24.12.12

Sanierungspläne

Berliner Senat sucht private Partner für das ICC

Wirtschaftssenatorin Yzer will Investoren für das Kongresszentrum gewinnen und sucht einen Messe-Vizechef – nach Möglichkeit eine Frau.

Foto: pa

Mit der richtigen Beleuchtung wirkt das ICC in Berlin-Charlottenburg am Abend und in der Nacht ganz ansehnlich. Über seine Zukunft wird seit Jahren heftig gestritten.

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Das Internationale Congress Centrum (ICC) kann nach der Vorstellung von Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) nur dann weiter als Kongressstandort genutzt werden, wenn sich dies rechnet. "Ich kann mir dauerhaft nicht vorstellen, dass wir da eine Quersubventionierung machen", sagte Yzer der Nachrichtenagentur dpa. Es sei abzuwarten, ob sich die Mischnutzung als Kongressort mit ergänzenden Funktionen als ökonomisch tragfähig erweise.

"Wenn es dafür Interessenten gibt, ist es vernünftig, sich das anzuschauen", sagte Yzer. Sie werde das Abgeordnetenhaus im Januar bitten, Mittel für die Ausschreibung des Nutzungskonzepts freizugeben. Bei der Entwicklung eines Konzepts würden die Vorstellungen der Messe berücksichtigt. Sie wolle sehen, ob es Investoren mit einem schlüssigen Nutzungskonzept gibt.

Auch das Ausschreibungsverfahren für den neuen Messe-Vize soll im Januar beginnen. "Es wird noch einmal sehr deutlich gemacht, dass eine Frau bei gleicher Eignung bevorzugt wird", kündigte Yzer an. Ziel sei, das Verfahren möglichst bis Ende März zu beenden und zeitnah den Posten zu besetzen.

Bewerberinnen bei der Suche bevorzugt

Auf dem Messe-Chefsessel habe sie sich gut eine Frau vorstellen können, sagte die Senatorin. Beim objektiven Beurteilungsverfahren hätten aber zwei männliche Bewerber deutlich vorn gelegen. "Der Vorteil für Christian Göke war seine Kontinuität."

Der künftige Messe-Chef arbeitet bereits seit 13 Jahren mit seinem Vorgänger Raimund Hosch zusammen. Unglücklich sei, dass die Verträge beider Geschäftsführer jetzt zum gleichen Zeitpunkt ausliefen, sagte Yzer. Das werde nun geändert: "Künftig werden wir die Vertragslaufzeiten so ausrichten, dass sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten enden."

Das ICC in Charlottenburg-Wilmersdorf ist seit Jahren ein Problemfall für Berlin. Der 320 Meter lange, 80 Meter breite und 40 Meter hohe Gebäudekomplex wurde nach Plänen der Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte in nur vier Jahren erbaut und am 2.April 1979 eröffnet. Lange Zeit galt es mit seinen 80 Sälen und Räumen als einer der größten und modernsten Kongress-Standorte in Europa.

182 Millionen für Sanierung ermittelt

Allerdings belasteten hohe Betriebskosten und der wachsende Instandhaltungsbedarf die Wirtschaftlichkeit des ICC. Da zudem – wie bei fast allen anderen Neubauten in den 70er-Jahren auch – Asbest für den Brandschutz eingesetzt wurde, muss das Gebäude zudem unfassend saniert werden. Die Kosten dafür stiegen von Gutachten zu Gutachten immer weiter, sodass der Senat als Eigentümer des Kongresszentrums auch dessen Abriss und einen kompletten Neubau an gleicher Stelle erwog.

Zuletzt war für eine Sanierung ein Finanzbedarf von 182 Millionen Euro ermittelt worden. Allerdings fallen Asbestsanierungen von Gebäuden oft deutlich teurer aus als zunächst geplant. Im Mai 2008 fällte der Berliner Senat dann dennoch eine Grundsatzentscheidung zugunsten der Sanierung des ICC. Die benachbarte Deutschlandhalle wurde dagegen abgerissen. Dort soll bis 2014 eine neue Kongress- und Messehalle mit dem Namen CityCube entstehen.

Weniger Veranstaltungen im ICC

Die auch nach 2008 fortgeführte Debatte über die Zukunftsfähigkeit des Kongresszentrums hatte indes negative Folgen. So wird das Kongressgeschäft der landeseigenen Messe Berlin GmbH voraussichtlich kräftig einbrechen. Das ICC ist für das kommende Jahr deutlich schlechter gebucht worden. Für 2012 rechnet die Messegesellschaft mit 181.200 Teilnehmern an 40 Veranstaltungen. 2013 sind bisher erst 32 Veranstaltungen gebucht mit 139.100 Teilnehmern.

Das entspricht einem Minus von fast 25 Prozent bei den Teilnehmern und 20 Prozent bei den auswärtigen Kongressgästen. Nach langen Diskussionen haben die Fraktionen von SPD und CDU kürzlich beschlossen, für die ICC-Sanierung 200 Millionen Euro im Landesetat einzuplanen, wenn ein privater Investor ein sinnvolles Mischnutzungskonzept vorlegt. Mit der nun angekündigten Ausschreibung geht die Senatswirtschaftsverwaltung einen ersten Schritt in diese Richtung.

Vorschläge für eine Mischnutzung hatte es in der Vergangenheit bereits etliche gegeben. Ein Spielcasino war dafür ebenso ins Gespräch gebracht worden wie ein Kunsthaus ähnlich dem Tacheles oder ein Zentrum für die aufstrebende E-Mobilität. Zuletzt hatte der Berliner Architekt Jürgen Engel vorgeschlagen, die geplante neue Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) im ICC unterzubringen. Dadurch könnte auf den umstrittenen, etwa 270 Millionen Euro teuren Neubau am Tempelhofer Feld verzichtet werden. Die ZLB wies den Vorschlag anschließend umgehend zurück.

Quelle: dpa/fü
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