29.12.12

Besucherrekord

Berliner Hotels sind zu Silvester komplett ausgebucht

Mit mehr als zwei Millionen Besuchern wink auch dieses Jahr ein Besucherrekord zum Jahresende. Es gibt kein freies Zimmer mehr.

Von Andreas Gandzior
Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

Wunsch: Katherina Stein, Simone Bäume und Christina Fahrendorf (v. l.) aus der Nähe von Münster wollen ihr Weihnachtsgeld in Berlin ausgeben
Wunsch: Katherina Stein, Simone Bäume und Christina Fahrendorf (v. l.) aus der Nähe von Münster wollen ihr Weihnachtsgeld in Berlin ausgeben

"This over the street is the KaDeWe. The biggest Kaufhaus", erklärt eine Berliner Rentnerin. "Now you must aussteigen." Dabei pocht die Dame mit dem Zeigefinger gegen die beschlagene Scheibe des Busses M29 in Richtung Kaufhaus. Ihr gegenüber im Bus sitzt ein junges Paar aus Frankreich. Sie steigen am Wittenbergplatz aus dem Bus. In diesen Tagen kommen ortskundige Berliner kaum umhin, Wege zu beschreiben, Gebäude zu erklären oder einfach nur zu sagen, an welcher Station es am günstigsten ist, den Bus oder die U-Bahn zu verlassen. Erklärt wird mit mehr oder weniger guten Fremdsprachkenntnissen. Notfalls auch mit Händen und Füßen. In der Stadt werden in den kommenden Tagen rund zwei Millionen Touristen aus aller Welt sein. Und die Berliner versuchen sich als gute Gastgeber.

Nach Angaben von Burkhard Kieker, Geschäftsführer von Visit Berlin, der Berliner Tourismusgesellschaft, sei Berlin "ausverkauft". Es gebe über Silvester keine freien Zimmer mehr. Egal, in welcher Preisklasse. Die Zahl der Berlin-Besucher ist in diesem Jahr erneut im zweistelligen Bereich gestiegen. Erwartet wird ein Plus von zehn Prozent. Im ersten Halbjahr kamen rund fünf Millionen Touristen nach Berlin. Insgesamt 20 Millionen Übernachtungen zählten die Tourismuswerber in diesem Jahr. Die ausländischen Gäste legten mit einem Plus von 13 Prozent deutlich zu. Berlin liegt nun hinter London und Paris auf dem dritten Platz. Mittlerweile kommen 41 Prozent der Berlin-Besucher aus dem Ausland. Vor zehn Jahren waren es noch 26 Prozent.

Die Weltberühmte Berliner Currywurst

"Gleich nach Weihnachten ging es mit den Touristen richtig los", sagt eine Currywurstverkäuferin. "Was eine Curry ist, muss ich nicht erklären, die ist weltberühmt." Auch Emma Nilsson und Christoffer Björk aus Malmö lassen sich die Berliner Spezialität schmecken. "Wir haben keine Pläne für die kommenden fünf Tage gemacht", sagen sie. "Je nach Wetter gehen wir ins Museum oder draußen spazieren." In einer Flugstunde sind sie aus der schwedischen Stadt nach Berlin gekommen. Für sie stand fest, dass eine Silvesterfeier in Deutschland nur nach Berlin führen kann. "Es ist die Hauptstadt. Hier gibt es mehr zu erleben, als in anderen Städten." Wenn es Silvester nicht regnet, dann soll es auf die Partymeile am Brandenburger Tor gehen.

Ruhiger und etwas gediegener planen Stefania und Vincenzo Leo aus Turin die letzte Nacht des Jahres. "Vor zwei Jahren waren wir Silvester in Paris, vergangenes Jahr in London und in diesem Jahr verbringen wir eine Woche in Berlin", sagen sie. "Shoppen, nett essen gehen und die Stadt erkunden." Berlin sei eine berühmte Stadt, in der es sehr viel zu entdecken gebe, sagen sie. Mit dem Finger auf dem Stadtplan suchen sie den Weg zum Savignyplatz. "Uns wurde gesagt, dass es dort und in den kleinen Straßen nette Restaurants geben soll." Viele tausende Touristen entdecken die Stadt auf Rundfahrten in Doppelstöckigen Bussen. Per Kopfhörer lassen sie sich die Sehenswürdigkeiten in bis zu 13 verschiedenen Sprachen erklären. Alle paar Minuten rauschen voll besetzte Busse über den Kudamm. Auf den Bürgersteigen des Boulevards orientieren sich die Besucher mit Stadtplänen oder nutzen ihre Tablet PCs und Smartphones als Navigationsgeräte. Ein Heer von Trolleys rattert über das Pflaster durch die Innenstadt auf dem Weg zu den Hotels, Pensionen, Hostels und Appartements.

In Berlin das Weihnachtsgeld verprassen

"Wir haben Anfang November ein Hotelzimmer im Internet gebucht", sagt Katherina Stein. Gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen Simone Bäume und Christina Fahrendorf haben die drei Frauen aus der Nähe von Münster nur einen Wunsch: "Wir wollen unser Weihnachtsgeld verprassen." Den Geschäften am Alexanderplatz und an der Friedrichstraße haben sie am Sonnabendmittag bereits einen Besuch abgestattet. Die Hackeschen Höfe haben sie besichtigt, das Brandenburger Tor auch. In jeder Hand eine Einkaufstüte kennen sie nur ein Ziel. "Jetzt fahren wir zum Kudamm."

Wie viel Geld sie dort noch ausgeben wollen, verraten sie nicht. Doch von den Statistikern wissen wir, dass jeder Berlin-Tourist pro Tag durchschnittlich 204,70 Euro ausgibt, inklusive Übernachtung. Tagesgäste lassen 35,70 Euro in der Stadt. Die vier Belgier Jimmy Loos, Roel Evenes, Geert van Hertlum und Joris Brouwers wollen bis zum 2. Januar Party feiern. "Silvester ist klar, dass wir auf die Party am Brandenburger Tor gehen", sagen sie. "An den anderen Abenden ziehen wir einfach los. Irgendwo ist immer etwas los." Sie haben gemeinsam eine Ferienwohnung in Prenzlauer Berg gemietet und ziehen recht ziellos in Richtung Bahnhof Zoo.

Buslinie 100 bei Touristen beliebt

Dort stehen sich die Touristen an der Bushaltestelle der Linie 100 die Beine in den Bauch. Es hat sich rumgesprochen, dass auf der Linie 100 eine kleine Stadtrundfahrt für 2,40 Euro möglich ist. Kaum hat einer der Busse seine Türen geöffnet, drängen die Besucher in den Bus. Sie sind so voll, dass der Busfahrer an jeder zweiten Station über die Lautsprecher bittet, die Plätze an den Türen freizulassen. "Und das Ganze jetzt in sieben Sprachen bitte", ulkt ein Tourist aus dem Rheinland. Unrecht hat er nicht. Denn den Busfahrer kann kaum einer der Fahrgäste verstehen.

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