23.12.12

Glatteis

So schlitterte Berlin durch den vierten Advent

Die winterlichen Verhältnisse sorgen für Unfälle und Ausfälle in der Stadt - bei der Berliner U-Bahn ist sogar der Strom "eingefroren".

Von T. Fülling und A. Gandzior
Foto: dpa

Gefährlich: Glatteis und Schnee behinderten vielerorts den Verkehr
Gefährlich: Glatteis und Schnee behinderten vielerorts den Verkehr

Der vierte Advent begann für viele Berliner mit einer eisigen Überraschung: Die Seitenstraßen und Gehwege der Hauptstadt waren am Sonntagmorgen mit einer dicken Eisschicht überzogen. Autofahrer und Fußgänger kamen in vielen Teilen der Stadt und im Umland arg ins Rutschen. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits am Vorabend eine Unwetterwarnung herausgegeben.

Wer das Haus nicht unbedingt verlassen müsse, solle besser daheim bleiben, hieß es. Viele Autofahrer ließen ihr Fahrzeug stehen, zum Teil unfreiwillig. "Ich habe erst einmal fünf Minuten gebraucht, um das vereiste Türschloss aufzubekommen", sagte etwa Peter Kaiser aus Charlottenburg. "Anschließend sind mir zwei Eiskratzer abgebrochen, so dick war die Eisschicht auf meinem Auto."

Autofahrer, die auf Hauptverkehrsstraßen wie der Straße des 17. Juni oder der Leipziger Straße unterwegs waren, fuhren durch Pfützen. Dort war bereits am Vormittag von Eis keine Spur mehr. "Auf den Hauptverkehrsadern in der Stadt arbeiten wir mit Auftaumitteln, damit der private Fahrzeugverkehr rollt und die großen Gelben der BVG sicher durch die Stadt kommen", sagte Bernd Müller, Pressesprecher der Berliner Stadtreinigung (BSR). "Salz dürfen wir aber in den Seitenstraßen nicht einsetzen, und für die Gehwege sind die Hausbesitzer zuständig."

Nach Auskunft Müllers war ab 5 Uhr früh die gesamte BSR-Fahrzeugflotte mit 480 großen und kleinen Räum- und Streufahrzeugen im Einsatz. "Rund 2100 Mitarbeiter waren seit dem einsetzenden Schneefall am Sonnabendnachmittag in drei Schichten auf den Straßen unterwegs." Für die Schichten am Sonnabendnachmittag, am Abend und in der Nacht sei eine Arbeitszeitverlängerung angeordnet worden. "Bei dieser Wetterlage mit Schnee, Eisregen und Schneematsch sind wir auf Nummer sicher gegangen und haben die Schichten auf zehn Stunden verlängert", so Müller.

Züge durch Blitzeis ohne Stromversorgung

Trotz der teilweise spiegelglatten Fahrbahnen kam es nur zu wenigen Verkehrsunfällen. "Es gab eine leicht erhöhte Zahl zwischen fünf und sieben Uhr morgens", sagte ein Polizeisprecher. "In dieser Zeit registrierten wir 20 Unfälle." Bis zum Nachmittag habe es rund 60 Unfälle gegeben.

Ähnlich die Situation in Brandenburg. "Bis zwölf Uhr mittags gab es keine Unfälle auf den Straßen", sagte Mike Schulze vom Lagedienst der Polizei in Potsdam. "Zwischen 12 und 13 Uhr, als viele Leute zu den Einkaufscentern losfuhren, kam es zu 50 Unfällen, bis zum frühen Abend waren es 80 Unfälle." Auf der Autobahn A 15 bei Frankfurt (Oder) starb am Nachmittag eine Person nach einem Verkehrsunfall.

Größere Probleme bereitete das Blitzeis den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Bereits am Morgen musste die U-Bahn den Verkehr auf dem oberirdischen Streckenabschnitt der Linie U3 (Nollendorfplatz–Krumme Lanke) einstellen. Ab 5.45 Uhr fuhren zwischen Krumme Lanke und Breitenbachplatz Busse statt Bahnen. "Die Schienen waren so stark vereist, dass die Züge keinen Strom mehr bekamen", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

Frühe Straßenräumung hilft der BVG

Zunächst wird in einem solchen Fall versucht, mit einem Schmierzug die Strecke freizubekommen. "Doch der kam gerade mal einen Meter weit", so Reetz. Auch der Versuch, mit einem hohen Stromstoß den Eispanzer abzusprengen, scheiterte. Daraufhin versuchten BVG-Mitarbeiter per Hand, die Schienen wieder freizubekommen.

Ab 16.30 Uhr konnten die Züge der Linie wieder durchfahren. Verspätungen gab es auch auf der Linie U1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße), wo die Stromschiene im Bereich der Warschauer Brücke gleichfalls stark vereiste.

Relativ problemlos lief der Verkehr bei Bussen und Straßenbahnen, wo es lediglich vereinzelt zu Verspätungen kam. "Die BSR hat sehr früh damit begonnen, die Straßen zu räumen. Das half auch uns sehr", sagte Reetz. Ohne größere Einschränkungen fuhren am Sonntag die Züge der Berliner S-Bahn und im Regionalbahnverkehr.

Normaler Betrieb in den Rettungsstellen

Eis und Schnee machten zeitweise der S3 (Erkner–Ostkreuz) zu schaffen. Wegen einer Weichenstörung kam es zudem zu Einschränkungen bei der Linie S2 (Blankenfelde–Bernau). "Eine Weichenstörung – das ist doch nichts Besonderes", so der Kommentar des Bahnsprechers.

"Es gab kaum und nur unwesentliche Verspätungen im Flugverkehr", sagte Lars Wagner, Pressesprecher der Berliner Flughafengesellschaft. "In Tegel ist eine Maschine nach Wien mit 30 Minuten Verspätung gestartet."

Die Rettungsstellen der Krankenhäuser hatten am Sonntag auch nicht mehr zu tun als sonst. Im Unfallkrankenhaus Berlin mussten bis zum Abend fünf Verletzte nach Stürzen behandelt werden. Auch in den Vivantes-Kliniken Friedrichshain und Am Urban gab es keinen besonderen Anstieg der Verletztenzahl.

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