18.01.13

500er Kernbohrer

Polizei findet Bohrer der Steglitzer Tunnelgangster

Die Täter nutzten einen Bohrer, der nur selten verliehen wird. Sie könnten aus der Baubranche kommen. Laut muss es trotzdem gewesen sein.

Von Ulla Reinhard
Quelle: BMO
18.01.2013 1:38 min.
Die Berliner Polizei sucht weiter nach Hinweisen zu dem Bankraub von Berlin-Steglitz. Nun wurde auch ein Phantombild veröffentlicht.

Im Zuge der Ermittlungen zu dem spektakulären Bankeinbruch in Steglitz gibt es eine neue viel versprechende Spur. Im Tunnel hat die Polizei am Freitag Teile eines Bohrers entdeckt, so eine Sprecherin. Angaben, um welche Art von Teilen und von welchem Maschinentyp es sich handelt, machte sie nicht. Klar ist, dass der Fund die Ermittlungen voranbringen dürfte.

Denn der von den Tätern benutzte Kernbohrer ist nicht eben leicht zu beschaffen. Detlef Pinetzki kennt sich mit Baumaschinen aus. Der gelernte Baumaschinenschlosser verkauft und vermietet seit 23 Jahren Baugeräte in Oranienburg. Auch er hat in den vergangenen Tagen die Nachrichten über die Tunnel-Gangster verfolgt und sagt: "Diese Jungs haben genau gewusst, was sie machen."

Die Professionalität der Einbrecher erkennt man nach Ansicht von Pinetzki nicht nur an dem 45 Meter langen Tunnel, den die Täter von der Tiefgarage an der Wrangelstraße bis zum Tresorraum der Volksbank an der Schloßstraße gegraben haben, sondern vor allem an dem speziellen Baugerät, das sie dafür verwendet haben.

Um durch die 30 Zentimeter dicke Wand der Garage zu bohren und den Eingang zum Tunnel zu schaffen, benötigten die Täter einen Kernbohrer. "Aber nicht irgendeinen, sondern einen ganz besonderen, den man sich nicht mal eben leihen kann", sagt Pinetzki. In der Firma HKL, für die Pinetzki arbeitet, gebe es ein großes Angebot an Kernbohrern. Der größte habe eine Bohrkrone mit einem Durchmesser von 300 Millimetern. Doch was die Täter benutzten, war offenbar noch mal um einiges größer: "Die hatten mindestens einen 400er- oder sogar 500er-Kernbohrer."

Kam ein Täter aus der Baubranche?

Wie die Täter in den Besitz einer solchen Maschine gelangt sind, ist für Pinetzki rätselhaft. Zwar gebe es spezielle Dienstleister, die Kernbohrer in dieser Größe anbieten. Meistens würden die Firmen die Geräte jedoch nicht verleihen, sondern die anzufertigenden Arbeiten selbst verrichten. Der Experte vermutet daher, dass zumindest einer der Täter in der Baubranche und vielleicht bei einem solchen Spezialbetrieb gearbeitet hat. Auch die Polizei hatte immer wieder von der Professionalität der Einbrecher gesprochen, die Angaben jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen nicht konkretisiert.

"Wenn ich ein Kraftwerk baue, brauche ich vielleicht so ein Gerät", sagt Pinetzki über den vermutlich von den Tätern verwendeten Bohrer. Die Standardgröße sei ein 56 bis 130 Millimeter großer Aufsatz. Kernbohrer in dieser Größe würden vor allem bei Sanierungsarbeiten eingesetzt, etwa um Mauern zu durchbrechen, Heizungsleitungen zu legen oder Kamine mit Schornsteinen zu verbinden. Ein 500er-Kernbohrer werde dagegen nur im Spezialbau benötigt. "Bei mir hat noch nie jemand danach gefragt", sagt Pinetzki.

Um mit dem Bohrer zu arbeiten, seien allerdings keine speziellen Kenntnisse erforderlich. "Das kann grundsätzlich einer alleine machen", so Pinetzki. Der Bohrer wiege höchstens 20 Kilogramm. Um zu bohren, werde das Aluminiumgestell in die Wand gedübelt. "Dann setzt man den Motor auf, auf den die mit Diamantsegmenten versehene Bohrkrone geschraubt ist, und schneidet Löcher in die Wand." Leise sei das Bohren aber sicher nicht gewesen, sagt Pinetzki. Die Geräusche seien vermutlich auch auf der Straße zu hören gewesen. Er glaube daher nicht, dass die Täter nachts gearbeitet haben, sondern ganz bewusst am Tag. "Wem fällt in Berlin tagsüber schon Baulärm auf?"

Hinweise nach Veröffentlichung des Phantombilds

Unterdessen hat sich die Zahl der Hinweise auf den oder die Täter nun auf 130 erhöht. Nach der Veröffentlichung des Phantombilds eines Tatverdächtigen haben sich nach Angaben eines Polizeisprechers zahlreiche Zeugen gemeldet, die den Mann ebenfalls in der Tiefgarage gesehen haben wollen. Jeder einzelne Hinweis werde nun geprüft. Das Bild war mithilfe zweier Zeugen gezeichnet worden, die im fertigen Produkt eindeutig jenen Mann erkannt haben wollen, der sich in den letzten Monaten im Bereich des Tatorts aufgehalten haben soll. Noch werde laut Polizei nur in Deutschland nach den Tätern gefahndet, aber Ermittlungen im Ausland seien nicht ausgeschlossen

Am Freitag hat die Polizei den zwischen Schloß- und Wrangelstraße gelegenen Tatort mit einer Drohne aus der Luft vermessen. Zeitgleich waren Kriminaltechniker weiter mit der Spurensicherung im Tunnel und im Tresorraum beschäftigt. Durch das Feuer, das die Täter am Ein- und Ausgang des Tunnels gelegt hatten, gebe es zwar eine starke Rußablagerung, sagte ein Sprecher. Dennoch kämen sämtliche feste Gegenstände, die nicht komplett verbrennen können, weiter als Spurenträger in Betracht. "Wenn eine Goldmünze mit schwarzem Ruß bedeckt ist, kann sich darunter immer noch ein verwertbarer Fingerabdruck befinden", sagte der Sprecher.

294 Schließfächer ausgeräumt

Die Berliner Volksbank hat die aufgebrochenen und entwendeten Schließfächer inzwischen exakt gezählt: Demnach plünderten die Einbrecher genau 294 Fächer im Tresorraum. Die betroffenen Kunden sollten, so Volksbank-Sprecherin Nancy Mönch, noch am Freitag angeschrieben werden. Wegen der Spurensicherung der Polizei wird die Filiale an der Schloßstraße erst wieder am Montag öffnen. Dann werde in separaten Räumen eine Anlaufstelle für die geschädigten Kunden eingerichtet. "Wir wollen den Betroffenen bei Versicherungsfragen helfen und auch die Anzeige bei der Polizei übernehmen", sagte Mönch.

Weiter unklar sei, wie hoch der jeweilige Schaden der einzelnen Kunden ausfalle. Die Betroffenen würden gebeten, Listen über die im Schließfach verwahrten Gegenstände zu erstellen und diese möglichst mit Dokumenten zu belegen. Da die Täter vermutlich bei ihrer Flucht diverse Dinge weggeworfen und auf dem Boden des Tresorraums sowie im Tunnel verteilt hätten, werde die Bestandsaufnahme des Schadens noch länger dauern. "Wir müssen jeden einzelnen Gegenstand zuordnen." Die Kunden der unversehrt gebliebenen Schließfächer müssen sich laut Mönch keine Sorgen machen. Zwar befänden sich die Fächer weiterhin in dem durch den Tunnel geöffneten Tresorraum. Jedoch sei der Tunnel gesichert.

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