29.01.13

Berliner Szene

Projekt "Holzmarkt" fehlen noch 2,5 Millionen Euro

Eine der letzten Spreebrachen soll zu einem urbanen Dorf werden. Dafür haben die Kater-Holzig-Betreiber eine Genossenschaft gegründet.

Von Sören Kittel
Foto: KaterHolzig GmbH

Kater Holzig: Eine der letzten Spreebrachen Berlins soll zu einem urbanen Dorf mit öffentlichem Uferpark werden
Kater Holzig: Eine der letzten Spreebrachen Berlins soll zu einem urbanen Dorf mit öffentlichem Uferpark werden

Am Sonnabend, eine Minute vor 6 Uhr abends, bekamen viele Berliner und solche, die es gerne noch wären, eine E-Mail vom Spreeufer. Wer sie öffnet, sieht Sätze in Großbuchstaben, in English, in Farbe und all das wirkt zusammen wie Sprachkonfetti, das sich auf dem Computerbildschirm ausstreut. Es gibt Blumenmuster, eine Märchenfigur und unterschrieben ist der Brief mit Steffi-Lotta.

Sie hat schöne Wörter versteckt in den Zeilen, wie "Wahnsinns-Ding" oder "das geilste Konzept" oder das Indianerehrenwort: "Schwöre Möre". Steffi-Lotta hatte offenbar gute Laune beim Aufsetzen der E-Mail. Dabei ist ihr Inhalt in einem einzigen Satz versteckt, den sie auf drei Zeilen verteilt hat, fast wie ein Gedicht: "Was wir wieder / mal brauchen / ist Geld!"

Steffi-Lotta und ihre Kollegen vom "Kater Holzig" setzt damit auf die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, um den Traum des Teams wahr werden zu lassen: Im Mai 2013 soll Spatenstich für den Holzmarkt sein, ein Projekt an der Spree, mit Theater, Hotel, Künstlerwohnungen, einem Park und natürlich einem Club. Denn dafür ist das Gelände sieben Jahre lang bekannt gewesen.

An diesem Ufer gab es die "Bar 25", einen Club, dem nachgesagt, wurde dass auch seinetwegen Berlin international als Reiseziel ganz oben bei vielen auf der Liste landete. Wer die Zahl 25 noch heute manchmal an den Wänden oder auf einem Kissen gestickt findet, erinnert sich an große Schaukeln, an die sogenannte Wodka-Rutsche oder an tätowierte Bockwürste. Es war eine legendäre Sommerbar, die im Film "Tage außerhalb Zeit" auch im vergangenen Jahr fürs Kino noch einmal auferstehen durfte.

Die Betreiber mussten 2011 schließen und sind noch in dem Jahr auf die gegenüberliegende Seite gezogen: in den "Kater Holzig". Doch dort müssen sie gemäß dem Mietvertrag im September 2013 wieder ausziehen. Denn wenn alles klappt soll zu dem Zeitpunkt schon im "Holzmarkt" gefeiert werden. "Wir wollen noch in diesem Sommer Leben auf das Gelände bringen", sagt Simon Wöhr vom Holzmarkt.

Doch um mit dem Bauprojekt beginnen zu können, brauchen die Betreiber rund 4 Millionen Euro Eigenkapital, damit die Bank den "Löwenanteil locker macht". Rund 1,5 Millionen Euro davon haben sie schon, bleiben noch 2,5 Millionen – eine Zahl die dieses Mal wirklich nur zufällig der "25" ähnlich sieht, aber für die Bar-Betreiber auch ein gutes Omen ist: "Yeahhhh, alles wird gut".

"Nicht zum Scheitern verurteil"

All das lockere Reden vom "kohletechnisch eng" sein, hat einen ernsten Hintergrund, der in etwas weniger freier Rede auf der Internetseite der "Genossenschaft für urbane Kreativität" zusammengefasst ist (www.gukeg.de). Dort wird vor einem konfetti-bunten Hintergund mehr über die Hintergründe erklärt, um genügend Genossenschaftsmitglieder zusammen zu bekommen, um das Projekt in Friedrichshain wahr werden zu lassen.

Jedes Mitglied zahlt (die erwartbar mit "25" beginnende Summe von) 25.000 Euro ein, und die aber keine Spende sind, sondern auch zu einer Rendite berechtigen. "Anders als von Medien behauptet", sagt Simon Wöhr, "ist das Projekt auch ohne das Erreichen der 4 Millionen nicht zum Scheitern verurteil." Aber wenn die Summe nicht bis Ende April dieses Jahres zusammengekommen sei, müsse man kürzer treten und zunächst "eine abgespeckte Version" des Traums realisieren.

Bisher konnten nach Angaben der Betreiber rund 40 Mitglieder gewonnen werden, rund einhundert Mitgliederanteile müssen also noch angeworben werden. Seit Samstag sollen schon einige hinzukommen sein, wie viele, sag Simon Wöhr nicht. Aber wenn es funktioniert, könnten sie tatsächlich das erste Millionenprojekt sein, dass nicht nur innerhalb kürzester Zeit eine große Summe einwirbt, sondern auch mit der wohl ungewöhnlichsten Sprache. Welcher Investor wurde bisher schon mit dem Satz "Rückt die Kohle raus!" zu einer Genossenschaftsmitgliedschaft bewegt – nur um "der Welt zu zeigen, dass man Dinge verändern kann" und einen "Mörwert" erziehlen kann?

Der "Mörwert" bezieht sich auf die Gartenanlage, die es ebenfalls im Holzmarkt geben soll, den "Mörchenpark". Als Symbol ist dafür ein Einhorn mit einer Möhre statt einem Horn auf dem Kopf vorgesehen. Die Adresse der ganzen Anlage wird (erwartbar) "Holzmarktstraße 25" sein. Im Club Kater Holzig gegenüber wird es dafür in den kommenden Wochen ruhiger zugehen. Nur an den Wochenenden wird gefeiert, das Restaurant ist bis März geschlossen.

Simon Wöhr vom Holzmarkt ist sehr optimistisch, dass sie in den kommenden drei Monaten genügend Geld zusammen bekommen. "Es ist schließlich eine Geldanlage, die zudem ein gutes Projekt unterstützt." Und Steffi-Lotta drückt in ihrer E-Mail ihren Optimismus in ihrer gewohnt lockeren Art aus: "Die Stadt Berlin wird sich noch grünrotschwarz ärgern, während wir bunt der Sonne entgegen feiern/leben/arbeiten." Wahrscheinlich in der genau der Reihenfolge.

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