26.01.13

Kranke Verwaltung

Berliner Beamte fehlen fast zwei Monate im Jahr

Im öffentlichen Dienst geht fast jeder zehnte Arbeitstag durch Krankmeldungen verloren. Dies kostet Berlin mehrere Hundert Millionen Euro.

Von Joachim Fahrun
Foto: picture-alliance/ dpa

Immer längeren Ausfallzeiten lähmen Berlins Behörden
Immer längeren Ausfallzeiten lähmen Berlins Behörden

Die Beamten und Angestellten in Berlins öffentlichem Dienst fallen immer häufiger krankheitsbedingt aus. Jeder zehnte Arbeitstag ging 2011 verloren. Der Krankenstand in Ämtern und Behörden, in Schulen und Polizeidienststellen ist 2011 auf 10,3 Prozent gestiegen. Das sind 0,6 Prozentpunkte mehr als 2010. Jeder Beschäftigte war im Durchschnitt an 37,6 Kalendertagen krankheitsbedingt abwesend, zwei Tage länger als im Vorjahr. Das geht aus einem Bericht der Senatsinnenverwaltung hervor.

Obwohl es einige Unterschiede in der statistischen Erfassung von Fehlzeiten gibt, dürfte der Krankenstand in der Berliner Verwaltung deutlich höher liegen als in anderen Branchen in Berlin oder in anderen Verwaltungen. Der Fehlzeiten-Report für 2011, der unter anderem von der Berliner Beuth-Hochschule erstellt wird, gibt den Krankenstand unter den Berliner Arbeitnehmern insgesamt mit 5,4 Prozent an. Für die Branche "öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung" in ganz Deutschland kamen die Forscher auf einen Wert von 5,5 Prozent.

Dort fehlen jedoch anders als in der Senatsstatistik Kurzerkrankungen zwischen einem und drei Tagen, die nicht den Krankenkassen gemeldet werden. Der Deutsche Städtetag ermittelt für 2011 eine Quote von 6,12 Prozent, im Vorjahr waren es 5,9 Prozent.

Hohes Alter in den Behörden

Beschäftigtenvertreter sehen im schnellen Ansteigen der krankheitsbedingten Fehlzeiten ein Alarmsignal. Die Ausfälle kosteten Berlin bei Personalkosten von insgesamt 6,5 Milliarden Euro Hunderte von Millionen Euro im Jahr. "Das Ergebnis ist beunruhigend", sagte der Vorsitzende des Hauptpersonalrats, Klaus Schroeder. Die Gesundheitsquote, das Spiegelbild des Krankenstandes, sinke immer schneller. Zu Beginn der regelmäßigen Statistiken fehlten Landesdiener 30,9 Tage, 6,7 Tage weniger als 2011.

Innenstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) erklärt die vielen Kranken in Berliner Behörden vor allem mit dem hohen Alter. Berliner Landesdiener sind im Durchschnitt 49 Jahre alt, zweieinhalb Jahre über dem vom Städtetag ermittelten Durchschnittsalter in Deutschland. Ältere Menschen werden zwar nicht öfter krank, wenn es sie aber erwischt, fallen sie längere Zeit aus als Jüngere. Beschäftigte zwischen 20 und 30 fehlen 28,7 Tage, Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahren fallen sogar 42,6 Tage aus.

Der Staatssekretär spekuliert über die Gründe für den Anstieg der Krankenquote. In großen Verwaltungen seien generell mehr Menschen krank als in kleinen. Viele Mitarbeiter hätten "psychisch und physisch" belastende oder gefährliche Tätigkeiten, etwa bei der Polizei, der Feuerwehr oder in Schulen. In diesen Dienststellen sind besonders viele Mitarbeiter krank, seltener fehlen Dienstkräfte aus Ministerialbehörden wie der Senatskanzlei oder den Staatsanwaltschaften.

Führungskräfte sollen Gesundheitsmanagement ernster nehmen

Personalrat Schroeder hält den Altersdurchschnitt in Berlin zwar auch für eine gravierende Ursache der Misere. Er verweist aber auch auf Dienststellen, in denen der Krankenstand zurückgegangen ist, wie in der Senatsverwaltung für Wirtschaft oder in den Bezirksämtern Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Viele Führungskräfte würde das Gesundheitsmanagement nicht ernst nehmen, sagte Schroeder.

Wegen der fehlenden gesamtstädtischen Steuerung der Personalentwicklung finde Prävention nicht in allen Dienststellen verlässlich statt. "Das Problem wird nicht ausreichend ernst genommen", so der Personalratschef: "Deswegen geht es bergab."

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