26.01.13

Sexismus-Skandal

Wowereit gegen Rücktritt von Zoo-Chef Blaszkiewitz

Andere Politiker halten ihn jedoch nicht länger für tragbar. Finanzsenator Nußbaum denkt sogar über die Ausgliederung des Tierparks nach.

Von J. Fahrun und T. Laninger
Foto: dpa

Klaus Wowereit forderte den Zoo-Direktor Blaszkiewitz jedoch zu mehr "Sensibilität“ auf
Klaus Wowereit forderte den Zoo-Direktor Blaszkiewitz jedoch zu mehr "Sensibilität" auf

In die Querelen um den Berliner Zoo- und Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz hat sich nun Berlins Regierender Bürgermeister eingeschaltet. Klaus Wowereit (SPD) lehnt einen Rücktritt von Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz ab. Blaszkiewitz war wegen frauenfeindlicher Äußerungen in die Kritik geraten. "Ich glaube, man muss auch die Kirche im Dorf lassen", sagte Wowereit dem Berliner Radiosender 104.6 RTL.

Das ist nicht das Machtwort, auf das viele der 420 Angestellten in Zoo und Tierpark sowie die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling, der Tierschutzexperte der Berliner CDU-Fraktion, Alexander Hermann, und der Pirat Simon Kowalewski gewartet haben. Die Politiker halten Blaszkiewitz nicht mehr für tragbar und fordern seinen Rücktritt.

Tierpark soll 126.000 Euro zurückzahlen

Für Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) ist sogar die Zukunft der Institution Tierpark offen. "Es kann uns passieren, dass wir den Tierpark zurückbekommen", sagt er kürzlich. Der Tierpark gehört rechtlich als Tochter zur Zoo AG, steht finanziell nicht auf eigenen Beinen und erwirtschaftet steigende Defizite, die das Eigenkapital in Kürze aufzehren werden. Das Land Berlin schießt kontinuierlich Millionen zu; 6,27 Millionen Euro sind es 2013. Blaszkiewitz hatte jüngst zur Sanierung des Alfred-Brehm-Hauses im Tierpark Vorschriften zur Förderung durch die EU nicht eingehalten. Der Tierpark soll nun 126.000 Euro zurückzahlen.

Auch Wowereit beließ es nicht bei einer Rückenstärkung des angeschlagenen Zoo-Direktors. Er formulierte einen pädagogischen Auftrag: "Es ist ganz wichtig, dass auch Herr Blaszkiewitz die notwendige Sensibilität lernt, wenn er sie noch nicht hat." In der Gesellschaft müsse klar sein, dass Gleichberechtigung und Gleichstellung nicht nur abstrakte Themen seien.

Als Führungskraft "disqualifiziert"

Bernhard Blaszkiewitz ist zoologischer Vorstand beider Häuser. Er steht seit Jahren in der Kritik. Zuletzt hat er Mitte Januar Empörung ausgelöst, weil er in internen Formularen seine Mitarbeiterinnen mit "0,1" gekennzeichnet hat – einer Fachkennzeichnung für "Weibchen".

Einig scheinen sich selbst die Regierungsparteien nicht in der Bewertung von Blaszkiewitz' Verhalten als Führungskraft – sein Gehalt beträgt rund 130.000 Euro, sein Vertrag läuft bis Juni 2014. So hat Frauensenatorin Dilek Kolat (SPD) von "einem klaren Fall von Diskriminierung" gesprochen. Ihrer Meinung nach habe er sich als Führungsperson disqualifiziert.

Und der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh sagte – wie auch sein CDU-Kollege Florian Graf – die Talkrunde zu "Zoo-Geschichten" mit Blaszkiewitz für den 30. Januar ab. Blaszkiewitz Arbeitgeber, der Aufsichtsrat der Zoo-AG, hat ihn nicht entlassen. Nach einer Sondersitzung war ihm ein Entschuldigungsschreiben an die Mitarbeiter aufgetragen worden. Außerdem soll eine Anwaltskanzlei Blaszkiewitz' Verhalten juristisch beleuchten, ein Vertrauensanwalt sowie eine Gleichstellungsbeauftragte werden eingesetzt. Über die Umsetzung will der Aufsichtsrat sich am 1. Februar berichten lassen.

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