28.01.13

Wohnungsmarkt

Streit um Abriss eines Hauses mit kleinen Wohnungen

Die Wohnungsbaugesellschaft plant einen Neubau. Pankower Bezirksverordnete versuchen den Abriss des DDR-Baus zu verhindern.

Von Sabine Flatau
Foto: privat

Die Bausubstanz des Hauses am Schlosspark ist schlecht. Eine Modernisierung wäre voraussichtliche genauso teuer wie ein Neubau
Die Bausubstanz des Hauses am Schlosspark ist schlecht. Eine Modernisierung wäre voraussichtliche genauso teuer wie ein Neubau

Kleine, bezahlbare Wohnungen werden in Pankow zur Mangelware. Allein am Helmholtzplatz und Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg sind in den vergangenen Jahren rund 1000 dieser kleinen Quartiere verschwunden. Sie wurden zu größeren Wohnungen zusammengelegt oder abgerissen. Eine Ausnahme, dazu in sehr guter Lage, gibt es noch. Ein Bau aus DDR-Zeit in Pankow, um 1960 errichtet, mit 64 Einzimmer-Wohnungen. Die Adresse: Am Schlosspark 30–32. Auch diesem Haus droht der Abriss. Der Viergeschosser gehört der Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau (Gesobau). Sie will auf dem Grundstück größere Wohnungen bauen. Die Mieter sind bereits ausgezogen.

Senat setzt sich für preiswerte Wohnungen ein

Doch die Pankower Bezirksverordneten versuchen, diesen Abriss zu verhindern. Die BVV hat im Dezember beschlossen, dass nach Alternativen gesucht werden soll. Ein Ideenwettbewerb könnte Vorschläge erbringen, wie das Haus kostengünstig zu sanieren wäre und so preiswerte Wohnungen erhalten blieben.

Darüber soll das Bezirksamt Pankow mit der Geschäftsführung der Gesobau sprechen. Und mit dem Senat, denn die Gesobau ist ein landeseigenes Unternehmen. Und der Senat engagiere sich dafür, dass die kommunalen Wohnungsgesellschaften bezahlbaren Wohnraum bereitstellten, sagte der Pankower Bezirksverordnete, Michail Nelken (Linke), zur Begründung.

Schlechte Bausubstanz

Die Wohnungen im Haus Am Schlosspark 30–32 sind zwischen 23 und 27 Quadratmeter groß. Sie münden in jeder Etage auf einen langen Flur. Einen Fahrstuhl gibt es nicht. Die Bausubstanz des Gebäudes sei schlecht, die Grundrisse und Ausstattungen seien nicht zeitgemäß, sagte eine Sprecherin der Gesobau auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Eine Modernisierung des Altbaus wäre fast so teuer wie die Kosten für einen Neubau. Man wolle nach dem Abriss 27 kleine bis mittlere Wohnungen errichten. Dieser Aufwand sei wirtschaftlich vertretbar. Die künftigen Nettokalt-Mieten würden sichtlich zwischen acht und 13 Euro liegen.

Doch der Bezirksverordnete Nelken verweist darauf, dass ein Haus der gleichen Bauart in Pankow, in der Nähe gelegen, von einem privaten Eigentümer saniert worden ist. Nelken meint, die Einzimmer-Wohnungen könnten sich für junge Leute, besonders für Studenten gut eignen. Das findet auch die Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee. Der Sanierungsbedarf sei zu prüfen. "Wenn man uns fragt, würden wir gern eine Studie dazu machen", sagte Vorstandsmitglied Jens-Uwe Köhler. Außerdem interessiert sich das Studentenwerk Berlin in Charlottenburg für das Gebäude. "Wir würden auch Vorschläge zur Sanierung machen", sagte Sprecher Jürgen Morgenstern.

Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), sagte allerdings, die Gesobau habe schon den Bauantrag für den Neubau eingereicht. "Es ist nicht damit zu rechnen, dass es ein fundamentales Umdenken im Sinne des BVV-Antrags gibt."

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