27.12.12

Postbank

Berliner fordert bei Überfall zwei Bier und ein TV-Interview

Warum Hans Peter G. mit Schreckschusspistole in die Filiale an der Joachimstaler Straße eindrang, ist noch offen. Er war offenbar verwirrt.

Von Michael Behrendt, Hans Nibbrig und Steffen Pletl
Foto: Steffen Pletl

Sicherung: Polizeibeamte sperren nach der Überwältigung des Geiselnehmers den Tatort, die Postbankfiliale an der Joachimstaler Straße
Sicherung: Polizeibeamte sperren nach der Überwältigung des Geiselnehmers den Tatort, die Postbankfiliale an der Joachimstaler Straße

Das Bild, das sich Passanten an der Joachimstaler Straße in Berlin-Charlottenburg am frühen Donnerstagnachmittag bot, erinnerte stark an das dramatisch Geschehen während der Geiselnahme in Zehlendorf vor knapp einer Woche. Auch diesmal sammelte sich ein großes Polizeiaufgebot vor einer Bankfiliale, Spezialkräfte rückten an, die unmittelbare Umgebung der Bank wurde geräumt, Straßen wurden gesperrt.

Die Polizei hatte gegen 13.20 Uhr das Stichwort "Geisellage" ausgelöst, kurz nachdem sie von Mitarbeitern der Postbankfiliale an der Joachimstaler Straße alarmiert worden war. Ein knapp zehnstündiger Nervenkrieg wie in Zehlendorf blieb den Beamten ebenso wie den Bankmitarbeitern und Anwohnern allerdings erspart. Nach knapp 50 Minuten konnte der Einsatz unblutig beendet und der Geiselnehmer, der einen Bankmitarbeiter bedroht hatte, überwältigt und festgenommen werden.

Bankangestellten mit Schreckschusspistole bedroht

Wie ein Polizeisprecher mitteilte, hatte der 68 Jahre alte Täter die Postbankfiliale betreten und sofort einen Kundenberater bedroht. Dabei verwies er auf eine Waffe, die er bei sich trug, die sich allerdings später als Schreckschusspistole entpuppte. Bis auf den direkt bedrohten 49 Jahre alten Bankangestellten konnten mehrere Kunden und alle anderen Mitarbeiter die Filiale verlassen.



Gegenüber seiner Geisel forderte Hans Peter G. allerdings nicht, wie eigentlich in solchen Fällen erwartet, Bargeld, sondern ein Fernsehinterview mit dem RBB. Diese Forderung wurde anschließend noch einmal erhöht: Zur Verkürzung der Wartezeit bis zum Eintreffen des Fernsehteams verlangte der 68-Jährige zwei Bier.

Polizeieinsatz nach 50 Minuten beendet

Während sich die Situation in der Bankfiliale eher skurril denn bedrohlich entwickelte, liefen draußen die üblichen polizeilichen Maßnahmen an, die eine Woche zuvor nahezu das komplette Zentrum von Zehlendorf über Stunden lahm gelegt hatten. Die Joachimstaler Straße wurde zwischen Bahnhof Zoo und Kurfürstendamm gesperrt, auch an der Kantstraße musste der Verkehr teilweise umgeleitet werden. Auch das unmittelbare Umfeld des Tatortes wurde geräumt.

Doch dieses Mal währte die Aufregung zum Glück für alle Beteiligten nicht lange. Das vom Täter erwartete Fernsehteam kam nicht, dafür war es Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) gelungen, unbemerkt in die Filialräume zu gelangen. Dort konnten sie den völlig überraschten Hans Peter G. überwältigen und festnehmen. Während die Geisel unverletzt blieb, zog sich der Täter bei dem SEK-Einsatz leichte Blessuren zu und kam vorsorglich zur Untersuchung in ein Krankenhaus. Welche Botschaft er der Öffentlichkeit über das Fernsehen mitteilen wollte, ist derzeit noch unbekannt. Der 68-Jährige wurde nach der Untersuchung im Krankenhaus von Ermittlern zu den Hintergründen seiner Tat vernommen, auch Zeugen wurden befragt. Die Entscheidung über einen Haftbefehl für den Täter blieb am Donnerstag vorerst offen. Auch eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik stand zunächst zur Debatte. Denn G. soll zum Teil einen verwirrten Eindruck gemacht haben.

Vernehmung des Geiselnehmers

Unterdessen wird der 29-jährige Klaus D., der am Freitag vergangener Woche in einer Filiale der Deutschen Bank an der Potsdamer Straße in Zehlendorf eine Geisel genommen hatte, immer noch vernommen. Nach wie vor ist sein Motiv nicht restlos geklärt, auch wenn die Polizei frühzeitig davon ausging, dass ihn Schulden zu der Tat trieben. Auch auf die Frage, warum sich der Wolfsburger eine Bank in Berlin und speziell in Zehlendorf aussuchte, haben die Ermittler noch keine Antwort.

Die gesamte Art der Tatbegehung deute darauf hin, dass der Überfall eher unüberlegt erfolgte, hieß es aus Ermittlerkreisen. Derzeit würden auch Bankmitarbeiter als Zeugen befragt, zudem werde im familiären Umfeld des Mannes in Wolfsburg ermittelt, sagte Justizsprecherin Simone Herbeth am Donnerstag. Der 29-Jährige sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Ihn erwartet eine Anklage wegen erpresserischen Menschenraub.

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