnung aber leider nicht vor", sagt Schulte.

Repräsentativer Gehweg direkt vor dem Haus

Die Behörde habe auch deshalb nichts machen könne, weil es sich um Privatgelände handelt. Nur der schmalere Gehweg-Streifen am Kurfürstendamm gehört der öffentlichen Hand. Der repräsentative Gehweg, den die Steinmetze im Auftrag der Hauseigentümer mit hochwertigen Grauwacke-Naturstein-Platten erst im Sommer vergangenen Jahres belegt haben, befindet sich direkt vor dem Haus.

Deshalb habe das Tiefbauamt nur geprüft, was mit dem Tauwasser passiert, wenn das Eis geschmolzen wird. "Damit es nicht auf öffentliches Straßenland läuft und dort für Vereisungen sorgt, ist eine Rinne vorgeschrieben", sagt Schulte auf Anfrage. Die sei auch gebaut worden.

Bessere Lösungen in Zeiten des Klimawandels

Das Haus Cumberland mit seinen edlen Geschäften stand viele Jahre leer, bevor sich Thomas Bscher, Detlef Maruhn und Dirk Germandi entschieden, das denkmalgeschützte Ensemble umfangreich zu sanieren. Der Komplex, der über drei Innenhöfe bis zur Lietzenburger Straße reicht, umfasst inzwischen 166 Eigentumswohnungen sowie 17 Penthäuser. Die ersten 30 Cumberland-Wohnungn wurden den neuen Besitzern übergeben, die restlichen sollen im Sommer folgen.

Die Grünen bleiben auch nach dem Brief der Hauseigentümer bei ihrer Kritik: "Ich begrüße es, dass die Investoren sich um einen sauberen, gut geräumten Gehweg vor ihrer Immobilie bemühen – wie es nach dem Winterdienstgesetz auch ihre Pflicht ist. In Zeiten des Klimawandels muss eine solche Lösung aber klimaverträglich sein, und dafür gibt es bessere Lösungen als eine automatische Auftauanlage", sagte Bettina Jarasch.

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