15.01.13

Prozess

33-Jähriger feiert mit Minderjährigen Drogen-Partys

Bereits sechs Jahre hat er wegen Kindesmissbrauch und Nötigung im Gefängnis verbracht. Nun steht der Mann erneut vor Gericht.

Von Hans H. Nibbrig
Foto: dapd

Stephan R. soll das Kontaktverbot des Landgerichts ignoriert haben. Ihm wird erneut sexueller Missbrauch vorgeworfen
Stephan R. soll das Kontaktverbot des Landgerichts ignoriert haben. Ihm wird erneut sexueller Missbrauch vorgeworfen

Es muss hoch hergegangen sein auf den Partys, die Stephan R. in seiner Pankower Wohnung feierte. Für die Gäste gab es Drogen, Wasserpfeifen und möglicherweise auch Alkohol. Und zur Unterhaltung allerlei Spiele und spezielle Videofilme. Es gibt Fotos, auf denen leicht bekleidete junge Damen vor der Kamera für den 33-Jährigen posieren.

Der Begriff junge Damen ist allerdings nicht ganz korrekt, bei den Partygästen handelte es sich durchweg um Jugendliche, teilweise sogar um Kinder. Deshalb muss sich Gastgeber R. seit Dienstag vor dem Landgericht Moabit verantworten.

Kontaktverbot zu Minderjährigen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-Jährigen unter anderem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vor. Diesem Vorwurf sieht sich Stephan R. nicht zum ersten Mal ausgesetzt. Der gebürtige Brandenburger ist vom Landgericht Frankfurt (Oder) bereits einmal wegen sexueller Nötigung und Kindesmissbrauchs zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Unmittelbar nach seiner Entlassung im März 2011 stellte ihn das Landgericht Cottbus wegen Rückfallgefahr unter Führungsaufsicht und sprach ein Kontaktverbot zu Minderjährigen aus. R. wurde untersagt, sich Minderjährigen zu nähern oder sich im Umfeld von Schulen, Spielplätzen oder Jugendeinrichtungen aufzuhalten.

All das hat offensichtlich nichts genützt. Die abschreckende Wirkung der langen Haft hielt sich in Grenzen, die ausgesprochenen Kontaktverbote verpufften gänzlich. Seit März 2012 nahm R. wieder Kontakt zu Kindern und Jugendlichen auf und veranstaltete schließlich in seiner Wohnung in Pankow regelmäßig Partys mit seinen minderjährigen Gästen. Bis zum September vergangenen Jahres ging das, dann wurde die Polizei auf das Treiben des 33-Jährigen aufmerksam, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Was den schmächtigen Mann mit den fast noch kindlichen Gesichtszügen immer wieder die Nähe zu Minderjährigen suchen lässt, darüber soll ein Gutachter in der Hauptverhandlung Auskunft geben, die am Dienstag begonnen hat.

Teilgeständnis reicht Richtern nicht

Am ersten Verhandlungstag gegen R. standen wie inzwischen zu Beginn der meisten Prozesse Rechtsgespräche auf dem Programm. In denen loten Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung aus, ob es Verständigungsmöglichkeiten mit dem Ziel eines zügigen Verfahrens gibt. Strafrabatt gegen ein umfassendes "und von Reue getragenes" Geständnis, lautet eine gängige Absprache. Dem Angeklagten R. bot das Gericht eine Haftstrafe von maximal vier Jahren an – gegen ein umfassendes Geständnis, das den betroffenen Minderjährigen einen Auftritt vor Gericht erspart. Andernfalls, so der Vorsitzende, drohten bei seiner Überführung und Verurteilung mehr als fünf Jahre. Stephan R. hat die Chance nicht genutzt. Den Verstoß gegen das Kontaktverbot räumte er frühzeitig ein, andere Vorwürfe bestritt er.

Nach kurzer Beratung mit seinem Verteidiger äußerte er sich dann doch – in rasend schnellem Tempo, als wolle er die peinlichen Äußerungen schnell hinter sich bringen. Dass Haschisch geraucht wurde, sei möglich, aber er habe die Drogen nicht gezielt angeboten, es seien wohl herumliegende Restbestände früherer Partys gewesen. Dass seine Gäste Pornos anschauen konnten, habe er nicht veranlasst, aber der Computer mit den entsprechenden Aufnahmen sei jedem Besucher zugänglich gewesen.

Weitere Vorwürfe wie gemeinschaftliches Baden und Übernachtungen von minderjährigen Partygästen mit ihm in seinem Bett, spielte er herunter. Zu sexuellen Kontakten oder gar Handlungen sei es nie gekommen, so der Angeklagte gegenüber dem Richter. Dem Gericht reichten diese Aussagen nicht, ab dem morgigen Donnerstag müssen die ersten minderjährigen Zeugen aussagen.

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