06.01.13

Geländeübernahme

Berliner Stadtgüter wollen Spandauer Rieselfelder kaufen

Auch der Gastronom Josef Laggner hat Interesse an dem 280 Hektar großem Gebiet in Spandau. Beide Parteien könnten sich problemlos einigen.

Von Helga Labenski
Foto: Reto Klar

Josef Laggner hat schon länger sein Interesse an den Feldern bekundet. Er plant dort einen Gastronomiebetrieb zu errichten
Josef Laggner hat schon länger sein Interesse an den Feldern bekundet. Er plant dort einen Gastronomiebetrieb zu errichten

Für die Rieselfelder Karolinenhöhe in Spandau gibt es noch einen Interessenten. Neben dem Gastronom Josef Laggner sind nun auch die Berliner Stadtgüter bereit, das 280 Hektar große Gelände zwischen Potsdamer Chaussee und Gatower Straße von den Wasserbetrieben zu übernehmen. Das bestätigte Stadtgüter-Chef Peter Hecktor der Berliner Morgenpost.

Im Streit über die künftige Nutzung der unter Landschaftsschutz stehenden Flächen ist damit ein Kompromiss möglich: Gastronom Laggner könnte den Betriebshof übernehmen, die Stadtgüter die geschützten Rieselfelder betreiben. Es gebe Gespräche mit beiden, sagte der Sprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz. "Der Ausgang und selbst die Zielrichtung sind aber noch völlig offen".

Denkbar sei vieles. So könne jeder der beiden Interessenten theoretisch das gesamte Areal erwerben und möglicherweise dann Teile an den jeweils anderen weiterveräußern oder verpachten. Ebenso möglich sei es, dass jeder der potenziellen Käufer unterschiedliche Teilflächen erhält. Keinen Zweifel lässt Natz daran, dass die Wasserbetriebe das Areal abstoßen werden. 100 Jahre lang, bis in die 1990er-Jahre, wurde auf den Feldern Abwasser verrieselt. Seit 2010 darf das Unternehmen aus Gründen des Grundwasserschutzes dort auch kein Klarwasser mehr ausbringen.

Doch der geplante Verkauf an Gastronom Laggner (Lutter & Wegner, Fischerhütte, Krongut Bornstedt) wurde nach heftigen Protesten gestoppt. Landwirte, die Teile der Rieselfelder gepachtet haben, Umweltgruppen und Bezirkspolitiker fürchten nach einer Privatisierung des Areals, dass der Landschaftsschutz aufgeweicht, Erholungssuchende und Bauern von den Flächen verdrängt werden könnten. Ein Gastronomiebetrieb, den Laggner auf dem Betriebshof plant, werde zudem Verkehr anziehen und Lärm verursachen, sagen die Kritiker. Allerdings sind die Stadtgüter an dem Betriebshof ohnehin nicht interessiert.

Der Hof gilt als Filetstück

Der rund 11 Hektar große Hof mit seinen fünf Wohnungen, Wirtschaftsgebäude und Garage gilt für Investoren als Filetstück. Denn nur für diesen Teil der Flächen gibt es Baurecht. Entsprechend verspricht der Betriebshof für den Wasserbetrieb auch den höchsten Verkaufserlös, während die Ackerflächen wenig einbringen dürften. Stadtgüterchef Hecktor macht denn auch ein Engagement seines Betriebes in Spandau vom Kaufpreis abhängig. "Wir stehen für eine Lösung bereit, aber das muss sich natürlich alles rechnen", sagt er. "Rieselfelder sind unser Geschäft", begründet Hecktor sein Interesse an dem Standort. So bewirtschaften die Stadtgüter bereits vergleichbare Flächen in der Nähe.

Für das riesige Areal Karolinenhöhe, das drei Prozent der Spandauer Bezirksfläche ausmacht, sieht Hecktor durchaus Entwicklungsmöglichkeiten. So könnten mehr als die derzeit 80 Hektar landwirtschaftlich genutzt werden – möglicherweise auch durch die Stadtgüter selbst.

Die Übernahme durch die Stadtgüter hält Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) für "eine realistische Variante". Über Eventgastronomie auf dem Betriebshofsgelände äußert sich Kleemann hingegen zurückhaltend.

Wie ein oder mehrere Käufer die Spandauer Rieselfelder nutzen dürfen, wird auch davon abhängen, wie stark die Böden nach Jahrzehnten der Abwasserverrieselung belastet sind. "Es gibt Flächen, da können Sie vom Boden essen, und es gibt Flächen, die so belastet sind, dass dort nichts angebaut werden kann", sagt BWB-Sprecher Natz.

Am 16. Januar 2013 ab 19 Uhr wollen die Wasserbetriebe im Bürgersaal des Rathauses, Carl-Schurz-Straße 2-6, über die Ergebnisse der ersten Altlasten-Analyse informieren.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote