07.01.13

Bildung

Was sich in Berlin für die Schulen ändert

Berlin will sich mehr um seine Schulen kümmern. Neben Geld für Instandsetzungen gibt es auch neue Konzepte für die Inklusion.

Von Florentine Anders und Regina Köhler
Foto: Sergej Glanze

Grundschule Am Weißensee: Das Gebäude in pankow ist dringend sanierungsbedürftig
Grundschule Am Weißensee: Das Gebäude in pankow ist dringend sanierungsbedürftig

Der heutige Montag ist der erste Schultag im neuen Jahr. Schulverwaltung, Lehrer und Eltern befassen sich bereits mit den zentralen Vorhaben, die 2013 im Schulbereich anstehen. Zwar wird es keine großen Reformen geben – die Koalition hat Schulfrieden vereinbart – etliche Veränderungen sind dennoch geplant.

Wir haben auf dieser Seite die wichtigsten zusammengefasst: Gleichstellung angestellter Lehrer, Inklusion, finanzielle Förderung der Brennpunktschulen, Verbesserung des Schulessens und zentrale Schülerdatei. Zudem sollen etliche Schulen in diesem Jahr saniert werden.

Im vergangenen Jahr noch hatten die Eltern der Schüler der Peter-Witte-Grundschule in Reinickendorf gegen die Schließung der Schule demonstriert, nun wird in diesem Jahr dort eine Brandschutzanlage gebaut. Der Schulstandort kann erhalten bleiben.

Insgesamt wird 2013 für die Berliner Schulbauten ein gutes Jahr. Das Sanierungsprogramm für Schulen wurde von 32 Millionen auf 64 Millionen aufgestockt. Die rot-schwarze Koalition will mit diesem Nachschlag das Dauerproblem der maroden Schulen endgültig lösen. Doch das wird trotz dieser Anstrengung kaum gelingen. Denn der Sanierungsstau an den Schulgebäuden beläuft sich nach Angaben der Bezirke auf etwa eine Milliarde Euro.

Grundschule am Weißensee kann endlich saniert werden

Große Baustellen bleiben der Brandschutz und die Sanitäranlagen sowie die Barrierefreiheit für behinderte Schüler. Viele nötige Sanierungen müssen einmal mehr verschoben werden. "Wir können in diesem Jahr anders als im letzten Jahr, als es die Haushaltssperre gab, gleich mit den Arbeiten loslegen, das ist ein Vorteil", sagt Kathrin Schultze-Berndt (CDU), Schulstadträtin von Reinickendorf. Doch trotz des höheren Budgets reiche das Geld nicht aus.

An jedem der 60 Standorte wäre eigentlich etwas zu tun, da müsse man Prioritäten setzen. Der Sanierungsbedarf in Reinickendorf betrage 60 Millionen Euro. So könne in diesem Jahr beispielsweise die Mensa für das Bertha-von-Suttner-Gymnasium noch nicht realisiert werden. Und auch die Albrecht-Haushofer-Sekundarschule muss erst einmal mit einer Zwischenlösung für die Mensa leben.

Der Bezirk Pankow kann endlich die Grundschule am Weißensee in Angriff nehmen. Die marode Schule hatte in den vergangenen Jahren mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Eigentlich war eine Grundsanierung schon in den 90er-Jahren geplant. Damals waren 30 Millionen D-Mark dafür eingeplant. Doch die Planungen verschwanden in der Schublade.

Seither hat sich die Substanz Jahr für Jahr verschlechtert. Für eine Grundsanierung reicht das Geld immer noch nicht, aber immerhin sind nun die Fenster dran. Im vergangenen Jahr wurden dafür schon 650.000 Euro veranschlagt, und in diesem Jahr kommt die selbe Summe noch einmal oben drauf. "Auch die Heizungsanlage soll jetzt dran sein", sagt Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD), Schulstadträtin von Pankow.

Eltern entsetzt über Schließung nach Baumängeln

Die ganz großen Bauvorhaben aus dem Investitionsbudget des Landes würden allerdings erst im kommenden Jahr beginnen. Dann soll beispielsweise die denkmalgeschützte und völlig marode ehemalige Schule an der Pasteurstraße im Bötzow-Viertel zu einem neuen Gymnasium umgebaut werden. Denn in dem kinderreichen Bezirk müssen dringend Schulplätze geschaffen werden.

Mit den veranschlagten 30 Millionen Euro ist die Sanierung und Erweiterung des Gebäudes an der Pasteurstraße die wohl teuerste Schulsanierungsmaßnahme der Stadt. Auch die seit Jahren angemahnte Sanierung des Nebengebäudes des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums sei geplant und genehmigt, könne aber erst im kommenden Jahr beginnen, so die Stadträtin.

Im Bezirk Mitte ist in diesem Jahr endlich die Sanierung des Vorderhauses des Lessing-Gymnasiums an der Reihe. Insgesamt 800.000 Euro sind dafür 2013 und 2014 vorgesehen. Hier hatte der Schulleiter in der Vergangenheit mehrfach die bröckelnde Fassade beanstandet. Endlich gelöst werden auch die Brandschutzprobleme der Grundschule am Koppenplatz.

Eine Außenstelle musste im September 2011 eine Woche nach der Eröffnung wieder geschlossen werden, weil die Bauaufsicht festgestellt hatte, dass wichtige Fluchtwege für den Brandfall fehlten. Der Vorgang sorgte bei den Eltern für Entsetzen, denn gerade in Alt-Mitte gibt es zu wenige Grundschulplätze.

Dringend Räume für 250 Kinder benötigt

Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg soll in diesem Jahr die Sanierung des Andreas-Gymnasiums abgeschlossen werden. Schon 2012 wurden das Hauptgebäude und der Nordflügel in Angriff genommen. In diesem Jahr soll die Erneuerung des Daches folgen. Auch hier hatte die Schule in der Vergangenheit mehrfach die baulichen Zustände kritisiert.

Im März vergangenen Jahres stellte Schulleiter Andreas Steiner den Inspektionsbericht ins Internet und machte gleichzeitig öffentlich, dass an den wenigen Kritikpunkten des Inspektionsteams vor allem die baulichen Bedingungen Schuld seien. Der Protest hatte offenbar Erfolg.

In Steglitz-Zehlendorf wird ein Großteil der Sanierungsgelder (mehr als eine Million Euro) in die Erneuerung der Sporthalle der Dunant-Grundschule gesteckt. Doch auch das kann die Probleme der Schule nicht lösen. In einem offenen Brief an die Schulstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) haben die Eltern kurz vor Weihnachten auf die unhaltbaren Zustände im Hort hingewiesen. Für die insgesamt 250 betreuten Kinder würden dringend zusätzliche Räume benötigt.

Mehr Geld für Schulen in sozialen Brennpunkten ab 2014

Im Nebengebäude Oase würden 23 Kinder auf 35 Quadratmetern betreut. Der Sanitärbereich sei viel zu klein, die Warmwasserversorgung funktioniere nicht, heißt es in dem Schreiben der Elternvertreter. Doch für alle diese Arbeiten kann sich die Dunant-Grundschule erst einmal nur in die lange Reihe der "Bedarfsanwärter" für die nächsten Jahre anstellen. Nach Angaben des Bezirkselternausschusses besteht in Steglitz-Zehlendorf ein Sanierungsstau von 175 Millionen Euro.

Geld gibt es auch für Schulen in sozialen Brennpunkten – allerdings erst ab 2014. Ende 2012 wurde bekannt, dass der Senat ein millionenschweres Sonderprogramm für diese Einrichtungen auflegen will. Jede dieser Schulen soll von 2014 an zusätzlich mindestens 100.000 Euro pro Jahr bekommen. Mit diesem Geld sollen dann je nach Problemlage Psychologen, Sozialarbeiter oder weitere Sprachlehrer bezahlt werden.

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