27.01.13

Wachstum

In Berlin entstehen 35.000 neue Arbeitsplätze

Vor allem die junge Gründerszene sorgt für Aufschwung. Viele Unternehmen beklagen jedoch einen massiven Fachkräftemangel.

Von Hans Evert
Foto: picture alliance / dpa

1,218 Millionen Menschen in Berlin haben eine reguläre Beschäftigung
1,218 Millionen Menschen in Berlin haben eine reguläre Beschäftigung

Der Aufschwung der Berliner Gründerszene hinterlässt Spuren in den offiziellen Wirtschaftszahlen der Hauptstadt. So war das Stellenwachstum im Bereich "Information und Kommunikation" im vergangenen Jahr stärker als in allen anderen Berliner Branchen. Für das Jahr 2012 ergibt sich nach vorläufigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Plus von 8,9 Prozent bei den sozialversicherungspflichtigen Stellen. Zum Vergleich: Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg lag das Stellenwachstum in Berlin vergangenes Jahr bei drei Prozent – was rund 35.000 neuen Stellen entspricht.

Insgesamt haben in Berlin 1,218 Millionen Menschen eine reguläre Beschäftigung, sprich eine Stelle, für die Sozialabgaben in voller Höhe abgeführt werden. Davon sind 66.200 Menschen in der Informations- und Kommunikationsbranche beschäftigt – rund 5400 mehr als ein Jahr zuvor. Die aktuellsten BA-Zahlen beziehen sich auf den Oktober 2012 und sind bisher nicht veröffentlicht. Demnach arbeiten 5,4 Prozent aller Berliner Angestellten – das ist etwa jeder 20. Beschäftigte – in der Branche. Tendenz steigend. Nicht berücksichtigt sind dabei Selbstständige und Minijobber. "Diese Zahlen spiegeln auch die Dynamik der Berliner Gründerszene", sagt Olaf Möller von der Berliner Regionaldirektion der BA.

Im Internet entstehen neue Geschäftsmodelle

Schon in der Jahresbilanz 2011 ließ sich ähnliches feststellen. Seinerzeit war der Stellenzuwachs in der IT-Branche mit einem Jahresplus von 8,5 Prozent ebenfalls der höchste aller Wirtschaftsbereiche der Hauptstadt. In absoluten Zahlen gemessen sind seit 2008 rund 12.000 Stellen in der Branche dazugekommen.

Innerhalb kurzer Zeit hat sich in Berlin eine rege Szene vornehmlich junger Unternehmensgründer etabliert, die im Internet neue Geschäftsideen umsetzen. Eine Umfrage im Auftrag des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) hatte unlängst schon die Beschäftigungswirkung der Gründerszene angedeutet. Danach planen 85 Prozent der befragten Unternehmen Neueinstellungen.

Die Beschäftigten von Internetfirmen wie Zalando, MyToys oder Soundcloud werden sämtlich zum Bereich "Information und Kommunikation" gezählt. Außerdem gehören dazu auch Beschäftigte längst etablierter Firmen wie beispielsweise der Deutschen Telekom. Insgesamt deuten die BA-Zahlen darauf hin, dass die Start-ups einen überaus positiven Beitrag zum Berliner Arbeitsmarkt leisten.

Stellenwachstum liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt

Obwohl Berlin im Vergleich der Bundesländer die zweithöchste Arbeitslosenquote hat, gibt es hier die größte Dynamik. Das Stellenwachstum im Jahresvergleich ist das höchste aller Bundesländer und liegt mit drei Prozent deutlich über dem Bundesschnitt von 0,9 Prozent. Eine ganze Reihe von Branchen haben mittlerweile Probleme, freie Stellen zu besetzen. Das geht aus einer Erhebung der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor, die der Morgenpost vorliegt. Danach erachten 41,8 Prozent der befragten Firmen Fachkräftemangel als eines der größten Risiken für dieses Jahr.

"Seit 2010 ist der Anteil der Unternehmen, die sich durch den Fachkräftemangel bedroht fühlen, in nahezu allen Branchen stetig angestiegen", heißt es in dem Papier der IHK. Besonders hart trifft es demnach das Gastgewerbe, als Hotel- und Gaststättenbetriebe. Die Frage nach den größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens beantworteten fast zwei Drittel (63,4 Prozent) der Gastronomen mit "Fachkräftemangel". Bei Industriebetrieben waren es vergleichsweise geringe 29,8 Prozent.

Gastgewerbe beklagt Personalmangel

Mehr als die Hälfte der Gastgewerbsbetriebe (54,8 Prozent) findet demnach keine geeigneten Bewerber. Quer durch alle Branchen sagen dies 34,8 Prozent aller befragten Betriebe. Allerdings genießt das Gastgewerbe nicht den besten Ruf auf dem Arbeitsmarkt. Arbeitszeiten an Feiertagen und bis spät in die Nacht schrecken viele ab. Zudem werden häufig vergleichsweise niedrige Gehälter bezahlt.

Daten der BA-Regionaldirektion bestätigen die Ergebnisse der Erhebung. So sind im vergangenen Jahr jeden Monat mehr als 800 freie Stellen in der Gastronomie gemeldet worden. "In der Tat haben eine ganze Reihe von Betrieben Probleme, Leute zu finden", sagt Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Mexiko Ist diese Frau der älteste Mensch der Geschichte?
Mexiko Hunderttausende tote Fische machen Fischern Sorgen
Kampf gegen IS USA fliegen tonnenweise Hilfsgüter in den Nordirak
Erdrutsche Hochwasser in China führt zu acht Toten
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Nina Hagens Tochter

Schauspielerin Cosma Shiva Hagen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote