27.12.12

Studie

Berliner stehen drei Tage im Jahr im Stau

Durchschnittlich 69 Stunden steckt jeder Berliner Autofahrer pro Jahr im Verkehr fest. Und das, obwohl es weniger Pkw gibt.

Von Isabell Jürgens
Foto: Glanze

Geduld: Die Autofahrer stehen in Berlin viele Stunden im Stau
Geduld: Die Autofahrer stehen in Berlin viele Stunden im Stau

Jeder Berliner Autofahrer steht jährlich knapp 70 Stunden im Stau. Zu diesem Ergebnis kommt der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) in einer neuen Studie. Danach hat das Verkehrsaufkommen auf Berlins Straßen in den vergangenen 20 Jahren um knapp 19 Prozent abgenommen. Eigentlich müssten Autofahrer also deutlich schneller durch die Stadt kommen, doch das ist nicht der Fall.

Der Stau hat nach Berechnungen der Wirtschaftsorganisation VBKI enorme wirtschaftliche Auswirkungen. Allein der erhöhte Kraftstoffverbrauch durch vermeidbare Staus, die durch mangelhafte Verkehrsplanung verursacht werden, belastet Berliner Autofahrer mit rund 160 Millionen Euro zusätzlichen Kraftstoffkosten pro Jahr. "Unsere Hochrechnungen haben ergeben, dass durch die heute eingetretene Situation auf den Hauptstraßen jährlich mindestens 100 Millionen Liter Kraftstoff unnötig verbrannt werden", sagte VBKI-Geschäftsführer Udo Marin. Das entspreche einer Menge von rund 3700 Tankwagenladungen. Umwelt und Verkehrsteilnehmer würden dadurch massiv belastet: Der Mehrverbrauch an Kraftstoff allein aufgrund von Verkehrsstörungen führe zu einer Erhöhung des Kohlendioxidausstoßes um 230.000 Tonnen.

42 Prozent längere Fahrzeit im morgendlichen Berufsverkehr

Neben erhöhter Spritkosten bedeutet das häufige Stop-and-go jedoch auch einen erheblichen Zeitverlust. Wie hoch dieser in Berlin und 30 anderen europäischen Großstädten ist, errechnete der niederländische Navigationsanbieter TomTom. Aus Millionen von Nutzerdaten stellte das Unternehmen für den Zeitraum von April bis Juni 2012 den sogenannten Stau-Index zusammen. Demnach verlängert sich die Fahrzeit aufgrund der hohen Verkehrsbelastung im morgendlichen Berufsverkehr in Berlin um 42 Prozent.

Legt man eine Fahrzeit von 30 Minuten bei flüssigem Verkehr zugrunde, entspricht dies einer um knapp 13 Minuten verlängerten Fahrzeit. Am Nachmittag und frühen Abend dauert es mit 44 Prozent sogar noch etwas länger. Im Tagesdurchschnitt gilt ein Wert von 26 Prozent – das bedeutet knapp acht Minuten mehr Fahrzeit. In absoluten Zahlen bedeutet dies: Autofahrer, die bei fließenden Verkehr täglich 30 Minuten unterwegs wären, stehen in Berlin rein rechnerisch jedes Jahr 69 Stunden im Stau. Damit landet Berlin im europaweiten Ranking auf Platz 13. Spitzenreiter ist Polens Hauptstadt Warschau. Pendler mit einem Arbeitsweg von 30 Minuten stehen dort im Jahr insgesamt 106 Stunden im Stau.

Kritik an Baustellenkoordinierung

"Den Verkehrsteilnehmern entstehen durch Stop-and-go zusätzliche Spritkosten. Darüber hinaus führt das schlecht organisierte Verkehrsgeschehen auf den Hauptverkehrsstraßen zu einer Verlagerung von Verkehrsflüssen auf Wohnstraßen", sagte Christian Graf von Hardenberg, Vorsitzender des VBKI-Arbeitskreises Verkehr. "Diese Situation ist umso unverständlicher, als Berlin über vergleichsweise gute Voraussetzungen in der Verkehrsinfrastruktur verfügt", ergänzte der Verkehrsexperte. Auf 1000 Einwohner kommen in Berlin nur 324 Pkws. In Hamburg sind es 407, in München sogar 481 Fahrzeuge. Berlin sei auch technisch gut ausgestattet, sagte Graf von Hardenberg. 2000 Ampeln regeln den Verkehr, kontrolliert von einer der modernsten Verkehrsrechenzentralen Europas. Die Verkehrsinformationszentrale der Stadt, gleichfalls eine der modernsten Europas, liefere zudem alle erforderlichen Daten über Baustellen und Veranstaltungen, die zu Problemen führen können.

"Unter diesen Prämissen müsste der Straßenverkehr eigentlich entspannt fließen können", sagte VBKI-Geschäftsführer Marin. Offenkundig werde aber das technische Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft, weil das Personal fehle. Viel zu oft seien die Signalpläne der Ampeln über ein festes Kalenderprogramm getaktet. Aktuelle Störfälle, etwa Unfälle auf der Stadtautobahn, würden dagegen nicht berücksichtigt. Der VBKI fordert, dass in den Behörden verkehrstechnisches Fachpersonal aufgebaut wird.

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