28.12.12

Silvester

Was Sie zu Raketen und Böllern wissen müssen

Der Verkauf von Feuerwerkskörpern hat in Berlin begonnen. Doch was ist zu beachten, was erlaubt und was nicht? Fragen und Antworten.

Von Markus Falkner
Foto: dpa

Theoretisch darf fast jeder Einzelhändler in Berlin Böller und Raketen verkaufen. Einzige Bedingungen: Erlaubt ist nur der Verkauf aus geschlossenen Räumen, in Kiosken oder offenen Ständen – etwa in Einkaufspassagen – ist Pyrotechnik tabu
Theoretisch darf fast jeder Einzelhändler in Berlin Böller und Raketen verkaufen. Einzige Bedingungen: Erlaubt ist nur der Verkauf aus geschlossenen Räumen, in Kiosken oder offenen Ständen – etwa in Einkaufspassagen – ist Pyrotechnik tabu

Es wird wieder geböllert in Berlin. Schon seit Tagen werden in einigen Ortsteilen Feuerwerkskörper gezündet – zum Ärger vieler Anwohner. Zudem kam es in den vergangenen Tagen bereits mehrfach zu teilweise schweren Verletzungen durch illegal oder leichtsinnig verwendete Knallkörper.

Offiziell und legal startet der Verkauf von Silvesterböllern und Raketen am heutigen Freitag. Von Krise wollen die Deutschen zum Jahreswechsel offenbar nichts wissen. Bundesweit rechnet die Pyrotechnik-Branche mit einem Umsatz von 115 Millionen Euro.

Die wichtigsten Fragen zum Silvester-Feuerwerk beantwortet die Berliner Morgenpost:

Wer darf Feuerwerk verkaufen?

Theoretisch darf fast jeder Einzelhändler in Berlin Böller und Raketen verkaufen. Einzige Bedingungen: Erlaubt ist nur der Verkauf aus geschlossenen Räumen, in Kiosken oder offenen Ständen – etwa in Einkaufspassagen – ist Pyrotechnik tabu.

Außerdem müssen Händler mindestens zwei Wochen vor dem Verkaufsstart bei den Behörden anzeigen, dass sie Feuerwerk verkaufen wollen.

Für die Verkaufsräume gelten ebenfalls einige Regeln. So darf Feuerwerk nicht neben leicht entflammbaren Waren oder beispielsweise Spraydosen liegen. Außerdem gelten Höchstmengen für die Lagerung. Natürlich müssen Löschmittel jederzeit erreichbar sein.

Was darf verkauft werden?

Vom 28. bis 31. Dezember 2012 dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie 2 verkauft werden. Dazu zählen etwa Knallfrösche, Böller, klassische Silvester-Raketen und die seit einigen Jahren beliebten Raketen-Batterien. Die Käufer müssen mindestens 18 Jahre alt sein.

Legal sind nur Feuerwerkskörper, die von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen und gekennzeichnet sind. Vorgeschrieben ist auch eine deutschsprachige Gebrauchsanweisung.

In diesem Jahr scheiterten 36 Prozent der geprüften Feuerwerkskörper an den Kriterien der BAM und wurden deshalb nicht zugelassen. Feuerwerkskörper der Kategorie 1 (etwa Wunderkerzen und Tischfeuerwerk) dürfen das ganze Jahr über und auch an Jugendliche ab zwölf Jahren verkauft werden. Pyrotechnik der Kategorien 3 und 4 darf nur an professionelle Feuerwerker verkauft werden. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Wer kontrolliert das?

Zuständig sind die Ordnungsämter der Berliner Bezirke. Für flächendeckende Kontrollen aller Verkaufsstellen fehlt aber meist das nötige Personal.

In Mitte sind beispielsweise vier Teams von Ordnungs- und Gewerbeamt unterwegs, wie Stadtrat Carsten Spallek (CDU) bestätigt. Doch die stichprobenartigen Kontrollen zeigen nach Spalleks Angaben Erfolg: "In den letzten zehn Jahren gibt es eine Tendenz, dass immer weniger Verstöße festgestellt werden", sagt er. Als Gründe führt er, neben der Angst erwischt zu werden, auch geänderte gesetzliche Bestimmungen an. So dürften in den Läden heute deutlich mehr Feuerwerkskörper als früher gelagert werden.

Auch Charlottenburg-Wilmersdorfs Ordnungsstadtrat Marc Schulte (SPD) betont, dass die Zahl der festgestellten Verstöße zurückgegangen ist.

Wann darf geböllert werden?

Auch wenn in Berlin ein anderer Eindruck entsteht – die sogenannte Abbrennzeit ist klar geregelt. Vom Silvesterabend, 18 Uhr, bis Neujahrsmorgen, 7 Uhr, dürfen Raketen und Böller gezündet werden. Wer vorher knallt, dabei andere in Gefahr bringt und erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von etwa 100 bis 150 Euro rechnen, wie Stadtrat Schulte bestätigt.

Allerdings muss er zugeben, dass den Ordnungsämtern meist die Hände gebunden sind. Für eine flächendeckende Kontrolle fehlt auch in diesem Fall das Personal, vor allem am bevorstehenden Wochenende vor Silvester. Außerdem, so Schulte, sei es meist schwierig, nach einem Knall zweifelsfrei festzustellen, wer den Böller gezündet hat. Was ist so gefährlich an Böllern?

Allein in Berlin zählt die Feuerwehr Jahr für Jahr etwa 500 Verletzte in der Silvesternacht. Zu den häufigsten Blessuren zählen Hörschäden, Verbrennungen und Fingerverletzungen. Besonders gefährlich sind illegal eingeführte Knallkörper wie die sogenannten Polen-Böller. Sie enthalten oft deutlich mehr Sprengstoff und explodieren unkalkulierbar schnell und viel lauter als legale Knaller.

Verletzungen gibt es aber auch, weil viele Menschen mit legalen Feuerwerkskörpern leichtsinnig umgehen – etwa Böller in der Hand zünden oder mit Raketen und Knallern auf andere Menschen zielen. Auch die beliebten Raketen-Batterien haben ihre Tücken. Seit dem vergangenen Jahr dürfen sie laut EU-Verordnung bis zu 500 Gramm – statt zuvor 200 Gramm – Sprengstoff enthalten. Beim Zündeln raten Experten daher zu besonderer Vorsicht.

Wie kann ich mich vor Schäden und Verletzungen schützen?

Die Feuerwehr rät, rechtzeitig am Silvestertag Fenster, Dachluken, Balkontüren und Garagentore zu schließen. Außerdem sollten alle brennbaren Gegenstände vom Balkon verschwinden.

Wer sich ins Partygeschehen auf den Straßen stürzen will, dem empfehlen HNO-Ärzte, vorsorglich Ohrstöpsel zu tragen.

Wer selber Raketen abfeuern will, sollte für sichere "Abschussrampen" sorgen. Der Klassiker – leere Flaschen in einer Getränkekiste – leistet immer noch gute Dienste. Außerdem sollten Böller nie in der Kleidung transportiert werden. Raketen oder Böller, die nicht auf Anhieb zünden, sollten nie ein zweites Mal angezündet werden, rät der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI).

Blindgänger mit nur einer Zündschnur sollten mit Wasser übergossen und entsorgt werden. Gibt es eine Ersatzzündschnur, sollte jene erst nach 15 Minuten Wartezeit angezündet werden.

Wer zahlt, wenn etwas schief geht?

Grundsätzlich haftet für Schäden der Verursacher. Ist er nicht zu ermitteln, springen oft Versicherungen ein, bei Brandschäden in der Wohnung etwa die Hausratversicherung.

Wird ein Auto durch Böller in Brand gesetzt oder beschädigt, zahlt die Teilkasko-Versicherung. Vollkasko-Versicherte bekommen auch Schadenersatz, wenn ihr Auto in der Silvesternacht mutwillig ramponiert wird.

Die private Haftpflichtversicherung zahlt meist, wenn etwa Partygäste in einer fremden Wohnung mit Feuerwerkskörpern Schaden anrichten. Sie kann auch zuständig sein, wenn Jugendliche unerlaubt mit Knallkörpern hantieren und dadurch jemand zu Schaden kommt.

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