23.01.13

Behandlungen

Worauf sich Berliner Kliniken spezialisiert haben

Ein Bericht des Gesundheitssenators zeigt, bei welchen Therapien die Kliniken Routine haben. Die Charité liegt gleich mehrmals vorn.

Von Christina Brüning
Foto: dpa

Fallzahlen lassen einen Rückschluss auf die Spezialisierung einer Klinik zu
Fallzahlen lassen einen Rückschluss auf die Spezialisierung einer Klinik zu

79 Krankenhäuser zählt das Statistische Landesamt in Berlin, fast 20.000 Betten stehen für Kranke hier bereit, 771.418 stationäre Behandlungen wurden hier im Jahr 2011 vorgenommen. Die weite Krankenhauslandschaft ermöglicht in der Hauptstadt eine besonders vielfältige Spezialisierung. Einen Überblick über den Umfang von Diagnosen und Eingriffen an Berliner Kliniken liefert jährlich der Bericht über die Fallzahlen ausgewählter Krankenhausbehandlungen, den die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales jetzt zum siebten Mal vorgelegt hat.

"Die Fallzahlen bieten eine schnelle Orientierung darüber, wie oft in einem Krankenhaus bestimmte Behandlungen durchgeführt wurden", sagt Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU).

Damit sollen die Daten auch Auskunft über Spezialisierungen der Krankenhäuser geben. "Vor allem sind sie eine wichtige Informationsquelle für Patienten, wenn sie vor der schwierigen Entscheidung einer notwendigen Krankenhausbehandlung stehen", so Czaja weiter. So soll die Suche nach einem geeigneten Krankenhaus unterstützt werden.

Umstrittene Fallpauschalen

Auch Haus- und Fachärzte würden die Daten nutzen, um ihre Patienten besser beraten zu könne, welche Klinik sich für eine bestimmte Behandlung anbieten würde, erklärte Czajas Sprecherin Regina Kneiding am Dienstag.

Zudem könnten die Krankenhäuser selbst die Informationen auswerten, um ihren eigenen Status in der Berliner Krankenhauslandschaft zu kontrollieren. "Natürlich kann man durch die Quantität einer Behandlung nicht allein auf die Qualität schließen", sagte Kneiding. Das sei mit den Daten auch nicht beabsichtigt. "Aber die Fallzahl lässt dennoch Rückschlüsse auf den Grad der Spezialisierung in einer Klinik zu."

Für den Überblick ausgewählt wurden nur bestimmte Behandlungen, darunter die wichtigsten Tumorerkrankungen und ihre Operationen, die akute Therapie von Herzinfarkten und Schlaganfällen, die Behandlung von Durchblutungsstörungen sowie der Einsatz künstlicher Hüft- und Kniegelenke, Chirurgie bei Säuglingen und Palliativmedizin, also die Behandlung unheilbarer Patienten vornehmlich mit Schmerztherapie.

Alle ausgewählten Behandlungen setzen einen hohen Grad an Spezialisierung in einem Krankenhaus voraus. Die Daten über die Notfallmedizin bei Schlaganfall und Herzinfarkt beziehen sich außerdem nur auf die Versorgung am Wochenende – so soll aufgezeigt werden, welche Kliniken auch zu kritischen Zeiten rund um die Uhr eine Herzinfarktversorgung gewährleisten beziehungsweise über eine auf Schlaganfall spezialisierte Komplexbehandlung verfügen.

Seit 2004 werden Daten ausgewertet

Erwartungsgemäß zeigt der Blick auf die Zahlen, dass bei vielen Behandlungen die größte Klinik vorne liegt – die Charité. So behandelte die Charité am Campus Mitte besonders häufig Nieren- und Harnleiterkrebs, Prostatakrebs, Haut- sowie Kehlkopfkrebs, der Campus Benjamin Franklin die meisten Schlaganfälle, am Virchow-Klinikum werden besonders häufig Kinder im Säuglingsalter operiert.

Bei der akuten Behandlung von Herzinfarkten liegt das Unfallkrankenhaus (UKB) vorn. In Sachen Palliativmedizin für unheilbar Kranke verzeichnete das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe die meisten Fälle, künstliche Hüftgelenke wurden besonders häufig am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau eingesetzt. Bei Durchblutungsstörungen in den Beinen liegt das Franziskus-Krankenhaus vorn.

Ausgewertet werden die Daten zu den ausgewählten Behandlungen seit 2004. Denn seit der Umsetzung des neuen Vergütungssystems in Krankenhäusern, bei dem die Kliniken für ihre Behandlungen nach Fallpauschalen von den Krankenkassen bezahlt werden, liegen entsprechende detaillierte Informationen aus der Kostenabrechung vor, die einen Einblick in die Fallzahlen eines Krankenhauses ermöglichen.

Der Nebeneffekt eines Vergütungssystems, das zuletzt heftig diskutiert wurde, als Statistiken über die immer größere Zahl Patienten bekannt wurden, die in immer kürzeren Zeiträumen in deutschen Kliniken behandelt werden. Kritiker sagen, die Fallpauschalen führten dazu, dass mehr eventuell unnötige Behandlungen an den Patienten vorgenommen werden, diese aber dafür immer früher aus der stationären Behandlung entlassen würden.

Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) ermittelt die landesspezifischen Kosten für die Behandlungen, die pauschal gezahlt werden – eine Geburt kostet in Berlin demnach zum Beispiel 1498 Euro, ein künstliches Kniegelenk 6947 Euro. Das InEK bereitet auch die Informationen für die Gesundheitsverwaltung auf. "Eine solch detaillierte Auswertung der Daten gibt es außer in Berlin in Deutschland sonst nicht", sagt Sprecherin Kneiding. "Wir haben ein so großes Angebot an Krankenhäusern und Behandlungsmethoden in Berlin, da ist eine Orientierungshilfe besonders sinnvoll."

Die gesamten Informationen können auf der Internetseite der Gesundheitsverwaltung heruntergeladen werden: www.berlin.de/sen/gesundheit/krankenhauswesen/downloads/index.html

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