08.01.13

Wohnungsbrände

Neue Serie von Brandstiftungen erschüttert Berlin

In einem Mehrfamilienhaus in Friedrichshain konnte die Feuerwehr gerade noch Schlimmeres verhindern. Die Polizei ermittelt in vier Fällen.

Von Michael Behrendt
Foto: schroeder

Im Flur des Hauses in der Marchlewskistraße brannten ein Kinderwagen und eine Matratze.
Im Flur des Hauses in der Marchlewskistraße brannten ein Kinderwagen und eine Matratze.

Erneut haben Unbekannte in Berlin Brände in Wohnhäusern gelegt. Die Berliner Polizei ermittelt in vier Fällen, die sich am Montagabend und in der Nacht zu Dienstag ereignet haben. Dabei wurden drei Kinderwagen angezündet, verletzt wurde niemand.

Der dramatischste Zwischenfall ereignete sich am Montagabend in einem fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus an der Marchlewskistraße in Friedrichshain: Gegen 20.20 Uhr bemerkte eine 42 Jahre alte Mieterin einen brennenden Kinderwagen im Hausflur und rief sofort um Hilfe. Einem 39 Jahre alten Hausbewohner gelang es kurz darauf, das Gefährt auf die Straße zu ziehen. Die 42-Jährige alarmierte in der Zwischenzeit die anderen Mieter über die Klingelanlage. Auf ihrem Weg ins Freie entdeckten flüchtende Hausbewohner wenig später zudem eine brennende Matratze auf der hölzernen Treppe im vierten Stockwerk. Laut Polizei sollen die Flammen regelrecht gelodert haben. Inzwischen eingetroffene Einsatzkräfte der Feuerwehr – die zuständige Wache befindet sich nur 200 Meter von dem Wohnhaus entfernt – löschten das Feuer.

Mieter in Lebensgefahr

Nach Angaben der Polizei hätte diese Brandstelle auf das gesamte Haus übergreifen können. Eine Zierleiste an einer Wand habe bereits geglimmt. "Den Tätern ging es in diesem Fall offenbar darum, richtig Schaden anzurichten. Es gibt immer wieder kleinere Brandstiftungen, bei denen die Unbekannten schlicht einen Feuerwehreinsatz provozieren wollen", so ein Kriminalbeamter. "Bei der jüngsten Tat wurde das Feuer im oberen Teil des Hauses aber so gelegt, dass leider wirklich in kürzester Zeit das gesamte Haus hätte in Flammen stehen oder völlig verraucht sein können. Diese Täter haben ganz klar das Leben anderer Menschen gefährdet." Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.

Doch die Brandstiftung in Friedrichshain war nicht der einzige Fall: Anderthalb Stunden später, gegen 22 Uhr, stand im Erdgeschoss eines Wohnhauses an der Kluckstraße in Tiergarten ebenfalls ein Kinderwagen in Flammen. Er wurde vollständig zerstört. Bewohner des Hauses bemerkten das Feuer und konnten es gleich darauf löschen, so dass die Feuerwehr bei ihrem Eintreffen wenig später nicht mehr tätig werden musste. Nach bisherigen Erkenntnissen waren auch in diesem Fall Brandstifter am Werk. Gegen 2.30 Uhr dann der nächste Einsatz: Polizei und Feuerwehr wurden zu einem Tiefgeschoss am Spandauer Damm in Charlottenburg gerufen. Dort brannte Unrat, an verschiedenen Stellen mussten kleinere Brände gelöscht werden. Durch das Feuer wurde zudem die Scheibe eines Geschäfts beschädigt. In dem Gebäude befindet sich auch ein Kulturverein. Eine politische Motivation für die Brandlegung wird nach bisherigem Ermittlungsstand jedoch ausgeschlossen. Der für entsprechende Taten zuständige Polizeiliche Staatsschutz wurde bislang nicht in die Ermittlungen eingebunden.

Gegen 4.30 Uhr brannte erneut ein Kinderwagen. Mieter eines Hauses an der Triftstraße in Wedding bemerkten die Flammen und riefen die Feuerwehr, die die Flammen löschte. Auch in diesem Fall wurde der Wagen völlig zerstört, die Kriminalpolizei ermittelt.

Sorge bei Ermittlern

Ermittler beobachten seit Monaten mit Sorge, dass in Berlin immer wieder Kinderwagen angezündet werden. "Erstens verbietet es sich ohnehin, etwas zu zerstören, das für den Transport von Babys vorgesehen ist", so ein Beamter. "Schlimmer ist aber noch, dass solche Taten immer wieder vorkommen, obwohl die Tragödie von der Ufnaustraße in Tiergarten mit insgesamt neun Toten im August 2005 ebenfalls durch einen in Brand gesetzten Kinderwagen entstanden ist." Es sei erschreckend, dass Täter weiter solche schrecklichen Ereignisse mit Toten und Verletzten in Kauf nehmen. "Abgesehen von den Opfern sollte den Tätern klar sein, dass sie im Falle einer Festnahme von der Staatsanwaltschaft angeklagt werden und empfindliche Strafen zu erwarten haben."

Erst am vergangenem Sonntag hatten Unbekannte in Marienfelde und in Hohenschönhausen Feuer gelegt. Dabei wurden zwei Menschen leicht verletzt, es entstand erheblicher Sachschaden. Gegen 16.45 Uhr hatten Anwohner eines 16-geschossigen Wohnhauses an der Hildburghauser Straße eine starke Rauchentwicklung aus einem Kellervorraum bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Die Rettungskräfte löschten brennenden Hausrat und verhinderten damit ein Übergreifen der Flammen auf das Gebäude. Teile der Versorgungsleitungen des Hauses wurden allerdings beschädigt. Zwei Bewohner wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht. Einem Feuerwehrmann zufolge hätte es zu einer Tragödie kommen können, wären die Mieter nicht so aufmerksam gewesen.

Wenig später dann ein weiterer Einsatz in Hohenschönhausen: Unbekannte hatten sich Zutritt zu dem Gelände einer Holzverwertungsfirma an der Bürknersfelder Straße verschafft und dort einen stillgelegten Lastwagen angezündet. Obwohl die von Passanten alarmierte Feuerwehr die Flammen löschen konnte, brannte das Führerhaus des Fahrzeugs komplett aus. Menschen kamen nicht zu Schaden. Auch in diesen beiden Fällen haben Brandkommissariate die Ermittlungen übernommen. Heiße Spuren zu den Täter sollen sich bislang nicht ergeben habe, Zeugen können sich an jede Polizeidienststelle wenden.

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