30.12.12

Exklusiv

Senatorin will Coach für jeden Berliner Hartz-IV-Empfänger

Coaching und Qualifizierung: So will Dilek Kolat 20.000 Langzeitarbeitslose dauerhaft vermitteln. Ein Coach soll 40 Klienten betreuen.

Von Jens Anker und Joachim Fahrun
Foto: ZB

Neue Idee: Arbeitssenatorin Dilek Kolat plant für jeden Berliner Arbeitslosen „einen Coach, der ihn in allen Fragen begleitet“
Neue Idee: Arbeitssenatorin Dilek Kolat plant für jeden Berliner Arbeitslosen "einen Coach, der ihn in allen Fragen begleitet"

Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will Erwerbslose durch persönliche Betreuer bei der Suche nach neuen Stellen, der richtigen Beratung oder der passenden Qualifizierung unterstützen. "Jeder Arbeitslose bekommt einen Coach, der ihn in allen Fragen begleitet", sagte die Sozialdemokratin im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Mit dem Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Dieter Wagon, habe sie sich in der Arbeitsmarktpolitik "auf einen zentralen Weg verständigt: Coaching und Qualifizierung". "Da wollen wir einen ganz neuen Weg gehen", so die Senatorin. Vom neuen Berliner Jobcoaching sollten alle Arbeitslosen profitieren, sagte Kolat. "Nicht nur Spitzensportler und Manager brauchen Coaching, sondern auch Arbeitslose. Coaching ist für mich der Schlüssel."

Ein Coach für 40 Erwerbslose

Die SPD-Politikerin will für ihr neues Angebot die Erfahrungen aus dem bereits bestehenden Programm des Berliner Trägers Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung (GSUB) nutzen. Bei der GSUB dauert die Coaching-Phase bisher ein halbes Jahr, die Beratung richtet sich dabei an die neu vermittelten Erwerbstätigen ebenso wie an Unternehmen, die bei der Einarbeitung unterstützt werden.

Kolat will dieses Prinzip aber deutlich breiter anwenden. Sie schlägt vor, dass ein Coach etwa 40 Berliner Erwerbslose begleiten soll. Profitieren solle jeder Arbeitslose, gleich ob er von den Jobcentern betreut würde, einen Ein-Euro-Job hätte oder über ein anderes Förderprogramm beschäftigt würde. "Der Coach berät ihn in allen Fragen", sagte Kolat. "Wo finde ich die richtige Qualifizierung, welche Berufe kommen für mich infrage, wo kann ich mich bewerben, wie mache ich das?"

Für reguläre Jobs fit machen

Mit dieser neuen Initiative will die Senatorin ihr Ziel umsetzen, 20.000 Langzeitarbeitslose dauerhaft in Arbeit zu bringen. Insgesamt waren in Berlin im November dieses Jahres 201.000 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 160.000 als meist langzeitarbeitslose Empfänger von Hartz IV bei den Jobcentern. Nach Daten der Regionaldirektion hat sich die Zahl derjenigen Arbeitslosen, die im November 2012 eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich reduziert.

Berlins erste türkischstämmige Senatorin hat sich vorgenommen, in der Arbeitsmarktpolitik umzusteuern. Weg von Beschäftigungsmaßnahmen im sozialen oder kulturellen Sektor, hin zur besseren Qualifizierung für Langzeitarbeitslose, um deren Vermittlungschancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern. Daneben sollen aber auch in einem Umfang von rund 20.000 Stellen Beschäftigungsmaßnahmen wie Ein-Euro-Jobs erhalten bleiben. Auf diese Weise finanziert die Regionaldirektion Einsatzmöglichkeiten in einem "sozialen Arbeitsmarkt" für diejenigen Hartz-IV-Empfänger, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine oder nur sehr geringe Aussichten haben.

Kolat will Maschinerie neu ausrichten

Mit seinen eigenen Mitteln will Berlin sich aber darauf konzentrieren, Menschen für reguläre Jobs fit zu machen. Man habe zwar auch in der Vergangenheit viel getan für Arbeitslose, "nicht allerdings dafür, dass wir die Menschen dauerhaft in Arbeit bringen", sagte Kolat. "Meine Aufgabe ist es, die Maschinerie neu auszurichten. Ende des Jahres kann ich feststellen, dass wir nun so weit sind. Die Programme sind neu konzipiert. Die Umsetzung läuft 2013 an."

Kolat räumte ein, dass es komplizierter als erwartet sei, mit den Programmen umzusteuern und die 900 in Berlin tätigen Träger auf die neue Linie einzuschwören. Auch deswegen habe man das im Landeshaushalt bereitstehende Geld von 100 Millionen Euro für die Arbeitsmarktpolitik des Landes nicht komplett ausgeben und die vorgesehenen Plätze nicht mit Arbeitslosen besetzen können. Im September waren erst 56 Millionen Euro fest verplant. Laut Kolat soll diese Summe aber bis Jahresende deutlich wachsen, sodass am Ende rund zehn Millionen Euro ungenutzt bleiben würden. Die Senatorin führte die Probleme auch auf die Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf der Bundesebene zurück, sie habe die Umsetzung auf der Landesebene verzögert.

Die Senatorin appellierte auch an die Berliner Betriebe, ihre Türen für Langzeitarbeitslose zu öffnen: "Nur dann können unsere Landesprogramme zum Erfolg führen."

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