31.01.13

Fertigungsfehler

Bahn zieht neue Talent-Züge wieder aus dem Verkehr

Die Deutsche Bahn muss ihre neu in Dienst gestellten Triebwagen gleich wieder in die Werkstatt schicken. Zugführer beklagten "kalte Füße".

Von Thomas Fülling
Foto: pa/ZB/Bernd Settnik

Nahverkehrszüge vom Typ „Talent 2“ auf den Gleisen vor Hennigsdorf. Die Bahn schickt ihre Talent-Triebwagen schon nach wenigen Tagen zurück an den Hersteller
Nahverkehrszüge vom Typ "Talent 2" auf den Gleisen vor Hennigsdorf. Die Bahn schickt ihre Talent-Triebwagen schon nach wenigen Tagen zurück an den Hersteller

Der erste Zug vom Typ Talent 2 soll nach Bahn-Angaben noch in dieser Woche an den Fahrzeughersteller Bombardier Transportation zur Mängelbeseitigung zurückgeschickt werden. In dessen Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) werden die Züge, die von Bahnfans wegen ihrer markanten Frontpartie auch den Spitznamen "Hamsterbacke" verpasst bekamen, einer sogenannten Rollkur unterzogen.

Die Reparaturen können je nach Umfang der Arbeiten bis zu einer Woche pro Fahrzeug dauern, so der Bahn-Sprecher. In dieser Zeit stehen die Züge für den regulären Fahrplanbetrieb nicht zur Verfügung. Um die Auswirkungen möglichst gering zu halten, will die Bahn nur jeweils einen ihrer 32 derzeit im Einsatz befindlichen Talent-2-Züge aus dem Verkehr ziehen.

Fahrgäste sollen keine Einschränkungen spüren

"Unser Ziel ist, dass die Fahrgäste keine Einschränkungen zu spüren bekommen", so Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Die neuen Talent-Züge fahren unter anderem auf der Regionalexpress-Linie 7, die Berlin etwa mit Dessau in Sachsen-Anhalt und dem Flughafen Schönefeld verbindet. Bedient werden mit ihnen auch die RB-Linien 21 (Wustermark–Potsdam) und RB 22 (Flughafen Schönefeld–Potsdam–Berlin).

Vor allem die Triebfahrzeugführer beklagen sich über den neuen Zugtyp. Sie bemängeln schon seit Wochen Zugluft und kalte Füße in ihrem Führerstand. Auch die Sitze sollen sich nicht gut in eine bequeme Position verstellen lassen. Die Probleme sind so gravierend, dass Bahn-Mitarbeiter bereits den Gesamtbetriebsrat angerufen haben. Zeitweilig sei die Ausgabe von Decken erwogen worden, damit die Lokführer bei der Arbeit nicht frieren müssen, hieß es.

Undichte Türen und verminderte Heizleistung

Als Ursachen für die Probleme haben Bahn-Techniker undichte Türen und eine nicht ausreichend funktionierende Heizung im Führerstand ermittelt. Doch auch Reisende sollen sich bereits über schlecht geheizte Fahrgasträume beschwert haben. Für die Bahn ist klar: Die Mängel sind die Folge von Fertigungsfehlern und unterliegen daher der Gewährleistung durch den Hersteller.

Die Firma Bombardier Transportation, die nach eigenen Angaben einen Anteil von 40 Prozent am deutschen Schienenfahrzeugmarkt hält, wollte die geschilderten Probleme für ihre Talent-2-Serie so nicht bestätigen.

Seitens des Bedienpersonals seien einzelne Bereich benannt worden, "die im Vergleich mit vorhandenen Baumustern der DB einen subjektiv anderen Eindruck hinterlassen haben", sagte ein Unternehmenssprecher. Für "objektiv begründete Fälle" sei mit der Deutschen Bahn ein Maßnahmeplan vereinbart worden, sagte er weiter. Bei noch auszuliefernden Zügen sollen die Änderungen "in die Produktion integriert" werden.

Züge sind oft nicht winterfest

Die Probleme mit der Heizung der Talent-2-Züge ist eine weitere Panne, unter der die Fahrgäste seit Jahren leiden. Besonders betroffen waren und sind die Nutzer der Berliner S-Bahn, deren Züge sich schon oft als nicht winterfest erwiesen. Obwohl von der S-Bahn bereits dreistellige Millionenbeträge investiert wurde kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu technischen Störungen.

Besonders betroffen sind die älteren Baureihen 480 und 485, die vor 30 Jahren gebaut wurden. Doch auch bei neuen Zügen gibt es immer wieder Probleme. So verzögerte sich die Auslieferung der Talent-2-Züge, die die Bahn eigentlich schon 2011 in Berlin und Brandenburg einsetzen wollte, um fast zwei Jahre, weil die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) fehlte.

Bemängelt wurde von der Aufsichtsbehörde vor allem die Computersteuerung von Motoren, Bremsen und weiteren Komponenten. Wegen eines Programmfehlers bremsten die Züge zu spät. Auch wenn die Betriebserlaubnis nach verschiedenen Nachbesserungen nun vorliegt, verzögerte sich die Auslieferung der neuen Züge erheblich. Von den bestellten 48 drei- und fünfteiligen Triebwagen hat DB Regio für den Einsatz in Berlin und Brandenburg bisher erst 32 Züge erhalten.

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