09.01.13

Arbeitslosigkeit

Jeder dritte Jugendliche beendet vorzeitig seine Ausbildung

Oft haben die Jugendlichen falsche Vorstellungen vom Beruf. Arbeitssenatorin Dilek Kolat setzt auf eine verbesserte Berufsorientierung.

Von Jens Anker
Foto: dapd

Arbeitssenatorin Dilek Kolat will Berliner Jugendliche besser fördern
Arbeitssenatorin Dilek Kolat will Berliner Jugendliche besser fördern

Jeder dritte Berliner Jugendliche bricht seine Ausbildung ab. Das sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen. "Die Quote ist viel zu hoch", sagte Kolat, deswegen werde die Verwaltung künftig einen Schwerpunkt auf die Berufsorientierung von jungen Menschen legen, kündigte die Senatorin an. "Viele Jugendliche kommen aus der Schule und haben noch die gleichen zehn Berufe wie seit Jahrzehnten im Kopf, es gibt aber 306 verschiedene Berufe in Berlin", sagte Kolat. Außerdem stimmten die Vorstellungen häufig nicht mit dem tatsächlichen Berufsbild überein. Nach den Plänen der Arbeitssenatorin soll daher künftig in den Schulen mehr Augenmerk auf die Berufsorientierung gelegt werden. Aber auch die Ausbildungsbetriebe stehen nach Kolats Auffassung in der Pflicht. "Sie müssen ihre Ausbildung attraktiver machen und mehr für ihre Berufe werben", sagte Kolat. Dadurch könne die Abbrecherquote gesenkt werden.

In Berlin liegt die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen derzeit bei 11,7 Prozent (18.741) und damit fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Das Ziel der Regierungskoalition ist es, die Zahl in dieser Legislaturperiode auf unter zehn Prozent zu drücken. "Jugendliche unter 25 ohne Arbeit kann sich die Stadt nicht leisten", sagte Kolat. Die Arbeitssenatorin appellierte an die ansässigen Betriebe, mehr Schulabgänger auszubilden, da die Ausbildungsquote in Berlin geringer sei als in anderen Bundesländern. Außerdem sollten sich die Betriebe auch jenen öffnen, die bereits eine Ausbildung abgebrochen haben. "Jugendliche haben eine dritte und vierte Chance verdient", sagte Kolat.

Niedrigere Arbeitslosenquote als in Mecklenburg-Vorpommern

Insgesamt zog die Senatorin ein positives Fazit für den Berliner Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr. Mit 11,6 Prozent Arbeitslosenquote (205.231) trage Berlin erstmals seit vielen Jahren nicht mehr die rote Laterne im Bundesländerranking. In Mecklenburg-Vorpommern beträgt die Arbeitslosenquote derzeit zwölf Prozent.

Im Vergleich zu allen anderen Bundesländern verzeichnete die Stadt im vergangenen Jahr einen überproportionalen Anstieg der Beschäftigtenzahlen. Im Dezember 2012 waren 1.218.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – so viel wie nie seit der Wiedervereinigung.

Um diesen Trend weiter positiv zu gestalten benötigt die Stadt laut Kolat weiter eine aktive Arbeitsmarktpolitik. Der Senat setze dabei auf die gezielte Qualifizierung der Arbeitslosen für den ersten Arbeitsmarkt. Künftig sollen die Arbeitssuchenden nicht mehr ziellos von Maßnahme zu Maßnahme geschickt werden, sollen individuell so gefördert werden, dass sie ihre Chancen auf eine Beschäftigung erhöhen.

Dazu soll jeder Erwerbslose durch persönliche Betreuer bei der Suche nach neuen Stellen, der richtigen Beratung oder der passenden Qualifizierung unterstützt werden. "Jeder Arbeitslose bekommt einen Coach, der ihn in allen Fragen begleitet", hatte die Sozialdemokratin schon zum Jahrswechsel in der Berliner Morgenpost angekündigt. Mit dem Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Dieter Wagon, habe sie sich in der Arbeitsmarktpolitik auf einen zentralen Weg verständigt: Coaching und Qualifizierung. "Da wollen wir einen ganz neuen Weg gehen", so die Senatorin. Vom neuen Berliner Jobcoaching sollten alle Arbeitslosen profitieren, sagte Kolat. "Nicht nur Spitzensportler und Manager brauchen Coaching, sondern auch Arbeitslose. Coaching ist für mich der Schlüssel."

Langzeitarbeitslose coachen

Die SPD-Politikerin will für ihr neues Angebot die Erfahrungen aus dem bereits bestehenden Programm des Berliner Trägers Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung (GSUB) nutzen. Bei der GSUB dauert die Coaching-Phase bisher ein halbes Jahr, die Beratung richtet sich dabei an die neu vermittelten Erwerbstätigen ebenso wie an Unternehmen, die bei der Einarbeitung von Langzeitarbeitslosen unterstützt werden.

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