23.01.13

Fahndung

Spur der Berliner Tunnelgangster führt nach Polen

Ein von den Dieben benutztes Foto hat sich als unschuldiger Student aus Wuppertal erwiesen. Die Polizei sucht nun nach den Tätern in Polen.

Von Michael Behrendt
Foto: dapd

Schwierige Suche: Das Phantombild soll einen der Arbeiter der Steglitzer Tunnel-Bande zeigen. Ein Fahndungsfoto entpuppte sich als falsche Spur
Schwierige Suche: Das Phantombild soll einen der Arbeiter der Steglitzer Tunnel-Bande zeigen. Ein Fahndungsfoto entpuppte sich als falsche Spur

Die heiße Spur entpuppte sich als falsche Spur: Am Mittwoch gab die Polizei bekannt, dass der von ihr veröffentlichte mutmaßliche Verdächtige im Zusammenhang mit dem Tunnel-Coup in der Steglitzer Volksbank-Filiale ein unschuldiger Student aus Wuppertal ist.

Das Bild war am Dienstag im Zusammenhang mit einer Öffentlichkeitsfahndung verbreitet worden. Dieser Ermittlungsansatz hat sich mit der Identifizierung des Tatunbeteiligten nun erledigt. Polizeisprecher Thomas Neuendorf wehrte sich gegen den Vorwurf einer Polizeipanne, zeigte aber Verständnis für die unangenehme Situation des Betroffenen.

Für den Einbruch in die Volksbank hatten die Unbekannten wie berichtet einen Tiefgaragenplatz angemietet, von wo aus sie einen 45 Meter langen Tunnel bis in den Tresorraum gegraben hatten. Dort brachen sie schließlich 294 Schließfächer auf und entkamen dann unerkannt. Bei Vertragsabschluss für diesen Stellplatz hatte einer der Täter eine gefälschte niederländische Identitätskarte mit einem Foto vorgelegt.

Dieses Foto soll dem Aussehen dieses Unbekannten geähnelt haben. Noch am Dienstagabend gegen 22 Uhr stand allerdings fest, dass der per Öffentlichkeitsfahndung gesuchte Mann ein Student ist, der sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal in Deutschland aufgehalten hatte.

Verdächtigter Mann meldet sich bei der Polizei

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll er durch Zeugen identifiziert worden sein. Parallel dazu meldete sich der Mann bei den Behörden und gab seinen Namen und Wohnort bekannt. Wenig später konnte zweifelsfrei geklärt werden, dass er mit dem Einbruch in die Volksbank-Filiale nichts zu tun haben konnte.

Nach ersten Erkenntnissen hatten sich die unbekannten Täter das Foto des Mannes aus dem Internet kopiert. In diesem Zusammenhang warnen Beamte davor, Fotos von sich selbst ins Netz zu stellen. "Und schon gar nicht sollten es Bilder sein, die den Ansprüchen der Sicherheitsbehörden für die Erstellung von Personaldokumenten entsprechen. Man sieht, welch ein Schaden damit angerichtet werden kann. Nicht immer gehen solche falschen Öffentlichkeitsfahndungen so glimpflich aus wie diese", so ein Ermittler.

In schwerwiegenden Fällen würden auch Spezialkräfte für Festnahmen hinzugezogen. "Von denen möchte man nicht festgenommen werden. Und schon gar nicht, wenn man unschuldig ist."

Wuppertaler Student steht mit Beamten in Kontakt

Laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf war die Identität des Mannes zwar am Dienstagabend gegen 22 Uhr bekannt, bis allerdings seine Tatbeteiligung ausgeschlossen werden konnte, war so viel Zeit verstrichen, dass die Fahndung mit dem Bild des Studenten nicht mehr gestoppt werden konnte.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll es den jungen Mann sehr mitgenommen haben, in der Öffentlichkeit – wenn auch nur zeitweilig – als Tunnelgangster gegolten zu haben. Er steht mit den Berliner Beamten der Soko "Tunnel" in Kontakt.

Polizeisprecher Thomas Neuendorf betonte, seine Behörde sei keineswegs leichtfertig mit dem Bild umgegangen. "Wir haben dieses Foto bereits sehr schnell nach Bekanntwerden des Einbruchs am 14. Januar bekommen und sofort die Ermittlungen dazu eingeleitet. Zwar gab es Aussagen des Vermieters, wonach es sich bei dem Mieter und dem Mann auf der Identitätskarte tatsächlich um die gleiche Person handeln soll, es gab aber andere Zeugen, die dies nicht so sahen."

Parallel wurden alle Datenbestände in den Computern von Polizei und anderer Sicherheitsbehörden durchsucht. "Als es keinen einzigen Treffer in Bezug auf den in der Karte abgebildeten Mann gab, haben wir per Gerichtsbeschluss schließlich die Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet", so Neuendorf weiter. Er sagte, es sei letztlich auch ein Erfolg, diese zunächst vielversprechende Spur nun als falsch klassifizieren zu können.

Hinweise auf verwendete Holzwinkel

"Aber selbstverständlich haben wir Verständnis für die Unannehmlichkeiten, die der Student hat hinnehmen müssen." Damit konzentriert sich die Fahndung wieder auf das Phantombild, das einen Arbeiter zeigen soll, der von Zeugen im Bereich der Garage gesehen worden war.

Der Gesuchte wird als etwa 30 bis 40 Jahre alt beschrieben und ist etwa 1,90 Meter groß. Er soll eine stämmige Figur und einen Bauchansatz haben.

Hinweise erhofft sich die Polizei auch auf die beim Bau des Tunnels verwendeten etwa 1000 Holzwinkel. Sie haben eine Schenkellänge von 140 Millimetern, eine Breite von 40 Millimetern und eine Stärke von 20 Millimetern.

Die Polizei möchte wissen, wo eine große Anzahl dieser Winkel gekauft oder gestohlen worden ist. Zudem interessieren sich die Ermittler für einen dunklen Kombi und einen hellen Transporter mit einem schwarzen Viereck auf der Seite. Beide Fahrzeuge wurden offenbar bei dem Verbrechen genutzt.

Ermittler gehen mehreren tausend Spuren nach

Inzwischen sind etwa 240 Hinweise bei der Soko "Tunnel" eingegangen, die Ermittler gehen mehreren tausend Spuren nach. Hinweise nehmen die Kriminalpolizei unter Tel: 4664945107 und per Mail unter lka451@polizei.berlin.de sowie jede Polizeidienststelle entgegen.

Trotz dieses Rückschlages bei der Fahndung sind sich die Berliner Ermittler sicher, den Einbrechern über kurz oder lang auf die Spur zu kommen. "Wir gehen davon aus, dass die Gruppe aus Polen stammt", so ein Ermittler. So seien nicht nur mehrere Mineralwasserflaschen aus polnischer Produktion im Tatortbereich gesichert worden, sondern auch andere Gegenstände, die keinen anderen Schluss zulassen, als dass die Täter aus dem Nachbarland stammen.

"Wir können in diesem Punkt aus ermittlungstaktischen Gründen nicht ins Detail gehen, aber es gibt ausreichend Hinweise. Auch darauf, dass die Täter ausreichende Kenntnisse über Arbeiten unter Tage haben müssen." Denn der Bau eines solchen Tunnels sei nicht einfach und auch nicht ungefährlich.

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