29.01.13

Brand in Brasilien

Feuer und Fluchtweg - wie sicher Berliner Diskotheken sind

In einer brasilianischen Diskothek starben 230 Menschen. Ist so eine Feuer-Katastrophe in Berlin ausgeschlossen? Die Auflagen sind strenger.

Von Florentine Anders und Caroline Mohr
Foto: dapd

Feuerwehrleute bekämpfen das Feuer in der Discothek „Kiss Club“ in Santa Maria in Brasilien. Hunderte Menschen wurden verletzt, 230 Gäste überlebten den Brand nicht
Feuerwehrleute bekämpfen das Feuer in der Diskothek "Kiss Club" in Santa Maria in Brasilien. Hunderte Menschen wurden verletzt, 230 Gäste überlebten den Brand nicht

Nach dem verheerenden Brand in einer Diskothek in Brasilien mit mehr als 230 Toten wird auch in Berlin diskutiert, wie sicher Clubs und Diskotheken in der Hauptstadt sind. In Berlin seien die Brandschutzauflagen wesentlich strenger und auch besser überwacht als in Brasilien, sagt Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr.

Schwerwiegende Vorfälle habe es seit dem Bombenanschlag auf die Diskothek "La Belle" 1986 nicht mehr gegeben. Viele Diskotheken hätten bereits Sprinkleranlagen. "Aber natürlich gibt es auch immer mal Verstöße, beispielsweise verschlossene Notausgänge", sagt Wilke. Besucher, die solche Verstößen melden wollen, sollten sich an die Bauaufsichtsämter der Bezirke wenden.

"Wir kontrollieren die Brandschutzauflagen in Clubs und Diskotheken in regelmäßigen Abständen – mindestens alle fünf Jahre", sagt Marc Schulte (SPD), zuständiger Stadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Sollte dem Ordnungsamt bei Kontrollen Unregelmäßigkeiten auffallen, würden die Mitarbeiter der Bauaufsicht sofort tätig.

"Beim Brandschutz gibt es keinen Ermessensspielraum"

Bauliche Veränderungen seien kaum nötig, aber es gebe schon einmal zugestellte Fluchtwege oder verschlossene Notausgänge. "Es darf nicht sein, dass Gastwirte die Notausgänge abschließen, damit keine Besucher ohne Eintritt in die Disco gelangen", sagt Schulte. Solche Verstöße sollten unbedingt gemeldet werden.

"Beim Brandschutz gibt es keinen Ermessensspielraum", sagt auch Franz Schulz (Grüne), Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg. Bei den regelmäßigen Kontrollen werde auch auf brennbares Material in den Räumen geachtet – wie etwa Vorhänge, Möbel und Dekorationen. Dieses Material dürfe ein vorgeschriebenes Maß nicht überschreiten. In einem Fall hätte ein Club aus diesem Grund geschlossen werden müssen. Um welchen es sich handelte, wollte Schulz nicht sagen.

Brandgefährliche Dekoration

Hartmund Preis ist Prüfingenieur für Brandschutz in Berlin. Er hat die Clubbetreiber der Hauptstadt als einsichtig und bemüht erlebt: "Alles andere wäre ja auch Selbstmord", so Preis. Die größte Brandgefahr sieht er bei der Materialauswahl für Dekorationselemente, Vorhänge oder Bühnenumrandungen. "Wenn hier ein Brand entsteht, breiten sich die Flammen vertikal und unheimlich schnell aus", sagt Preis.

Deshalb sei es vollkommen richtig, dass man für alle Einrichtungen ein Zertifikat braucht, das den Gegenständen eine schwere Entflammbarkeit bescheinigt. Insgesamt hat Hartmund Preis in der Berliner Clubszene keine schlechten Erfahrungen in Sachen Brandschutz gemacht. "Die sind alle vom Prinzip her auf einem guten Weg", so Preis. Richtige Ausreißer habe er bei seinen Kontrollen jedenfalls noch nicht erlebt.

Der Geschäftsführer der Großraumdiskothek "Q-Dorf", Torsten Wiesske, erzählt, dass es in 37 Jahren Clubgeschichte nur einen Zwischenfall gab. Ein verstaubtes Rohr war durchgebrannt, und das Q-Dorf musste geräumt werden. Acht Notausgänge gibt es, und innerhalb von wenigen Minuten sei das Lokal leer gewesen.

"Plötzlich ist die Katastrophe plötzlich da"

"Hier findet etwa alle zwei Jahre eine Brandbegehung statt, da wird alles kontrolliert." Auf Pyrotechnik wird im Q-Dorf ganz verzichtet. "Man kann doch gar nicht vorsichtig genug sein", sagt Wiesske. "Ein Brand passiert vielleicht so, wie du es dir gar nicht ausmalen kannst. Und dann ist die Katastrophe plötzlich da."

Unterdessen hat die brasilianische Polizei drei Verdächtige vorläufig festgenommen. Nach einem vierten Verdächtigen fahndeten die Ermittler noch. Wie örtliche Medien am Montag berichteten, nahm die Polizei einen Mitbesitzer des Nachtclubs sowie zwei Mitglieder der Band, deren Feuerwerkskörper bei ihrer Bühnenshow offenbar den Brand ausgelöst hatte, in Gewahrsam. Die Polizei bestätigte die Festnahmen, nannte aber keine Namen.

Das Feuer war in der Nacht zum Sonntag in einem Tanzlokal in der südbrasilianischen Stadt Santa Maria ausgebrochen. Eine Band hatte bei ihrem Auftritt eine Art Leuchtfackel gezündet, wodurch offenbar die Decke Feuer fing.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und sicherte den Angehörigen ihre Unterstützung zu. Die für Montag geplante Feier des 500-Tage-Countdowns bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft wurde abgesagt.

Quelle: mit dpad

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