25.12.12

Weihnachtsbummel

Wie Berliner Prominente durch die Feiertage spazieren

Nach der Gans tut ein Spaziergang oft gut. Berliner Schauspieler und Entertainer geben Tipps zum weihnachtlichen Stadt- und Parkbummel.

Von Manuela Blisse
Foto: Amin Akhtar

Gemütlich: Entertainerin Gayle Tufts empfiehlt für ihren Spaziergang das winterliche Schöneberg
Gemütlich: Entertainerin Gayle Tufts empfiehlt für ihren Spaziergang das winterliche Schöneberg

Eine weiße Weihnacht würde Polonius gefallen. "Er tobt gerne im Schnee", sagt Walter Plathe über seinen zehn Jahre alten, nach einer Shakespeare-Figur aus "Hamlet" benannten Rauhaardackel. Doch auch bei jedem anderen Wetter drehen beide ihre Runde. Für den Vierbeiner ist es Gassi, für Plathe eine "schöne Erholung" von der täglichen Theaterarbeit. Besonders zu Weihnachten, denn an beiden Feiertagen steht der Schauspieler als "Eiserner Gustav" auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm.

Dann wird aus der Routine ein Weihnachtsspaziergang. "Ich wohne in der Nähe des Friedrichstadtpalastes. Von dort aus schlendern wir ein ganzes Stück am Spreeufer entlang. Man sieht das Bodemuseum auf der Museumsinsel und dann bummeln wir durch den Monbijoupark, in dem das Hexenkessel Hoftheater mit der Märchenhütte seinen Winterspielort hat. Wenn die Zeit reicht, gehen wir auch noch ins Nikolaiviertel und gönnen uns eine Boulette", sagt er über seinen halb- bis dreiviertelstündigen Kulturspaziergang durch das alte Zentrum Berlins.

Eigentlich würde man meinen, dass Hundebesitzer den Grunewald als Auslaufgebiet bevorzugen und in punkto Spazierengehen zu Weihnachten die Wald- und Seengebiete der Stadt favorisieren. Doch fragt man Plathe und seine Bühnen-, Schauspiel- und Sangeskollegen, scheint es einen Trend zum weihnachtlichen Stadt- und Parkbummel zu geben.

Joana Zimmer im Schlosspark

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Lo Malinke vom Duo Malediva reist zwar in seiner Weihnachtsshow im Tipi am Kanzleramt nach Tahiti, in seiner Freizeit aber geht es an den Grunewaldsee. "Dort können meine Hunde Bolle und Berta mit Artgenossen toben und sogar Wildschweine bestaunen", so der Entertainer, der sich fürs Hundeunterhaltungsprogramm gerne kulinarisch im Forsthaus Paulsborn belohnt. Alleine der Kuchen, so Malinke, lohne die Anfahrt.

Weihnachtsmärkte gelten als Einstimmung aufs Fest. Besucht man sie an den Weihnachtstagen, potenzieren sie die Stimmung. Dass der Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Charlottenburg bis zum 26. Dezember geöffnet hat, ist für Joana Zimmer Weihnachtsglück im Doppelpack. "Ich spaziere gern im Schlosspark", erzählt die blinde Sängerin. "Zurzeit gehe ich vorher noch über den Weihnachtsmarkt und kaufe mir eine Tüte gebrannte Mandeln als Wegzehrung."

Die Artisten des Chamäleons in den Hackeschen Höfen outen sich ebenfalls als Weihnachtsmarktfans. Ein Bummel über den schönen Gendarmenmarkt, wo der Weihnachtsmarkt bis Silvester geöffnet ist, versetzt den Akrobaten Olaf Triebel in die richtige Stimmung.

An den Feiertagen steht er in der "Loft"-Show auf der Bühne, hält aber einen nicht ganz uneigennützigen Tipp für Kulturspaziergänger parat: Einen Bummel um die Hackeschen Höfe mit anschließendem Showbesuch. Dann aber bitte, so Triebel mit einem Augenzwinkern, die Plätzchen für die Künstler nicht vergessen.

Mit Gayle Tufts durch Schöneberg

Da hat es Gayle Tufts, ein großer Fan der Weihnachtszeit in Deutschland, dieses Jahr günstiger getroffen. Sie steht mit "Let it Show!" erst wieder ab dem 27. Dezember auf der Bühne des Tipis am Kanzleramt. Die Entertainerin mit amerikanischen Wurzeln ist ein Bewegungsfan. Gerade bei dem guten Essen während der Festtage ist ihr Joggingprogramm der Ausgleich.

"Ich jogge durch den Rudolph-Wilde-Park, laufe durch die Salzburger Straße, wo es den figurtechnisch gefährlichen aber wunderbaren und an Heiligabend geöffneten Pralinenladen 'Das süße Leben' gibt. Am Schöneberger Rathaus denke ich an John F. Kennedy und seine berühmten Worte "Ich bin ein Berliner', laufe die Wartburgstraße hinunter in die Goltzstraße". Die Schöneberger Runde sei allerdings auch geruhsamen Schrittes ein Vergnügen.

Ihre Schöneberg-Tour endet häufig im "Tee Tea Thé", einem auch an Heiligabend sowie an beiden Weihnachtsfeiertagen geöffneten Teesalon. Neu zu entdecken, so die Komödiantin, gibt es im Nachbarbezirk Kreuzberg den Park am Gleisdreieck, der nach und nach aus seinem Brachflächen-Dornröschenschlaf erweckt wird.

Ihn findet Gayle Tufts "sensationell". Doch wegen ob der vielen Treppen ist er nur dann wintertauglich, wenn die Jahreszeit sich eisfrei gibt. Auf jeden Fall sollte man sich, so die Entertainerin, mit festem Schuhwerk ausrüsten. Sonst ist der sanft ansteigende Zugang Yorckstraße zu empfehlen.

Ades Zabel in der Hasenheide

Von Kreuzberg und vom BKA-Theater aus, wo Ades Zabel alias Edith Schröder Weihnachten in "Wenn Ediths Glocken läuten, Vol. 9" unterhält und anschließend mit einem neuen Edith-Stück Premiere feiert, ist es nicht weit nach Neukölln. Er schwärmt für die dortige Hasenheide.

"Der Park hat einen schlechten Ruf, ist aber schön. Von der kleinen Anhöhe kann man, wenn Schnee liegt, sogar Schlitten fahren", sagt Zabel. "Alternativ hat der Treptower Park rund um das Sowjetische Ehrenmal eine besondere Atmosphäre", so der Schauspieler und Travestiekünstler, der beim Parkbummel auch gerne einen Besuch der nahe gelegenen Insel der Jugend einschiebt.

Erreichbar ist das Eiland in der Spree über eine markante Fußgängerbrücke. Jahrelang ein Ort für Konzerte und Feste, musste der Kulturbetrieb in diesem Jahr aufgrund von Lärmbeschwerden eingestellt werden. Nun ist dort die "Insel der Ruhe". Auf dem "Klipper", einem zum Café-Restaurant umgewandelten Segelschiff von 1890, das am Spreeufer vertäut ist, beendet Ades Zabel seine Tour beim Kaffeetrinken.

Kerstin Linnartz und das Spreeufer

Ganz in der Nähe ist auch die Moderatorin und Schauspielerin Kerstin Linnartz unterwegs. "Ich schreibe gerade an meinem ersten Yoga-Buch, sitze dafür viel am Schreibtisch, auch zu Weihnachten. Um meinen Kopf frei zu bekommen gehen mein Freund und ich gerne spazieren oder joggen", sagt sie.

"Das Spreeufer am Plänterwald ist meine Lieblingsstrecke." Vor allem, wenn es richtig winterlich ist: "Dann sieht man auf der einen Seite das halb gefrorene Wasser und auf der anderen die eingeschneiten Dinosaurier des alten Freizeitparks, das ist einfach magisch", so die 36-jährige Wahlberlinerin.

Ein anderes Gewässer gehört zu den Lieblingsecken von Sabine Kaack. "Ich liebe es, am Schlachtensee entlangzulaufen. Mein Hund kann sich hier richtig austoben", sagt die Schauspielerin.

Dagmar Biener im Ruhwaldpark

Ebenfalls mit Hund, mit dem Rauhaardackel Emil, gerade einmal drei Monate alt, ist Dagmar Biener täglich und auch an Weihnachten unterwegs. Die Schauspielkollegin von Walter Plathe, ebenfalls im "Eisernen Gustav" als "Muttern" zu sehen, spaziert durch den Charlottenburger Ruhwaldpark.

"Ich bin hier gerne früh am Morgen oder mittags für zwanzig, dreißig Minuten unterwegs. Das ist eine schöne kleine Tour. Im Ruhwaldpark gibt es sogar einen kleinen See", sagt die Schauspielerin, die Emil an der Leine führt, damit er nicht den Joggern hinterherläuft.

Weil an Heiligabend ihre Tochter mit Camillo, einem Bruder von Emil, zu Besuch kommt, wird der Weihnachtsbaum diesmal auf den Tisch gestellt. Sonst, so Dagmar Biener, würden die jungen Dackel auch das Wohnzimmer zum Weihnachtsspielplatz erklären.

Die Schauspielerin hat noch einen anderen Parktipp, wo sie gerne mit Emil spazieren geht: am Brixplatz, einer kleinen, alten Grünanlage, in der sie jüngst sogar einen Habicht beobachtet hat.

Ursli Pfister am Kudamm

Wasser und Schlosspark ist für Tetta Müller ein gelungener Winter- und Weihnachtswandermix. Dafür macht sich der zweite Akteur des Malediva-Duos auf nach Potsdam. "Mein absoluter Favorit ist der 66-Seen-Wanderweg. Das ist Brandenburgs längster Wanderweg und glücklicherweise auch ein Flachwanderweg", sagt der Kabarettist.

"Eine der schönsten Strecken startet am Brandenburger Tor in Potsdam. Sie führt durch den östlichen Teil des Schlossparks Sanssouci, hinunter zur Havel, dann am Ufer des Templiner Sees in südlicher Richtung bis zum Bahndamm, über den man auf die gegenüberliegende Seeseite wechselt, um durch die Potsdamer Heide und die Templiner Vorstadt wieder zurück zum Ausgangspunkt Luisenplatz/Brandenburger Tor zu gelangen" sagt Tetta Müller. Nirgendwo könne man Seeblicke und Natur besser mit einem Stadtbummel verbinden.

In Berlin, aber an Orten, die er nicht verraten möchte, hält sich Christoph Marti alias Ursli Pfister zu den Festtagen auf. Bevor er nach Weihnachten bis Silvester wieder in der Bar jeder Vernunft sein Programm spielt, macht er sich zu einem melancholisch-persönlichen Weihnachtsspaziergang auf.

"Ich ziehe mich warm an, gehe auf den über hundert Jahre alten Friedhof Grunewald an der Bornstedter Straße. Der liegt völlig versteckt und ist von Bahngleisen umgeben, weswegen er früher 'Toteninsel' genannt wurde. Ich habe dann eine Thermoskanne mit heißer Schokolade dabei, setze mich auf eine Bank und denke an einen Freund, der dort begraben liegt", sagt Marti.

Anschließend tritt er dann gewissermaßen wieder ins Licht. "Ich gehe den gesamten Kudamm hoch und freue mich an der Weihnachtsbeleuchtung, der schönsten, die ich kenne", sagt Ursli Pfister. "Tausende Glühbirnen hängen dort in den Bäumen. Das ist klassisch, schlicht und hat Stil."

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