23.01.2013, 21:44

Zoo-Chef Fraktionschefs sagen Talkrunde mit Blaszkiewitz ab


Umstritten: Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz am Mittwoch auf der Grünen Woche

Foto: Bernd Settnik / dpa

Umstritten: Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz am Mittwoch auf der Grünen Woche Foto: Bernd Settnik / dpa

Von Sabine Flatau

Der Tierparkleiter steht weiter in der Kritik. Erst blieben Tierschutzexperten einem Empfang fern, jetzt gehen auch Politiker auf Distanz.

Die Kritik an Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz hält an. Jetzt haben die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD im Abgeordnetenhaus, Florian Graf und Raed Saleh, eine Talkrunde mit Blaszkiewitz im Hotel Waldorf Astoria abgesagt. Das Gespräch war für Ende Januar geplant. Thema sollte die Entwicklung der City West sein. Und der Landesvorsitzende der Grünen, Daniel Wesener, erklärte, die Debatte sei mit der Erklärung von Blaszkiewitz noch nicht beendet. Es gehe um das Renommee von Zoo und Tierpark und das Ansehen der Stadt.

Blaszkiewitz war in den vergangenen Tagen heftig kritisiert worden, weil er die Abkürzung "0,1", mit der in der Zoologie Weibchen gekennzeichnet werden, für Mitarbeiterinnen verwendet hatte. Außerdem wurden ihm missverständliche Äußerungen zum Thema Weihnachtsgeld vorgeworfen.

Das überschattet jetzt auch den Auftritt der Hauptstadtzoos auf der Grünen Woche. Für Mittwochabend hatten Zoo und Tierpark zum Neujahrsempfang auf das Messegelände eingeladen. Doch mehrere Tierschutzexperten kündigten an, dass sie dem Empfang fernbleiben werden.

Gleichstellungsbeauftragte für Zoo

Nachdem Alexander Herrmann von der Berliner CDU-Fraktion bereits am Dienstag abgesagt hatte, teilte am Mittwoch auch der tierschutzpolitische Sprecher der Piraten-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Simon Kowalewski, mit, er werde nicht an dem Neujahrsempfang teilnehmen. "Aus Protest." Mit seiner Absage wolle er klarmachen, dass die Piraten-Partei den Zoo- und Tierparkdirektor nicht länger akzeptiere. Erst nach seiner Abberufung sei eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Hauptstadtzoos wieder sinnvoll und möglich.

Am Montag hatte das Präsidium des Aufsichtsrats der Zoologischer Garten Berlin AG mit Blaszkiewitz über die Vorwürfe gesprochen. Frank Bruckmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats, sagte danach: "Es wird eine Anwaltskanzlei beauftragt, die vorgetragenen Punkte einer juristischen Würdigung zu unterziehen."

Im Ergebnis der Sitzung wurde außerdem festgesetzt, dass die Stelle einer Gleichstellungsbeauftragten für Zoo und Tierpark geschaffen werden soll. Auch einen externen Vertrauensanwalt werde es geben, an den sich die Mitarbeiter wenden können. Der Aufsichtsrat wird sich bei seiner Sitzung am 1. Februar damit beschäftigen, wie weit die Umsetzung dieser Beschlüsse gediehen ist.

Blaszkiewitz will seinen Vertrag um fünf Jahre verlängern

Bernhard Blaszkiewitz wurde außerdem beauftragt, seinen Mitarbeitern eine schriftliche Erklärung zu den Vorwürfen gegen ihn zu geben. Diese Erklärung verschickte er am Dienstag per Mail an seine Belegschaft. Er teilte mit, dass er das Kürzel "0,1" künftig nur noch im streng zoologischen Bereich benutzen werde. "Es lag nicht in meiner Absicht, jemanden zu verletzen", schrieb der Direktor. "Sollte dies so empfunden worden sein, bedauere ich es."

Auch an dieser Erklärung gab es Kritik. Eine Entschuldigung sei versprochen worden, sagte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling, doch es sei kein Wort der Entschuldigung im Text des Zoo- und Tierparkchefs zu finden. Nur von Bedauern sei die Rede gewesen. Sie fordert weiterhin die Ablösung des Zoo- und Tierparkdirektors.

Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte Blaszkiewitz, sein Vertrag laufe im Sommer 2014 aus. Er wolle ihn um fünf Jahre verlängern. Er meinte, die Vorwürfe der vergangenen Tage seien auch unter dem Aspekt zu sehen, "dass es Leute gibt, die mich diskreditieren wollen".

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter