27.01.13

Diebstahl

Video-Kameras auf Friedhöfen sollen Urnen-Diebe stoppen

Berlins Datenschutz-Beauftragter Dix prüft, ob die Überwachung zulässig ist. In anderen Bundesländern ist sie bereits eingeführt worden.

Von Vera Weise
Foto: Glanze

Auch der Friedhof in der Gerichtstraße in Wedding könnte bald videoüberwacht werden. Kritiker sehen darin jedoch einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte
Auch der Friedhof in der Gerichtstraße in Wedding könnte bald videoüberwacht werden. Kritiker sehen darin jedoch einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

Eine sensible Frage beschäftigt den Berliner Beauftragten für Datenschutz, Alexander Dix: Dürfen Friedhöfe als Ort der Andacht von Videokameras überwacht werden? "Wir prüfen derzeit, ob Kameras auf Friedhöfen zulässig sind", sagt Dix' stellvertretende Sprecherin Maike Kamp. Grund sei die geplante Videoüberwachung auf dem Urnenfriedhof an der Gerichtstraße in Wedding, so Kamp.

Mit den Kameras will sich der Berliner Friedhof künftig vor Dieben schützen. "Im vergangenen Jahr sind zwei Urnen gestohlen worden", sagt der Verwalter des Friedhofs, Wolfgang Leder. Die wertvollen Gefäße hatten in dem für alle Besucher zugänglichen Kolumbarium der Gedenkstätte gestanden. Leder vermutet Metalldiebe hinter der Tat: "Unsere 400 Stein- und Metallurnen sind zwischen 300 und 1200 Euro wert." Die Diebe hätten es auf die Urnen abgesehen, weil diese sich einfach zu Geld machen ließen. Um dem einen Riegel vorzuschieben, habe der Friedhof eine 11.000 Euro teure Überwachungstechnik in Auftrag gegeben, sagt Leder.

Überwachung im Interesse der Hinterbliebenen

Bevor die Geräte vollständig installiert werden, will der Friedhof jedoch erst noch die Genehmigung abwarten. Wolfgang Leder ist aber fest davon überzeugt, dass der Datenschutzbeauftragte dem Friedhof die Erlaubnis erteilen wird. Bedenken wegen einer etwaigen Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Besucher des Friedhofs hat er nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Angehörigen der Verstorbenen durch die Geräte gestört fühlen." Schließlich würden die Kameras nur an den Eingängen des Kolumbariums angebracht werden. "Wir wollen nur sehen, ob jemand ohne Urne reingeht und mit Urne wieder rauskommt", so Leder.

Auch der zuständige Baustadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU), findet die Pläne unbedenklich. Zwar sei es unerfreulich, dass der Bezirk überhaupt solche Maßnahmen ergreifen müsse. Die Überwachung sei jedoch im Interesse der Hinterbliebenen, sagt er. Auch bei den Mitarbeitern des Friedhofs hofft er auf Verständnis. "Wir wollen nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht", sagt Spallek. Es gehe nicht um eine Überwachung am Arbeitsplatz. Gegen das pietätlose Verhalten der Diebe müsse vorgegangen werden, sagt Spallek. Diese hätten die Urneneinsätze mit den sterblichen Überresten einfach auf die Straße geworfen. Dort seien sie dann später von Mitarbeitern des Friedhofs wiedergefunden worden.

Recht auf Totenruhe

Nicht ganz so positiv beurteilt Ethik- Professor Michael Bongardt von der Freien Universität Berlin die geplante Kamerainstallation. "Ein Friedhofsbesuch ist etwas sehr persönliches. Deshalb stellt eine Videokamera in diesem Bereich einen gewissen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar", sagt Bongardt. Letztlich gehe das Recht auf Totenruhe aber vor. Deshalb seien die Kameras vom ethischen Standpunkt aus gesehen durchaus vertretbar. Pfarrer Martin Germer von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche sieht das ähnlich.

Das Thema Videoüberwachung auf Friedhöfen sei nicht ganz unproblematisch, meint er. Doch auch in der Gedächtniskirche wisse man sich nicht anders vor Kriminellen zu schützen. "Mit Hilfe unserer Kameras haben wir entdeckt, wie sich jemand an unseren Opferstöcken zu schaffen machte." Natürlich bemühe man sich um Diskretion. "Niemand wird hier in Großaufnahme gefilmt", sagt Germer.

Entscheidung in wenigen Wochen

Helga H. kommt einmal pro Woche auf den Friedhof an der Gerichtstraße, um das Grab ihres Mannes zu pflegen. Sie hat nichts gegen die geplanten Kameras einzuwenden. Der Urnenraub schockiert die 85-jährige Rentnerin. "Diesen Leuten muss unbedingt das Handwerk gelegt werden", sagt sie. Besucherin Christel Bielefeld findet die Pläne ebenfalls gut. Von einer Videokamera würde sie sich nicht gestört fühlen, sagt die 72-Jährige. Schließlich habe sie nichts zu verbergen.

In anderen Bundesländern ist die Videoüberwachung auf Friedhöfen bereits eingeführt worden. Auf dem Friedhof Rellinghausen in Essen wurde zum Beispiel im Sommer 2011 eine Überwachungsanlage installiert. In Berlin wäre die Überwachung eines Friedhofs aber etwas Neues, sagt Bezirksstadtrat Spallek. Zwar gebe es Ausnahmen, wie die jüdischen Friedhöfe. "Sonst sind mir aber keine Friedhöfe bekannt, die Kameras aufgestellt haben", so Spallek. Mit einer Entscheidung des Datenschutzbeauftragten rechnet die Friedhofsverwaltung in wenigen Wochen.

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