23.12.12

Weihnachten

Berliner kaufen Geschenke gern auf den letzten Drücker

Am heutigen letzten Adventssonntag soll es voll in den Geschäften werden. Wohin es die Berliner zum Weihnachtseinkauf treibt.

Von Thomas Fülling, Andreas Gandzior und Viktoria Solms
Foto: dpa

In letzter Minute: Wer noch keine Geschenke hat, kann sich am verkaufsoffenen Sonntag noch einmal in den Berliner Geschäften umsehen
In letzter Minute: Wer noch keine Geschenke hat, kann sich am verkaufsoffenen Sonntag noch einmal in den Berliner Geschäften umsehen

Die Familie von Cleo Walker feiert Weihnachten in diesem Jahr einmal ganz anders als sonst. Sie werden zwar einen Christbaum haben und am Abend Lieder singen. Es wird auch etwas Gutes zu essen geben. "Aber wir haben beschlossen, dass wir uns nichts schenken", sagt Walker, die als Assistentin für eine Künstlerin in Berlin arbeitet. "Wir wollen es einfach nur genießen, dass wir zusammen sind."

Damit sie ihre Verwandten dennoch eine Freude machen kann, hat Walker noch ein paar Macarons gekauft. Diese kleinen französischen Kekse mit Füllung werden in immer mehr Läden in Berlin angeboten. "Sie sind einfach köstlich", sagt Walker.

Der Einkauf am Sonnabend begann verhalten, startete dann aber durch. In den ersten Stunden war auf vielen Berliner Einkaufsstraßen kaum mehr los als an einem gewöhnlichen Wochenende. Viele Hauptstädter nutzten offenbar erst mal den Vormittag, um in den Supermärkten das Essen für die bevorstehenden Feiertage einzukaufen.

Sogar bei der Postfiliale an der Friedrichstraße in Mitte gab es keine Warteschlange mehr. Doch am Nachmittag wurde es voller in den Läden. Vor allem Bücher, Parfums und warme Wollsachen wurden noch auf den letzten Drücker als Geschenk gekauft.

Smartphones und Tablets sind im Trend

Am Kudamm herrschte auf den Gehwegen dichtes Gedränge. "Der Sonnabend vor Weihnachten ist für die Händler am Kudamm und am Tauentzien der umsatzstärkste Tag des Jahres. Dem entsprechend gut besucht waren die Geschäfte in der City West", sagte Jennifer Woelki von der Arbeitsgemeinschaft City. "Die Elektronik-Fachmärkte waren den gesamten Tag über voll mit Kunden."

Ganz oben auf den Wunschlisten standen Smartphones und Tablet PCs. "Es wird gezielt und hochwertig gekauft", sagte auch Michael Noß, Geschäftsführer Karstadt am Kudamm. Das gelte insbesondere für Lebensmittel. "Man lässt es sich zum Fest gut gehen", so Noß. Auch bei echtem Schmuck hätten die Kunden Geld ausgegeben.

Der Trend zum hochwertigen Einkauf zeigte sich auch in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz. Mit Rabatten sollten Kunden gelockt werden. Gut besucht war etwa die Spielwaren-Abteilung. Dort lagen die Geschenk-Klassiker ganz vorn in der Käufergunst: Lego-Baukästen für die größeren, Kuscheltiere und hochwertiges Holzspielzeug für die kleineren Kinder.

Auch eine kleine Carrera-Rennbahn war dicht umlagert, vor allem aber von faszinierten Vätern. Jörn Wenzel hatte den Einkauf nicht seiner Frau überlassen. Er kaufte für seinen siebenjährigen Sohn einen großen Spielzeug-Kran – 1,20 Meter hoch soll er im aufgebauten Zustand sein. "Der ist nicht gerade billig gewesen. Aber ich finde, mein Sohn soll später mal was Technisches machen. Vielleicht findet er mit so einem tollen Kran Gefallen daran."

Diskretes Geschenk aus Seide für den Freund

Richtiges Gedränge herrschte im Kaufhof in der Feinkostabteilung im Erdgeschoss. "So viele Parkscheine wie heute habe ich das ganze Jahr nicht eingelöst", stöhnte eine der Verkäuferinnen. Ganz traditionell gingen da Gänse und Enten über den Ladentisch, eine kleine Schlange hatte sich aber auch an der Käsetheke gebildet. Amelie Sievers hatte sich dort ein kleines Sortiment mit Schweizer und österreichischen Spezialitäten zusammenstellen lassen.

Das Brot dazu wollte sie frisch am Montag dazu holen. "Käse und Baguette gibt es Heiligabend, dazu einen schönen französischen Rotwein – Kartoffelsalat und Würstchen sind mir einfach zu langweilig", sagte die 25-Jährige, die zusammen mit ihrem Freund feiern will. Ein Geschenk für ihn hat sie auch schon. "Es ist aus Seide – mehr sage ich nicht."

Im Untergeschoss der Galeries Lafayettes an der Friedrichstraße standen die Kunden vor den Kühlregalen, um noch ein paar Köstlichkeiten für die Festtage zu besorgen. Hauchdünn geschnittenen Schinken, dunkles Brot mit Walnüssen und Pflaumen und schwarzen Rauchtee legten die Käufer in ihre Einkaufskörbe.

Beata und Gala Arnold wollten sich in diesem Jahr nicht mit einem Sachgeschenk überraschen, sondern schenken sich Theaterkarten. "Da haben wir beide etwas davon", sagte Beata Arnold.

Virtuelle Musik statt echter CDs

Im Kulturkaufhaus Dussmann wurden vor allem Bücher, Platten und DVDs gekauft. Olaf Kosert war dagegen auf der Suche nach Geschenken für die Kinder von Freunden. Für das sechsjährige Mädchen hat er einen Strickset ergattert "Für den Jungen brauche ich noch ein gutes Computerspiel", sagte Kosert.

Die sind derzeit der Renner im großen Elektronik-Markt im Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz. Doch auch hier ist ein Trendwandel zu spüren. Jugendlichen kaufen statt der Original-CD immer öfter Gutscheine, mit denen die Lieblinsmusik aus dem Internet heruntergeladen werden kann.

Wer bis jetzt noch kein Geschenk hat, kann auch noch am heutigen Sonntag fündig werden. Viele Geschäfte und Einkaufscenter haben von 13 Uhr an geöffnet. Möglich macht dies eine gesetzliche Regelung, die in Berlin die Sonntagsöffnung an zwei Adventswochenenden erlaubt.

Die Läden schließen zwischen 18 und 20 Uhr. Die Öffnungszeiten der Kauf- und Warenhäuser der Hauptstadt hat der Handelsverband Berlin-Brandenburg auf seiner Internet-Seite (www.hbb-ev.de) veröffentlicht.

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Das schenken die Berliner am liebsten
  • Dussmann

    Am Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße waren am letzten Wochenende vor Weihnachten die Buchtitel „Ein plötzlicher Todesfall“ von J.K. Rowling, „Das Phantom des Alexander Wolf“ von Gaito Gasdanow und „Er ist wieder da“ von Timur Vernes nachgefragt.

  • Butlers

    Bei dem Geschenke-Spezialisten waren Pfeffermühlen besonders begehrt. Sie sind offenbar ein Klassiker, um andere mit einem nützlichen, aber dennoch originellen Geschenk unter dem Weihnachtsbaum zu überraschen.

  • Galeria Kaufhof

    Im Kaufhaus am Alexanderplatz wurden vor allem Spielzeug-Klassiker wie Lego-Baukästen und Playmobil-Spiele gekauft. Ein Renner waren außerdem warme Winterjacken. In der Feinkostabteilung wurden hochwertige Süßigkeiten und edle Weine nachgefragt.

  • Strauss

    Bei Strauss Innovation griffen die Kunden vor allem an dem Tisch zu, an dem es Wollschals aus Cashmere und Lederhandschuhe zu kaufen gab.

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